Badi St. Gallen: «Frauenbereich ist kein Spielplatz für Kleinkinder»

«Frauenbereiche in Badis sind für Frauen da – und sind eben gerade keine Kleinkindbereiche», findet Kolumnistin Dr. Verena E. Brunschweiger.

Familienbad
Das Familienbad Dreilinden bietet einen extra Abschnitt nur für Frauen. Nun aber seien vermehrt auch Mütter mit ihren Kindern dort anzutreffen. Einige Gästinnen nerven sich darüber. Eine sagt: «Das Familienbad ist gleich nebenan. Dieser Bereich ist ein Ort der Ruhe und ausschliesslich für Frauen.» - zvg

Das Wichtigste in Kürze

  • Dr. Verena E. Brunschweiger schreibt auf Nau.ch regelmässig Kolumnen.
  • Heute schreibt sie über Kinder in Frauenbereichen in den Badis.
  • Brunschweiger nimmt dabei auch die Männer in die Pflicht.

Viele Stammgästinnen im St. Galler Freibad Dreilinden schätzen den Frauenbereich in ganz besonderem Mass. Allerdings stellen sie in letzter Zeit vermehrten Trubel fest, verursacht durch lärmende Kleinkinder!

Eine Besucherin wies darauf hin, dass Bücher lesen oder sich in Ruhe sonnen zu den Charakteristika zählen, weshalb sie den Frauenbereich so liebt. Und dass genau diese Atmosphäre verloren zu gehen drohe.

Verena Brunschweiger
Verena Brunschweiger schreibt regelmässig Kolumnen auf Nau.ch. - zvg

Achtung vor dem Ball!

Tatsächlich fragt man sich unweigerlich, warum Mütter das dieser Frau unbedingt kaputt machen wollen, indem wirklich überall Bälle fliegen müssen und Gekreische zu hören sein muss. Und auch noch rennenden Kleinkindern ausgewichen werden muss. Zumal der Familienbereich nicht weit weg ist.

Draussen ein Buch lesen war einst eine wunderschöne, romantische, entspannende Angelegenheit. Jetzt ist es offenbar ein beträchtliches Risiko, da man jederzeit einen Ball an den Kopf geknallt bekommen kann.

Es spricht also viel dafür, Frauenbereiche auch als solche zu führen, und nicht als Frauen- und Kleinkindbereich. Gebt doch mal den Männern die Kinder mit! Oder haben die etwa keine Lust?

Andere wiederum betonen den Unsinn von Geschlechtertrennung jeglicher Art, es hätte etwas Künstliches, erinnere an religiöse Einrichtungen, wo Frauen und Männer getrennt werden.

Gehören Kleinkinder in den Frauenbereich einer Badi?

Senior läuft in «Ladies only»-Bereich

Aber: Im grössten Thermalbad der Welt, der «Erdinger Therme», gibt es ebenfalls einen mit einem grossen Schild als solchen gekennzeichneten «Ladies only»-Bereich. Das klappt grundsätzlich problemlos. Bis auf den einen älteren Herren. Der behauptete als Ausrede, kein Englisch zu können, als er gefragt wurde, was er im Frauenbereich zu suchen hätte…

Dieser Bereich der Badeanlage ist übrigens generell ab 16 Jahren, was einen ruhigen, wirklich erholsamen Aufenthalt garantiert. Für Leute mit Kindern gibt es das Rutschenparadies, das normale Hallen- und Freibad, diverse Planschbecken und so weiter und so fort.

Herzlichen Dank an den Vater

Und es ist halt einfach so: Es stört, wenn man beim ahnungslosen Betreten der Damentoilette als Erstes einen Fünfjährigen zu Gesicht bekommt – beim nur teilweise klappenden Versuch, stehend in eine Schüssel zu pinkeln. Herzlichen Dank an seinen Vater, der ihn auf die Mutter (und alle anderen Frauen) abwälzt.

Es kann nicht sein, dass öffentliche Räume aller Art für alle anderen Bevölkerungsgruppen nur mit Ohrstöpseln und ständiger erhöhter Wachsamkeit benutzbar sind, sobald Eltern mit Kleinkindern diese für sich entdeckt haben.

Es leeren sich ganze Plätze, sobald der kleine Yannick brüllend mit seinem Fussball und seiner Wasserpistole auftaucht.

Zum Davonlaufen, sogar für die Tiere

Leute jeden Alters packen Bücher und Tablets ein, Menschen setzen sich um, um nicht im Radius seiner Planschorgien zu sein, Studenten setzen Kopfhörer auf. Und sogar die Speziesgrenzen werden überschritten: Tauben, Amseln, Spatzen, Enten und Elstern ergreifen die Flucht. Hunde verkriechen sich mit eingezogenem Schwanz, Katzen scharwenzeln davon – aber bloss keine Panik, ist ja nur ein süsser Junge!

Nein, so jemand hat wirklich nichts in irgendeinem Frauenbereich verloren. Ganz egal, ob er schon als kleiner Mann empfunden wird oder nicht.

Es sei denn, man will mal wieder schön altmodisch Frau mit Mutter gleichsetzen. Und aktiv und absichtlich allen anderen Frauen Ruhe und Freude rauben.

Morddrohungen in Interlaken

Zur Person

Dr. Verena E. Brunschweiger, Autorin, Aktivistin und Feministin, studierte Deutsch, Englisch und Philosophie/Ethik an der Universität Regensburg. 2019 schlug ihr Manifest «Kinderfrei statt kinderlos» ein und errang internationale Beachtung.

Man sieht ganz aktuell auch beim Thema kinderfreier Campingplatz – in diesem Fall «Lazy Rancho» in Unterseen bei Interlaken – dass man der Aggressivität mancher Eltern schon etwas entgegensetzen sollte.

Die Betreiberinnen erhielten Morddrohungen (!) und 1-Stern-Bewertungen. Das kriegt man also von wütenden Eltern, wenn man sich outet, ein Café, ein Hotel – oder in diesem Fall einen Campingplatz, kinderfrei führen zu wollen.

Verena Brunschweiger
Verena Brunschweiger. - zvg

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Kommentare

User #1690 (nicht angemeldet)

Ist Trubel Nauianisch oder sollte das Trouble sein

User #2534 (nicht angemeldet)

Das mit der Frauen-Badi auf Dreilinden ist ein alter Zopf. Oeffnet sonst den vordersten Weiher bitte nur für Männer. Das ist Gleichberechtigung!

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