1500 Fr. für New York – wo ist Schmerzgrenze beim Fliegen?
Das Fliegen ist teurer, doch die Reiselust bleibt: Wer weniger Geld hat, fliegt seltener. Wer es sich leisten kann, zahlt weiter.

Das Wichtigste in Kürze
- Teurere Tickets haben einen Einfluss auf die Art der Reise, nicht auf die Reiselust.
- Wie viel man bereit ist für einen Flug auszugeben, hängt davon ab, wie man sich die Entscheidung für die Reise erklärt.
- Die Grenze, was als teuer angesehen wird, verschiebt sich.
Wer dieses Jahr einen Flug bucht, spürt es: Fliegen kostet deutlich mehr als früher. In den letzten fünf Jahren sind die Flugpreise um fast 70 Prozent gestiegen. Dies zeigt der Freizeit-Preisindex, den der Vergleichsdienst Comparis im Juli veröffentlichte.
Und ein Ende ist offenbar nicht in Sicht. Comparis geht davon aus, dass die Preise in den nächsten zwölf Monaten weiter steigen werden.
Wird darum jetzt aufs Fliegen verzichtet? Nau.ch hat beim Zürcher Wirtschaftspsychologen Christian Fichter nachgefragt.
Fliegen ist «ein Statussymbol»
Der Psychologe sieht keinen breiten Verzicht aufs Fliegen. Wer knapper bei Kasse sei, fliege zwar seltener und bewusster, höre aber nicht damit auf. Der Unterschied: Fichter geht davon aus, dass weniger Kurztrips, dafür aber längere Aufenthalte geplant werden.
«Wer es sich leisten kann, wird weiter fliegen und mehr zahlen», sagt Fichter. Fliegen ist laut ihm «ein Statussymbol» geworden. «Man zeigt nicht mehr das Auto, man zeigt Bali.»
Fliegen sei emotional viel zu stark aufgeladen. Weder ein Preisschild noch das Klimagewissen hätten darauf einen Einfluss. «Der Preis dämpft die Frequenz, nicht die Sehnsucht», so Fichter.
Wie viel genau Menschen bereit seien zu zahlen, könne nicht pauschal beantwortet werden. Fichter erklärt: «Menschen beurteilen einen Preis nie absolut, sondern relativ zu einem Referenzpreis: Dem, was der Flug ‹früher› gekostet hat, was die Kollegin bezahlt hat, was die Suchmaschine als Erstes anzeigt.»

Fichter betont: «Genau darum wirken 70 Prozent Aufschlag seit 2021 brutal, obwohl das Fliegen im langfristigen Vergleich immer noch spottbillig ist.» Die Empörung über teurere Tickets sei also keine Reaktion auf einen objektiv hohen Preis. Vielmehr sei es eine Reaktion auf den Verlust des gewohnten Referenzpunkts – also dessen, was man als «normal» empfunden habe.
«Schmerzgrenze ist kein Preis»
Laut Fichter liege für die Mehrheit der Ferienreisenden die Schmerzgrenze für einen New-York-Flug bei rund 1000 bis 1500 Franken. Aber er schränkt ein: «Die Schmerzgrenze ist kein Preis, sondern eine Geschichte.»
Wer New York als das Reiseerlebnis seines Lebens plane, zahle auch 2000 Franken. Und rechtfertige es als Investition in Erinnerungen. Wer hingegen einfach einen Städtetrip machen möchte, breche laut Fichter bei rund 1200 Franken ab.
Der Preis verändere also weniger die Entscheidung, ob man reist. Er verändere vielmehr, wohin man reist – und wie man sich die Entscheidung erklärt.
Mit der Zeit gewöhnen sich Menschen an neue Preise. Dieser Prozess heisse in der Wirtschaftspsychologie «Adaption»: Was heute noch teuer wirkt, kann morgen als normal gelten. Beim Fliegen gehe diese Anpassung besonders schnell, so Fichter.













