Über Kabul ist heute Sonntag erneut Rauch zu sehen. Die USA haben ein Auto mit IS-Selbstmordattentätern per Drohne ausgeschaltet.
Kabul
Das auf Twitter geteilte Video zeigt den Einschlagsort in Kabul. Hier töteten die USA am Sonntag einen IS-Attentäter. Es gibt jedoch auch Berichte über zivile Opfer. - Twitter/karimi_shafi

Das Wichtigste in Kürze

  • Kabul wurde heute Sonntag erneut von Explosionen erschüttert.
  • Nach dem Treffer einer US-Rakete explodierte Sprengstoff von IS-Terroristen.
  • Wie viele Opfer es gibt und ob diese Zivilisten sind, ist unklar.

01.45: Das US-Militär untersucht nach dem Luftangriff auf ein Auto der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Kabul Berichte über mögliche zivile Opfer. Der Einsatz habe erfolgreich eine «unmittelbare Bedrohung» für den Flughafen Kabul durch die Terroristen abgewendet, darüber hinaus würden die Ergebnisse des Luftschlags noch geprüft, hiess es am Sonntagabend (Ortszeit) in einer Stellungnahme der US-Kommandozentrale für die Region (Centcom). In dem zerstörten Fahrzeug habe sich «eine grosse Menge Sprengstoff» befunden, «die womöglich zu weiteren Opfern führte», hiess es. «Es ist nicht klar, was passiert sein könnte und wir untersuchen das weiterhin. Wir wären sehr traurig über den möglichen Tod Unschuldiger«, hiess es in der Stellungnahme des Militärs weiter.

Zuvor hatte in Afghanistan unter anderem der Fernsehsender ArianaNews unter Berufung auf Augenzeugen berichtet, dass sechs Menschen, darunter vier Kinder, beim Einschlag einer Mörsergranate in einem Kabuler Privathaus getötet worden seien. Dabei seien zwei Fahrzeuge und Teile des Hauses zerstört worden. Es war nicht unmittelbar klar, ob diese Opfer möglicherweise einer Mörsergranate oder dem US-Luftschlag zuzurechnen waren. Der US-Sender CNN berichtete unter Berufung auf Angehörige in Kabul, dass bei dem Luftangriff neun Mitglieder einer Familie getötet worden seien, darunter sechs Kinder.

22.05: US-Präsident Joe Biden hat den bei dem Anschlag am Flughafen von Kabul getöteten US-Soldaten die letzte Ehre erwiesen.

Biden stand heute Sonntag auf dem Flugfeld des Militärstützpunkts Dover im US-Bundesstaat Delaware, als die in die Heimat übergeführten Särge der 13 Soldatinnen und Soldaten feierlich aus einer Militärmaschine getragen wurden. Abgeschirmt von Journalisten nahmen die Familien der Getöteten an der Zeremonie teil.

Joe Biden
US-Präsident Joe Biden und First Lady Jill Biden bei der Zeremonie. - Keystone

Einer nach dem anderen wurden die in die US-Flagge gehüllten Särge von Soldaten aus der Maschine getragen, vorbei an Biden und seiner Frau Jill sowie Verteidigungsminister Lloyd Austin, Aussenminister Antony Blinken und Generalstabschef Mark Milley sowie weiteren ranghohen Militärs.

Unter den 13 bei dem Anschlag getöteten Armeeangehörigen waren drei Soldaten, die 20 Jahre alt waren – genauso alt, wie der US-Einsatz in Afghanistan dauerte. Besondere Emotionen löste in den USA der Tod einer 23-jährigen Soldatin der Marineinfanterie aus, die nur wenige Tage vor dem Anschlag mit dem Baby einer afghanischen Familie auf dem Arm am Flughafen von Kabul fotografiert worden war.

18.55: Inzwischen gibt es Fotos vom Einschlagort der Rakete. Diese zeigen das völlig zerstörte Fahrzeug nahe einem Gebäude.

Kabul
In dem zerstörten Fahrzeug...
Kabul
...sollen IS-Attentäter gesessen haben.

18.05: Der lokale Fernsehsender ArianaNews berichtete unter Berufung auf Augenzeugen, dass sechs Menschen, darunter vier Kinder, beim Einschlag einer Mörsergranate in einem Kabuler Privathaus im 15. Polizeibezirk getötet worden seien. Dabei seien zwei Fahrzeuge und Teile des Hauses zerstört worden.

Es war nicht unmittelbar klar, ob diese Opfer möglicherweise nicht einer Mörsergranate, sondern dem US-Luftschlag zuzurechnen gewesen seien. Im 15. Polizeibezirk befindet sich auch der Flughafen.

17.49: Mehr als 21'000 Evakuierte aus Afghanistan sind bis Sonntag auf der Air Base Ramstein im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz gelandet. Das teilte der weltweit grösste US-Luftwaffenstützpunkt ausserhalb Amerikas und das US-Konsulat in Frankfurt mit.

Ramstein nahe Kaiserslautern ist seit dem 20. August ein US-Drehkreuz für Geflüchtete aus Afghanistan. Mehr als 6000 Evakuierte seien von dort bereits weitergeflogen.

Konflikt in Afghanistan
Ein Transportflugzeug mit aus Afghanistan ausgeflogenen Menschen landet auf der Ramstein Air Base. - dpa

17.35: Die Vereinigten Staaten werden ab September aller Voraussicht nach erst einmal keine diplomatische Vertretung in Afghanistan haben. Dies sei «nicht wahrscheinlich», sagte US-Aussenminister Antony Blinken am Sonntag im Interview mit dem TV-Sender NBC.

Ähnlich äusserte sich der nationale Sicherheitsberater von Präsident Joe Biden, Jake Sullivan, gegenüber dem Sender CBS: Der gegenwärtige Plan sei es, keine Botschaft in Kabul zu haben.

Antony Blinken
US-Aussenminister Antony Blinken verteidigte den Abzug aus Afghanistan. - AFP

16.50: Die USA haben nach eigenen Angaben einen Drohnenangriff auf ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug in Kabul ausgeführt.

Der «defensive» Angriff habe der Beseitigung einer «akuten Gefahr» für den Flughafen der Stadt durch den Ableger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat in Afghanistan (IS-K) gedient, teilte das US-Verteidigungsministerium mit.

Durch den Angriff ausgelöste Explosionsgeräusche aus dem Fahrzeug hätten bewiesen, dass in diesem eine «grosse Menge an Sprengstoff» gewesen sei.

Drohne Afghanistan
Eine US-Drohne in Afghanistan. (Archivbild) - AFP

Als Vergeltung für den Anschlag flogen die USA bereits in der Nacht zum Samstag einen Drohnenangriff auf den IS-Ableger. Dabei wurden nach Angaben des Pentagon zwei ranghohe Mitglieder der islamistischen Splittergruppe getötet.

Zu dem am Sonntag erfolgten neuen Drohnenangriff sagte Bill Urban vom US-Zentralkommando: «Wir sind sicher, das Ziel getroffen zu haben.» Derzeit werde noch geprüft, ob es womöglich zivile Opfer gegeben habe.

16.33: Laut neue Informationen, welche «Reuters» zugespielt wurden, zielte das US-Militär auf ein Auto ab. Das Fahrzeug wäre für einen Selbstmordanschlag auf den Flughafen genutzt worden.

15.55: «Reuters» berichtet mit Verweis auf zwei unabhängige, anonyme Quellen, dass die USA einen Militärschlag in Kabul vorgenommen haben. Das Ziel seien IS-Kämpfer gewesen.

Ob es sich um denselben Vorfall handelt, ist unklar. Diese Angaben wurden zudem noch nicht offiziell bestätigt.

15.45: Laut «Al Jazeera» hat der zuständige Polizeichef den Tod eines Kindes bestätigt.

15.06: In der afghanischen Hauptstadt Kabul waren die Geräusche von mindestens einer Explosion zu hören. Mehrere Nutzer schrieben auf Twitter, sie hätten eine «starke» Explosion gehört.

Gleichzeitig wurden Bilder und Videos geteilt, auf denen eine grosse, schwarze, aufsteigenden Rauchsäule zu sehen war. Zwei lokale Journalisten sprachen von einer Rakete, die in einem Privathaus in der Nähe des Flughafens eingeschlagen sein soll. Diese Angaben liessen sich nicht unabhängig überprüfen.

14.50: Kurz vor dem Ende der militärischen Evakuierungsmission in Afghanistan sind binnen 24 Stunden rund 2900 Menschen aus Kabul ausgeflogen worden.

Eine Sprecherin des Weissen Hauses teilte mit, bis zum Sonntagvormittag (Ortszeit Kabul) habe die US-Luftwaffe mit 32 Flügen rund 2200 Menschen in Sicherheit gebracht, neun Flugzeuge von Verbündeten hätten rund 700 Menschen evakuiert.

In Afghanistan befinden sich derzeit noch rund 300 US-Bürger, die auf ihre Ausreise warten. Dies sagte Aussenminister Antony Blinken heute Sonntag dem Fernsehsender ABC. Es werde alles getan, «um sie herauszubekommen». Die US-Armee will am Dienstag ihre letzten Soldaten aus Kabul abziehen und damit die derzeit laufende Evakuierungsmission beenden.

USA warnt vor weiteren Anschlägen

Erst am Donnerstag waren bei einem Anschlag der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) am Flughafen Kabul mindestens 13 US-Soldaten und -soldatinnen sowie zwei Briten ums Leben gekommen. Die Angaben über die afghanischen Todesopfer schwanken, Sender wie CNN sprachen von bis zu 200 Toten.

US-Präsdent Joe Biden hatte heute Sonntag vor möglichen weiteren Anschlagen gewarnt. Die US-Armee, die gerade vom Flughafen Truppen ausfliegt und in Sicherheit bringt, hatte aber auch angekündigt, dass es wohl weitere Sprengungen von Ausrüstung geben werde.

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