Apps einrichten & Co.: Bei Post kosten 2 Minuten Beratung 5 Franken
Digitale Hilfe bei der Post kostet Geld – bereits zwei Minuten Beratung kosten fünf Franken. Das Angebot schliesst Lücken im Alltag, wirft aber Fragen auf.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Post bietet in ihren Filialen digitale Unterstützung an – gegen einen Aufpreis.
- Das Angebot wird rege genutzt, vor allem für die Handy-Einrichtung und für Formulare.
- Ein Konsum-Experte findet dazu: «Digitale Kompetenz ist eine Art neue Währung geworden.»
Apps installieren, Einstellungen auf dem Computer vornehmen, eine E-Mail-Adresse einrichten oder das Paket einpacken lassen: Wer im Alltag Hilfe braucht, kann sich in der Postfiliale persönlich beraten lassen.
Diese Möglichkeit gibt es seit Dezember 2023 und findet Anklang. «Das Angebot wird rege genutzt», verrät Post-Sprecher Patrick Stöpper auf Anfrage von Nau.ch.
Post rechtfertigt Preise mit Arbeitsaufwand
«Im Jahr 2025 haben Kundinnen und Kunden mehrmals täglich unsere Beratungsangebote in Anspruch genommen, wo diese zur Verfügung stehen. Das zeigt uns, dass der Bedarf an einfacher und persönlicher Unterstützung vorhanden ist und weiterwächst», sagt er.
Die häufigsten Anliegen: Handy einrichten, Apps wie der Bezahl-Service Twint installieren, Behördenformulare ausfüllen und Münzrollen erstellen.
Die Dienste nehmen laut Post vor allem Menschen mit folgenden Merkmalen in Anspruch: Wenig Affinität zu digitalen Themen, sprachliche Barriere und Menschen, die sich nicht oder beschränkt Unterstützung im eigenen Umfeld holen können.
«Zudem ist nicht ausser Acht zu lassen, dass viele es schätzen, dass das Angebot für sie auch bequem ist. Zum Beispiel, dass wir eine zerbrechliche Sendung einpacken», sagt Stöpper.

Doch gratis ist die Beratung bei der Post nicht: Zwei Minuten kosten fünf Franken, fünf Minuten 15 Franken, zehn Minuten 25 Franken und 15 Minuten 35 Franken. «Die Preise entstehen aufgrund des Arbeits- und Zeitaufwandes.»
Beratung für Post-Angebote bleibt kostenlos
Und: «Es handelt sich bei diesem Unterstützungsangebot nicht um eine Beratung zu postalischen Produkten oder Dienstleistungen», erklärt Stöpper.
Die posteigenen Dienstleistungen bleiben hingegen kostenlos: Dazu zählt neben dem Kauf von Briefmarken und dem Steuern des Empfangs von Paketen und Briefen die Einrichtung der Post-App. Ebenso bieten die Mitarbeitenden Hilfe bei der Nutzung des E-Bankings von Postfinance.
Der Sprecher betont: «Selbstverständlich informieren die Mitarbeitenden der Post die Kundinnen und Kunden proaktiv vorab über den erwarteten Zeitaufwand und den entsprechenden Preis.»
Konsumentenschützer loben: Kosten sollen nicht auf andere abgewälzt werden
Der Konsumentenschutz ist froh, ist der Zusatzservice bei der Post nicht kostenlos. «Solche Dienstleistungen sollen nicht durch andere Kundinnen und Kunden quersubventioniert werden», sagt Konsumentenschützer André Bähler zu Nau.ch.
Das betreffe Dienste, die nichts mit dem Kerngeschäft der Post zu tun haben, etwa dem Einstellen von Handys oder Laptops.
«Beim alltäglichen Schaltergeschäft braucht es ein Abwägen», findet er. «Wenn die Hilfestellung nur kurz dauert, sollte sie aus unserer Sicht für Personen, die Hilfe benötigen, kostenlos sein.»
Auch der Wirtschaftspsychologe und Konsum-Experte Christian Fichter findet die kostenpflichtigen Zusatzleistungen «legitim». «Service public bedeutet ja nicht, dass alles gratis ist», sagt er zu Nau.ch.

Er merkt aber an: «Kritisch wird es dort, wo kostenpflichtige Angebote faktisch Lücken schliessen, die durch den Rückzug aus dem klassischen Service entstanden sind. Wenn Menschen heute Hilfe brauchen, um grundlegende Alltagsvorgänge zu erledigen, zeigt das vor allem, wie stark der Alltag digitalisiert wurde.»
Insofern bewege sich die Post hier «in einer Grauzone zwischen Zusatzservice und sozialer Grundversorgung».
Post springt bei Digitalisierungs-Lücken ein
Wichtig: Die Digitalisierung von Zahlungen, E-Mails und Behördenkontakten fand unabhängig von der herkömmlichen Post statt. Mit ihrem neuen kostenpflichtigen Angebot schliesst die Post nun jedoch bestehende Lücken.
Betriebswirtschaftlich sind die Preise für den Experten «nachvollziehbar». «Rechnet man Personal-, Infrastruktur- und Schulungskosten ein, sind 25 oder 35 Franken für eine Viertelstunde nicht überrissen», sagt Fichter.

Er räumt aber ein: «Psychologisch wirken solche Minutenpreise aber sehr hoch, weil sie Alltagsprobleme monetarisieren, die früher selbstverständlich Teil des Services waren. Zwei Minuten für fünf Franken wirken nicht wie Beratung, sondern wie eine Gebühr fürs Nichtbeherrschen digitaler Prozesse.»
Besonders ältere Menschen sowie Personen mit geringerer digitaler Kompetenz oder tieferen Einkommen sind auf die persönliche Unterstützung angewiesen. Und das erzeuge eine paradoxe Situation.
«Digitale Kompetenz ist eine Art neue Währung geworden»
Fichter erklärt: «Wer digitale Systeme am wenigsten versteht, muss am meisten dafür bezahlen, um sie nutzen zu können. Aus gesellschaftlicher Sicht ist das zumindest problematisch.»
Seine Kritik richtet sich daher nicht gegen die Post, sondern darauf, dass die Gesellschaft nicht alle bei der Digitalisierung mitnimmt: «Die Preisliste der Post ist weniger ein Skandal als ein Symptom. Sie zeigt, dass digitale Kompetenz inzwischen eine Art neue Währung geworden ist.»
Heisst: «Wer sie besitzt, bewegt sich kostenlos durchs System. Wer sie nicht hat, zahlt – nicht nur mit Geld, sondern oft auch mit Unsicherheit und Abhängigkeit.»
















