An Zürcher Goldküste boomen befristete Wohnungen
Befristet für knapp ein Jahr bieten Eigentümer an der Zürcher Goldküste sanierungsbedürftige Mietwohnungen an. Doch diese sind in einem Top-Zustand.

Das Wichtigste in Kürze
- Teure und moderne Wohnungen in Küsnacht oder Zollikon ZH werden für ein Jahr vermietet.
- Die Immobilienfirmen begründen die befristeten Vermietungen mit Sanierungen.
- Immobilienexperte Donato Scognamiglio sagt, was dahintersteckt.
Die Bananenkisten stapeln die neuen Mieter am besten in der Nähe. An der Zürcher Goldküste boomen aktuell Wohnungen, die nur zur befristeten Miete ausgeschrieben sind. Oft handelt es sich dabei um solche mit hohen Mietzinsen, wie Inserate auf dem Immobilienportal Homegate zeigen.
Ein Inserat wirbt mit einer «modernen Wohnung mit gratis Einstellplatz» in Zollikon ZH. Die Wohnung bietet 3.5-Zimmer und eine Fläche von 140 Quadratmetern.
Die Fotos zeigen helle Räume, eine moderne Küche und frische Parkettböden. Der Mietzins beträgt 5650 Franken. Wohnen kann man darin aber kein Jahr – die Wohnung wird befristet bis Ende März 2027 vermietet.
«Weisse Hochglanz-Küche»
In Küsnacht sind im gleichen Haus drei Wohnungen bis Ende März 2027 zur befristeten Miete ausgeschrieben. Die beiden 4,5-Zimmer-Wohnungen haben Wohnflächen von 177 und 175 Quadratmetern. Ihr Mietzins beträgt 5890 Franken respektive 5000 Franken. Für 3100 Franken Miete gibt es die 2,5-Zimmer-Wohnung (86 Quadratmeter).
Die Küchen wirken auf den Fotos neu. Die Inserate versprechen zudem «moderne Küchengeräte». Die Wände in den hellen Räumen auf den Fotos sind so weiss wie frisch gestrichen.
Auch die «moderne» 4,5-Zimmer-Wohnung in Zollikon sieht attraktiv aus. Für eine Miete von 4240 Franken gibt es unter anderem eine «weisse Hochglanz-Küche mit Steamer». Die Fotos der 144 Quadratmeter grossen Wohnung zeigen Räume, die solchen aus Wohnkatalogen ähneln.
Aber auch hier heisst es schon bald wieder: Kisten packen. Die Wohnung ist nur befristet bis Ende März 2027 verfügbar.
Sanierungsbedarf ist unklar
Die Immobilienfirmen begründen die befristeten Mietverhältnisse auf Anfrage mit Sanierungsprojekten. Auf die Frage, welchen Sanierungsbedarf die top modernen Wohnungen hätten, kam keine Antwort zurück.
Donato Scognamiglio ist Immobilienexperte und Verwaltungsratspräsident des Immobilienberatungsunternehmen IAZI. «Ich war selbst überrascht, wie viele Objekte aktuell befristet angeboten werden», sagt er zu Nau.ch.
Er macht die «extrem angespannte Marktsituation» verantwortlich dafür. In 22 Kantonen herrscht Wohnungsknappheit, in 15 sogar Wohnungsnot. Im Kanton Zürich liegt der Leerstand bei rund 0,5 Prozent. In vielen Gemeinden an der Zürcher Goldküste ist dieser Wert noch deutlich tiefer.
«Höhere Mieten durchsetzen»
«Diese Knappheit führt zu steigenden Angebotsmieten», sagt Donato Scognamiglio. «Wer heute in einer unbefristeten Wohnung lebt, ist in einer vergleichsweise komfortablen Situation.» Mietzinserhöhungen seien abgesehen von Sanierungen nur unter bestimmten Bedingungen möglich.
Aktuell sind laut Scognamiglio die Zinsen aber tief und die Inflation ist moderat. Bestehende Mietverhältnisse entwickelten sich daher oft deutlich langsamer als der Markt.
«In einem derart angespannten Markt besteht ein klarer Anreiz, befristete Verträge systematisch einzusetzen», sagt der Immobilienexperte. «Um Mietverhältnisse regelmässig neu zu gestalten und höhere Mieten durchzusetzen. Das ist kritisch zu beobachten.»
Würden Liegenschaften in absehbarer Zeit saniert, sei es sinnvoll, Wohnungen übergangsweise zu vermieten, sagt Scognamiglio. «Statt sie leer stehen zu lassen.» Problematisch werde es jedoch, wenn solche Begründungen vorgeschoben würden. «Gerade bei modernen oder gut erhaltenen Objekten stellt sich die Frage nach der Glaubwürdigkeit.»
Angebote seien für Expats attraktiv
Walter Angst, Co-Geschäftsleiter des Mieterverbands Zürich, schüttelt den Kopf. «Das sind Praktiken, die nicht den Bedürfnissen von Familien und Haushalten entsprechen», sagt er. «Man zieht nicht in eine Wohnung, um ein halbes Jahr später wieder umzuziehen.»
Angst geht davon aus, dass die teuren befristeten Wohnungen vor allem Wohnungssuchende aus dem Ausland ansprechen. «Leute, die vom hiesigen Wohnungsmarkt nicht wirklich Kenntnisse haben.»
Gerade die Goldküste sei für Expats attraktiv. Grund dafür seien die Lage am See und die Nähe zu den Firmen in der Stadt Zürich. «Häufig bezahlen Expats aber viel zu viel für das, was schlussendlich geboten wird.»



















