«Rösti macht schöner»: Eingebürgerter gibt Expats Integrations-Tipps
«Andere Ausländer trifft man leichter als Schweizer.» Ein Ex-Expat kennt die Hürden bei der Integration aus erster Hand. Nun gibt er Einbürgerungs-Tipps.

Das Wichtigste in Kürze
- Hugh Chaffey-Millar kam 2013 in die Schweiz, seit 2025 ist er Schweizer Bürger.
- Den Einbürgerungs-Prozess beschreibt er als altmodisch und langsam.
- Nun hat er seine Tipps für die Integration in einem neuen Handbuch niedergeschrieben.
Der Schweizer Pass glänzt rot – und ist heiss begehrt: Rund 40’000 Personen werden jedes Jahr eingebürgert.
Der Weg dorthin ist anspruchsvoll: Mindestens zehn Jahre Aufenthalt, gute Sprachkenntnisse, ein einwandfreier Leumund.
Dazu kommen Gebühren von 1100 bis 5600 Franken – je nach Gemeinde.
Der gebürtige Australier Hugh Chaffey-Millar (45) hat den Prozess bereits hinter sich. 2025 wurde er nach einem zweijährigen Prozess im Kanton Zug eingebürgert.
Jetzt gibt er in einem Buch Tipps für Expats, die in der Schweiz Fuss fassen wollen.
Der Titel: «Rösti macht schöner als Döner», in Anlehnung an den bekannten Spruch «Döner macht schöner». «Ich habe immer gescherzt, dass Rösti noch schöner macht», erklärt Chaffey-Millar gegenüber Nau.ch.
Handbuch soll bei Einwanderung helfen
Dahinter stecke die Botschaft: «Die Schweiz ist ein vielfältiges, lebenswertes Land voller Chancen.»
Und er ergänzt: «Ich esse Rösti gerne mehrmals im Monat, auch lieber Rösti als Döner.»
Sein Buch ist ein Lexikon über das politische System, Verständigungstipps auf Schweizerdeutsch und kulturelle Eigenheiten der Schweizerinnen und Schweizer.
Chaffey-Millar spricht fliessend Deutsch mit leichtem australischen Akzent und versteht Mundart.
«Mit manchen Dialekten habe ich noch Mühe», sagt er. Das Gespräch mit Nau.ch führt er deshalb bewusst auf Hochdeutsch.
Geboren in Sydney, zog er 2008 zunächst nach Deutschland «für ein ein- bis zweijähriges Abenteuer» in der Forschung.
«Einfacher Ausländer kennenzulernen als Schweizer»
Aus zwei Jahren wurden mehrere: München, Innsbruck – bevor er 2013 seinen Traum verwirklichte und in die Schweiz zog. Heute arbeitet er als Projektleiter im Softwarebereich.
Einen klassischen Kulturschock habe er nicht erlebt: «Ich war vorbereitet durch meine Zeit in Deutschland und Österreich.»
Überraschend seien eher Details gewesen, wie dass das kulinarische Angebot ausserhalb der Städte eher beschränkt sei. Und: «Dass es kaum Klimaanlagen gibt.»

Besonders zum Schmunzeln in diesem Zusammenhang: «Der Ausdruck ‹es zieht› lässt sich kaum übersetzen. Für Leute aus klimatisierten Ländern erst recht nicht.»
Grössere Unterschiede habe er bei der sozialen Integration erlebt. Freunde zu finden sei in Australien einfacher gewesen. «Es ist viel einfacher, andere Ausländer kennenzulernen als Schweizer.»
Dank Tanzschule Expat-Bubble entkommen
Der Durchbruch kam über ein Hobby: «Ich bin einer Tanzschule beigetreten – plötzlich war es kein Problem mehr, mit Schweizern in Kontakt zu kommen.»
Sein Rat: «Gemeinsame Aktivitäten suchen, um Einheimische kennenzulernen und bewusst aus der ‹Expat-Bubble› herauszukommen.»
Heute besteht sein Freundeskreis aus einer «gesunden Mischung» aus Schweizern und Zugewanderten, viele davon inzwischen ebenfalls eingebürgert.

Die Idee für sein Handbuch entstand während des Einbürgerungsprozesses. «Mir hat eine umfassende Übersicht gefehlt – also habe ich ein Buch geschrieben.»
Den Prozess selbst beschreibt er als lehrreich, «sinnvoll, weil man das Land verstehen muss». Gleichzeitig sei er auch «etwas altmodisch» und teilweise langsam.
Emotional sei der Prozess von grosser Bedeutung gewesen: «Es war ein gutes Gefühl, wirklich Teil der Gesellschaft zu sein.»
«Verstehe Sorgen über starkes Bevölkerungswachstum»
Die politischen Debatten rund um Migration verfolgt Chaffey-Millar aufmerksam.
Als Einwanderer, der auch australische Erfahrungen kennt, nimmt er eine differenzierte Haltung ein: «Ich verstehe die Argumente von beiden Seiten.»
Im Juni stimmt die Schweiz über die 10-Millionen-Initiative der SVP ab. Diese will die Schweizer Bevölkerung bis 2050 unter zehn Millionen halten.
Bei Überschreitung von 9,5 Millionen fordert sie Massnahmen wie Beschränkung des Asylrechts oder die Kündigung der Personenfreizügigkeit mit der EU.
Zu dieser anstehenden migrationskritischen Initiative sagt Chaffey-Millar: «Ich verstehe die Sorgen über starkes Bevölkerungswachstum. Unkontrolliertes Wachstum kann zu Problemen führen.»
Gleichzeitig warnt er vor zu einfachen Lösungen: «Wenn man ein komplexes System mit einer sehr einfachen Massnahme verändert, kann das zu unerwarteten und unerwünschten Ergebnissen führen.»
Expat fühlte sich von Abstimmungs-Plakaten «zurückgewiesen»
Gerade zu Beginn seiner Zeit in der Schweiz seien ihm Plakate, die sich gegen Migration richteten, aufgefallen: «Teilweise fühlte ich mich ein bisschen zurückgewiesen – aber nur selten und nie stark.»
Entscheidender sei der persönliche Kontakt gewesen: «Da habe ich mich immer akzeptiert gefühlt.»

Für ihn sei daher wichtig: Mehr Nuancen in der politischen Debatte. «Neben kritischen Stimmen gibt es viele, die Migration offen gegenüberstehen, aber konkrete Herausforderungen sehen.»
Diese Unterschiede müsse man erkennen. «Sonst vereinfacht man die Realität zu stark.»
Sein zentraler Rat an Zugezogene: «Investiert Zeit in die Sprache, sucht aktiv den Kontakt zu Einheimischen. Und habt Geduld: Integration passiert nicht über Nacht.»











