Alkohol im Cockpit: So streng kontrolliert die Schweiz Piloten
Zwei alkoholisierte Swiss-Piloten, ein Pilot unter Drogeneinfluss bei Air India: Wie streng kontrolliert die Schweiz ihre Flugbesatzungen?

Das Wichtigste in Kürze
- Das BAZL kontrolliert Flugbesatzungen regelmässig und unangekündigt auf Alkohol und Drogen.
- Piloten und Kabinenpersonal werden jedoch nicht vor jedem Flug routinemässig getestet.
- Wer positiv getestet wird, darf nicht arbeiten und muss mit weiteren Konsequenzen rechnen.
Im Mai 2026 wurden zwei Swiss-Piloten gestoppt, bevor sie einen Airbus A220 ab Genf steuern konnten.
Die Crew bemerkte, dass die beiden Männer vor dem Europaflug deutlich alkoholisiert waren. Sie hatten am Vorabend gemeinsam im Crewhotel getrunken – und dabei offenbar gleich mehrere Regeln missachtet.
In Europa gilt für Cockpitcrews eine gesetzliche Grenze von 0,2 Promille. Swiss schreibt vor Dienstbeginn sogar 0,0 Promille vor.
Hinzu kommt die sogenannte Acht-Stunden-Regel: Zwischen dem letzten Drink und dem Flugdienst müssen mindestens acht Stunden liegen.
Auch ein Vorfall bei Air India sorgt für Aufsehen. Nach einem Zwischenfall auf einem Flug von Phuket nach Neu-Delhi ergab die Untersuchung: Ein Pilot wurde positiv auf psychoaktive Substanzen getestet.
24 Personen wurden auf dem Flug verletzt. Air India kündigte daraufhin obligatorische Drogentests für alle Piloten an.
Und wie kontrolliert die Schweiz?
Die Schweiz hat die Vorgaben der EU-Verordnung 965/2012 mit einer Revision des Luftfahrtgesetzes (LFG) umgesetzt und ergänzt. Seit Sommer 2022 führt das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) mit operativer Unterstützung der Polizei regelmässig Alkoholkontrollen durch.
BAZL-Sprecher Antonello Laveglia erklärt auf Anfrage von Nau.ch. «Hierbei werden alle Crewmitglieder getestet, ohne dass ein konkreter Anlass oder begründeter Verdacht vorliegt.»

Die Kontrollen finden stichprobenweise bei Vorfeldinspektionen statt. Zusätzlich müssen sich Pilotinnen und Piloten regelmässig fliegerärztlich untersuchen lassen. «Alkohol ist dort auch thematisiert», erklärt der Mediensprecher.
Airline in Verantwortung
Doch die Verantwortung liegt nicht allein bei der Behörde. «Die Airline muss über ein Programm zur Prävention und Erkennung von Missbrauch psychoaktiver Substanzen verfügen», sagt Laveglia.
Diese Vorgaben gelten für Cockpit- und Kabinenpersonal sowie weiteres sicherheitsrelevantes Personal.
Kontrollen seien jedoch nicht nur stichprobenweise möglich, so der Mediensprecher: «Bei begründetem Verdacht, nach Unfällen oder Zwischenfällen sowie bei der Rückkehr in den Dienst nach einer Rehabilitation sind Tests vorgesehen. Ein positiv getestetes Crewmitglied muss sofort vom Dienst entbunden und die zuständige Behörde informiert werden.»
«Jederzeit stichprobenartig»
Swiss-Sprecherin Meike Fuhlrott bestätigt auf Anfrage von Nau.ch: «Die zuständigen Behörden können Mitarbeitende im Cockpit und in der Kabine jederzeit stichprobenartig auf Alkohol oder Drogen testen.»

Auch konkrete Hinweise auf einen möglichen Alkohol- oder Drogeneinfluss können einen Test auslösen.
Die Mediensprecherin stellt klar: «Besatzungsmitglieder werden nicht vor jedem Einsatz routinemässig auf Alkohol oder Drogen getestet.»
Klar ist: «Wer einen positiven Alkohol- oder Drogentest aufweist, darf seinen Dienst nicht antreten oder fortsetzen.» Anschliessend werde jeder Fall individuell geprüft und die weiteren Schritte auf dieser Basis festgelegt.
Keine Fälle bekannt
Der Swiss seien keine Fälle bekannt, in denen Cockpitmitglieder in den vergangenen Jahren bei Stichprobenkontrollen positiv getestet worden seien.
Bei Skyguide, der Schweizer Flugsicherung, gilt ein generelles Alkoholverbot in sämtlichen Gebäuden. Mediensprecher Vladi Barrosa sagt dazu auf Anfrage: Tests würden «nur bei Verdacht durchgeführt».













