Aldi Suisse macht Filialen wegen Druck dicht
Aldi Suisse schliesst heute gleich drei Filialen an gut gelegenen Standorten, zwei weitere folgen. Aldi braucht Geld, um im Preiskampf bestehen zu können.

Das Wichtigste in Kürze
- Aldi Suisse schliesst gleich mehrere Filialen.
- Der Discounter spart bei den Fixkosten, besonders bei Mieten in urbanen Zentren.
- Aldi setzt wieder auf ein bewährtes Modell: Filialen am Stadtrand.
- Die Tiefpreisstrategie der Migros setzt den deutschen Discounter unter Druck.
Was läuft bei Aldi Suisse schief?
Der Discounter schliesst per heute Samstag gleich mehrere Filialen – und das an prominenten Standorten.
Betroffen sind die Läden in der Zytglogge-Passage, im Einkaufszentrum Glatt in Wallisellen ZH sowie an der Bahnhofsstrasse in Baden AG.
Die Filialen in Wabern BE und an der Sihlstrasse in Zürich machen im Frühling dicht.
Bereits zuvor war bekannt geworden, dass Aldi Suisse eine geplante Filiale mitten im Bahnhof Basel SBB doch nicht realisiert.
Erik Neumann von der Hochschule für Wirtschaft Zürich ordnet ein. «Die Schliessungen sind eine direkte Folge des internationalen wirtschaftlichen Drucks», sagt er im Gespräch mit Nau.ch.
Mietkosten im urbanen Zentrum werden Aldi zu teuer
Dieser Druck verändere das Konsumverhalten spürbar. «Die Konsumentinnen und Konsumenten kaufen ihre Lebensmittel vermehrt dort, wo sie am günstigsten sind», erklärt er.
Aldi Suisse bestätigt gegenüber Nau.ch: «Wir spüren, dass unsere Kundschaft massiv auf das Portemonnaie schauen muss. Viele Kunden wechseln die Einkaufsstätte und suchen den Weg zum Discount.»
Doch genau das werde für Aldi zum Problem, warnt der Experte. «Ein Discounter, der für seine tiefen Preise bekannt ist, muss im Preiskampf mithalten können. Das kostet.»
Aldi spare deshalb wo immer möglich. Doch die Spielräume seien begrenzt.

«Bei den Personalkosten kann Aldi nicht weiter sparen, da durchschnittlich nur maximal 2,5 Mitarbeiter gleichzeitig auf der Verkaufsfläche tätig sind. Auch das Sparpotenzial in der Logistik ist soweit möglich ausgeschöpft, die Margen bei den Lebensmitteln sind ausgeschöpft.»
Übrig bleibe nur ein Hebel: Die Fixkosten, insbesondere bei den Mieten.
Kein Zufall also, dass es ausgerechnet urbane Standorte trifft. «An diesen Standorten sind nicht nur die Mieten höher. Oft muss ein Laden auch einen Teil seines Umsatzes an die Vermieter abdrücken.»
Aldi Suisse bestätigt auf Anfrage: «Wir fokussieren uns auf effiziente Prozesse und Kostenstrukturen. So schaffen wir es, unseren Kundinnen und Kunden das beste Preis-Leistungs-Verhältnis der Schweiz anzubieten.»
Als Discounter setze man auf Einfachheit, auch beim Filialnetz: «Nur so können wir Kosten einsparen und Vorteile an unsere Kundschaft weitergeben.» Man konzentriere sich auf Standorte, «die zu uns passen und zieht dort Konsequenzen, wo dies nicht mehr der Fall ist».
Aldi Suisse setzt wieder verstärkt auf Filialen am Stadtrand
Trotz der Schliessungen rechnet Neumann nicht mit einem Rückzug von Aldi Suisse. Der Discounter werde sich vielmehr wieder auf ein bewährtes Modell konzentrieren: «Nur mit Filialen am Stadtrand, wie beim Schweizer Markteintritt 2005.»
Auch die Aldi-Medienstelle bestätigt: «An unserem mittelfristigen Ziel von 260 Filialen ändert sich nichts.» Per Anfang Februar betreibt der Discounter 244 Filialen in der Schweiz.
Der Rückzug aus den urbanen Zentren überrascht dennoch: Kürzlich hatte Aldi noch angekündigt, vermehrt auf kleinere Standorte an Knotenpunkten wie Bahnhöfen zu setzen.

Doch strategische Kurswechsel seien für Aldi einfacher als für die Konkurrenz. Genossenschaftliche Strukturen – insbesondere bei der Migros – machten schnelle Anpassungen schwieriger.
«Die grundlegenden Strategien bei Aldi stammen aus der Zentrale in Deutschland», ist Neumann überzeugt.
Der aggressive Preiskampf sei Teil der Aldi-DNA – und müsse nun neu entfacht werden. «Die Schweizerinnen und Schweizer waren anfänglich noch skeptisch gegenüber den deutschen Discountern. Mit der Zeit bröckelte die anfängliche Loyalität gegenüber Migros und Coop.»
Die Discounter konnten ihre Marktanteile also dank tieferer Preise steigern.
Migros-Tiefpreisstrategie «setzt Aldi unter Druck»
Heute wird das Umfeld jedoch härter. «Weil die Supermärkte unter Druck kommen, steigen auch diese vermehrt in den Preiskampf ein», sagt Neumann.
Ein Beispiel dafür ist die Tiefpreisstrategie der Migros. «Das setzt auch Aldi unter Druck, da er um seine Rolle als Preisführer kämpfen muss. Entscheidend ist dabei nicht nur der tatsächliche Preis, sondern der Eindruck, der bei den Kundinnen und Kunden hängenbleibt.»
«Auch wenn Kundinnen und Kunden zwischenzeitlich allein wegen des Preises zur Konkurrenz wechselten. Viele bleiben in ihrer Identität ein Migros- oder Coop-Kind – wenn die Preisdifferenz abnimmt, kommt die Kundenloyalität wieder zum Tragen.»
Aldi Suisse muss preisaggressiv sein
Entscheidend sei, dass die Preisstrategie zum Image passe. «Aldi muss preisaggressiv auftreten, Migros muss lediglich preisattraktiv bleiben.»
Konkret heisst das: «Beim Preiskampf ums Brot muss ein Supermarkt mithalten können. Und bei vielen Produkten müssen die Preise merklich sinken.»
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Aber nicht um jeden Preis. «Ein Supermarkt muss im Gegensatz zum Discounter nicht überall am günstigsten sein. Er punktet auch mit der Qualität und Produkten, die es bei den Discountern nicht gibt», so Neumann.
Aldi Suisse rühmt sich damit, mit dem Markteintritt das Preisniveau in der Schweiz massgeblich beeinflusst zu haben. Auch künftig wolle man die Kosten tief halten, um so die «besten Preise» an die Kundschaft weitergeben zu können.
Das zahlt sich offenbar aus: «Wir verzeichnen ein anhaltend starkes Kundenwachstum im zweistelligen Prozentbereich», sagt der Discounter.















