10-Mio.-Initiative: Kommt es zu einer Rekord-Stimmbeteiligung?

Sina Barnert
Sina Barnert

Bern,

Am 14. Juni wird über die polarisierende 10-Millionen-Initiative der SVP abgestimmt. Kommt es zu einer neuen Rekord-Stimmbeteiligung?

Könnte die stark polarisierende 10-Millionen-Initiative der SVP eine Rekordzahl an Stimmberechtigten an die Urne locken? - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die 10-Millionen-Initiative der SVP polarisiert stark.
  • Am 14. Juni wird darüber abgestimmt. Eine hohe Stimmbeteiligung ist wahrscheinlich.
  • Für die Rekord-Stimmbeteiligung der EWR-Abstimmung von 1992 dürfte es aber nicht reichen.

Sie ist seit Monaten in aller Munde: Die Abstimmung zur sogenannten «Nachhaltigkeitsinitiative» der SVP.

Die Initiative will, dass die Wohnbevölkerung der Schweiz die Zehn-Millionen-Grenze bis 2050 nicht überschreiten darf. Entsprechend sollen bei einer Bevölkerungszahl von 9,5 Millionen Massnahmen ergriffen werden.

Diese würden die Zuwanderung, das Asylwesen und den Familiennachzug betreffen. Sogar das Personenfreizügigkeitsabkommen mit der EU könnte dafür aufgekündigt werden.

Lange Zeit zeichnete sich ein Patt ab, beide Seiten mobilisieren stark

Bundesrat und Parlament empfehlen ein Nein. Und auch sämtliche grössere Schweizer Parteien stellen sich gegen die SVP-Initiative, die selbst SVP-intern für Kritik sorgt.

Dennoch sah lange Zeit alles nach einer Pattsituation aus, ehe eine Umfrage von Mittwochmorgen das Nein-Lager in Front sah.

Die Folge: Sowohl das Lager der Befürwortenden als auch das Lager der Gegnerinnen und Gegner mobilisierten kräftig.

Wirst du am nächsten Abstimmungssonntag an die Urne gehen?

So stark, dass die nahende Abstimmung aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken ist. Sie ist auf Social Media beinahe omnipräsent. Und auch im ÖV und in den Beizen wird hüben wie drüben debattiert.

Könnte diese Kombination aus polarisierender Vorlage und grosser Mobilisierung beider Seiten gar eine Rekord-Stimmbeteiligung zur Folge haben?

«Eine überdurchschnittliche Stimmbeteiligung ist sehr wahrscheinlich»

«Das kann ich ausschliessen», meint Politikwissenschaftler Oliver Strijbis. Die Mobilisierung rund um die 10-Millionen-Initiative sei zwar aussergewöhnlich stark. Zudem beschäftige die Vorlage viele Menschen weit über die üblichen politischen Kreise hinaus.

Aber: «Für einen Rekord müsste die Beteiligung aber das Niveau der EWR-Abstimmung von 1992 erreichen.» Damals hätten fast 79 Prozent der Stimmberechtigten an der Abstimmung teilgenommen.

Dem pflichtet Politikwissenschaftler Claude Longchamp bei: «Eine überdurchschnittliche Stimmbeteiligung ist sehr wahrscheinlich. Ein neuer Rekord aber unwahrscheinlich.»

Gegenwärtig liege die durchschnittliche Stimmbeteiligung bei Abstimmungen bei rund 47 Prozent. Die letzte Umfrage von GFS-Bern vom Mittwochmorgen habe derweil 54 Prozent mit fester Beteiligungsabsicht ausgemacht.

«Erfahrungsgemäss steigt das bis zum Abstimmungssonntag noch um einige Prozentpunkte», erklärt Longchamp. «Man kann mit einem Wert von 55-60 Prozent Stimmbeteiligung rechnen.» Das sei weit weg von der EWR-Rekordbeteiligung.

«Die Schicksalsfrage ist deutlich schwächer ausgeprägt»

Oliver Strijbis erklärt dazu: «Die EWR-Abstimmung wurde von vielen Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern als Richtungsentscheidung für die Zukunft des Landes wahrgenommen. Es ging nicht um eine einzelne Sachfrage, sondern um die Frage, welchen Platz die Schweiz in Europa einnehmen solle.»

Zwar könne auch ein Entscheid rund um die 10-Millionen-Initiative für die Schweiz langfristige Folgen haben. Aber: «Die Folgen wären wohl geringer und auch erst in einigen Jahren spürbar.»

Abstimmung
Am 14. Juni werden wohl mehr Menschen an die Urne gehen als durchschnittlich. Einen neuen Rekord wird es aber wohl nicht geben. - keystone

Daher gehe es in dieser Abstimmung um weniger, als es seinerzeit beim EWR der Fall war, fasst Strijbis zusammen. Und auch Claude Longchamp meint: «Die Schicksalsfrage wie damals ist deutlich schwächer ausgeprägt – selbst wenn die SVP das zu stilisieren versucht.»

Schweizer Städte spüren höhere Stimmbeteiligung bereits

Dass die Stimmbeteiligung jedoch höher ausfallen könnte als durchschnittlich, merkt man auch in Schweizer Städten.

So beispielsweise in Luzern, wo bereits 16,34 Prozent der Stimmbeteiligten abgestimmt haben. Das im Gegensatz zu den rund 10,9 Prozent, die ihr Couvert sonst um diese Zeit bereits abgegeben haben.

Gehst du regelmässig abstimmen?

In St. Gallen rechnet man derweil mit rund 50 Prozent Stimmbeteiligung. Bern hat derweil schon 17'935 Abstimmungscouverts erhalten, in Basel haben bereits 22,9 Prozent abgestimmt. Und in Zürich rechnet man ebenfalls mit einer hohen Stimmbeteiligung.

Darum starte man bereits am Freitag mit den ersten erlaubten Arbeiten, heisst es aus Zürich. Und habe die Auszählorganisation heuer «besonders stark bestückt».

Doch warum wird die Initiative so viele Menschen an die Urne ziehen?

Inhaltliche Bedeutung der Initiative treibt die Menschen an die Urne

Claude Longchamp erklärt: «Genügend mediale Aufmerksamkeit ist die notwendige Voraussetzung. Die Betroffenheit und damit die emotionale Aufladung von Pro und Kontra sind die zentrale Vorbedingung.»

Beides sei bei der Nachhaltigkeitsinitiative gegeben. Zudem gebe es einen hohen Alltagsbezug der Ja-Kampagne. «Aber auch Ängste, was bei einem Ja passiert.»

Die inhaltliche Bedeutung der Initiative sei zudem ein Faktor, der die Menschen an die Urnen treibe, so Oliver Strijbis. Das sei wissenschaftlich bereits durch Studien belegt worden.

Wichtig sei aber auch die Erwartung eines knappen Ergebnisses. Auch dieses mobilisiere und motiviere dazu, abzustimmen.

Kommentare

User #3737 (nicht angemeldet)

Ja abstimmen gehen und Nein stimmen zu der «Bodycount» 10 Millionen Schweiz auch wir Schweizer werden gezählt. Und es ist ja nicht sicher was unsere Kinder in 10 oder 20 Jahren wollen was ist wenn auf den Longevity auch noch der gross Familien Trend folgt. Wenn von den 1.3 Millionen gebärfähigen Frauen sich nur 30 % für eine 4 bis 5 Kinder entscheiden, sind das in 1.95 Millionen Kinder und was ist dann noch mit dem Logevity Trend niemand will sterben. und wir sind ja schon 9.3 Millionen in der Schweiz jetzt sollen dann alle Firmen ins Ausland zeihen mit Ihren angestellten die nicht Schweizer sind und da Steuern zahlen. So eine Abstimmung zwingt uns beim 1.29 Kinder im schnitt zubleiben weil ja ohne Industrie Familien Zuschüsse nicht möglich sind.

User #3992 (nicht angemeldet)

Lasst weiter zuwandern und bauen auf Teufel komm raus - Wer gegen die Initiative ist, will das ja. Folgen von Zuwanderung und Bauboom seit 2000: ⇒ Bevölkerung: +~1,8 Millionen Menschen durch Nettozuwanderung. ⇒ Wohnraum: ~800'000 Neubauten bei ~100'000 Abrissen für Verdichtung. ⇒ CO₂ & Energie: 25–35 Mio. Tonnen graues CO₂; dauerhaft +10–12 TWh Energiebedarf pro Jahr. ⇒ Ressourcen: 350–400 Mio. Tonnen Material (Kies, Sand, Zement); über 450 Tonnen pro Wohnung. ⇒ Abfall: 350–450 Mio. Tonnen Bauschutt und Aushub. ⇒ Boden: 150–180 Mio. m² neu versiegelte Siedlungsfläche.

Weiterlesen

Thomas Matter Philipp Bregy
863 Interaktionen
10-Mio.-Initiative
Claude Longchamp 10-Millionen-Schweiz
188 Interaktionen
10-Mio.-Schweiz
Hannes Germann Tiana Moser
329 Interaktionen
Funktioniert das?
Weiterbildung
27 Interaktionen
Jetzt erst recht!

MEHR AUS STADT BERN

Kapo Bern
4 Interaktionen
Bern
BSV Bern
Handball
h
2 Interaktionen
Philip Kohli