Jair Bolsonaro geht in Brasilien als Favorit in die Wahl

    Benedikt Theiler
    Benedikt Theiler

    Brasilien,

    Jair Bolsonaro polarisiert Brasilien – für die einen steht er für den Kampf gegen die Kriminalität, für die anderen ist er das absolute «No-Go».

    Jair Bolsonaro jubelt in Brasilien vor seinen Unterstützern.
    Jair Bolsonaro jubelt in Brasilien vor seinen Unterstützern. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Jair Bolsonaro geht als Favorit in den zweiten Wahlgang um die Präsidentschaft Brasiliens.
    • Der «Donald Trump Brasiliens» hat den ersten Durchgang mit 46 Prozent deutlich gewonnen.
    • Das Präsidentenamt ist ihm aber noch nicht sicher.

    Er bezeichnet sich selbst als den «Donald Trump von Brasilien» – und genauso spaltet er sein Land. Die Rede ist von Jair Bolsonaro, dem rechtspopulistischen bis rechtsextremen Präsidentschaftskandidaten der Sozial-Liberalen Partei (PSL). Im Wahlkampf in Brasilien drehte sich alles um ihn. Bei den Gegnern etwa hiess es «elenão» («Er nicht»). Bei seinen Leuten hingegen «Ele sim!» («Ja er!»)

    Eine Frau, auf derer Stirn «#EleNao» (#ErNicht) steht, nimmt an einer Kundgebung gegen den rechtsextremen Präsidentschaftskandidat Bolsonaro teil. Zahlreiche Menschen gingen in Sao Paulo gegen Bolsonaro und seinen rassistischen, frauen- und schwulenfeindlichen Kurs auf die Strasse. Inmitten einer schweren Krise wählt das grösste Land Lateinamerikas einen neuen Präsidenten.
    Eine Frau, auf derer Stirn «#EleNao» (#ErNicht) steht, nimmt an einer Kundgebung gegen den rechtsextremen Präsidentschaftskandidat Bolsonaro teil. Zahlreiche Menschen gingen in Sao Paulo gegen Bolsonaro und seinen rassistischen, frauen- und schwulenfeindlichen Kurs auf die Strasse. Inmitten einer schweren Krise wählt das grösste Land Lateinamerikas einen neuen Präsidenten. - dpa

    Nun hat der 63-Jährige beim ersten Durchgang der Präsidentschaftswahlen in Brasilien mit 46 Prozent das Topresultat geschafft, gefolgt von Fernando Haddad von der Arbeiterpartei PT mit 29,3 Prozent. Weil das Absolute Mehr verpasst wurde, kommt es am 28. Oktober zur Stichwahl zwischen Bolsonaro und Haddad.

    Hetze gegen Schwarze, Frauen und Homosexuelle

    Bolsonaro fiel schon vor dem Wahlkampf durch seine politisch unkorrekten, homophoben und rassistischen Äusserungen auf. Er hetzte konsequent gegen Schwarze, Indigene, Frauen und Homosexuelle. So äusserte er sich etwa in einem Zeitschrifteninterview: «Ich könnte einen schwulen Sohn nicht lieben. Ich ziehe es vor, er würde bei einem Unfall ums Leben kommen», oder gegenüber einer linken Abgeordneten, er würde sie nie vergewaltigen: «Sie ist zu hässlich dafür und verdient es nicht.»

    Der Ex-Bürgermeister von São Paulo, Fernando Haddad von der linken Arbeiterpartei.
    Der Ex-Bürgermeister von São Paulo, Fernando Haddad von der linken Arbeiterpartei. - Keystone

    Punkten konnte Bolsonaro aber mit zwei Themen: der Korruption und der öffentlichen Sicherheit. Er nutzt die Wut der Bürger auf die Politik und liefert eine klare Lösung, um für Ordnung im von Kriminalität gebeutelten Land zu sorgen. So soll auf die ausufernde Gewalt mit staatlicher Gegengewalt reagiert werden. Werde er Präsident, erhalte die Polizei die Erlaubnis, Kriminelle zu foltern und ohne Gerichtsverfahren zu exekutieren. So bekommt er vor allem bei den untersten sozialen Schichten Unterstützung. Mit seinem liberalen Wirtschaftsprogramm schafft er aber auch Stimmen bis in die Mittel- und Oberschicht des Landes hinaus.

    Für Haddad schwierig aber nicht unmöglich

    Nun hat Kontrahent Haddad 20 Tage Zeit, um die Bevölkerung von sich zu überzeugen. Dies dürfte sich als schwieriges Unterfangen erweisen, machte der 55-Jährige über 15 Prozent weniger Stimmen als Bolsonaro. Hinzu kommt, dass Haddad der Kandidat der Arbeiterpartei PT ist – also der Partei, der Ex-Präsident Luiz Inacio Lula da Silva und Ex-Präsidentin Dilma Rousseff angehören. Haddad ist Ersatzkandidat für da Silva, dem Ende August durch das Oberste Wahlgericht die Teilnahme an den Präsidentschaftswahlen untersagt wurde.

    Lula da Silva Brasilien
    Der ehemalige Präsident Brasiliens Luiz Inácio Lula da Silva. (Archivbild) - Keystone

    Dieser sitzt wegen Korruption seit 2017 im Gefängnis. Rousseff wurde wegen Korruptionsvorwürfen 2016 des Amtes enthoben. Das Vertrauen der Bevölkerung in die PT ist deshalb auf einem Tiefpunkt.

    Das heisst jedoch noch nicht, dass Bolsonaro bereits gewählt ist. Haddad hat zwei Vorteile, die ihm trotzdem zur Wahl verhelfen könnten. Einer ist, dass Bolsonaro für viele, die ihre Stimme im ersten Wahlgang einem dritten Kandidaten gegeben haben, unwählbar ist. Gut möglich, dass diese Stimmen im zweiten Wahlgang an Haddad gehen. Der zweite Vorteil liegt darin, dass Bolsonaro im September bei einer Messerattacke Anfang September lebensgefährlich verletzt wurde. Er verzichtet seither auf öffentliche Auftritte und hat seinen Wahlkampf ins Internet verlegt.

    Jair Bolsonaro
    Jair Bolsonaro im Krankenhaus, nachdem ein 40-jährigen Mann ihn im Jahr 2018 lebensgefährlich mit einem Messer verletzt hatte (Archiv). - dpa

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    Weiterlesen

    2 Interaktionen
    Präsidenten-Wahl
    Jair Bolsonaro
    1 Interaktionen
    Brasilien
    Brasilien

    MEHR IN NEWS

    gast
    428 Interaktionen
    «Wollten Rosenwasser»
    stromausfall
    5 Interaktionen
    In Brugg AG
    a
    20 Interaktionen
    Vater warnt
    leu
    523 Interaktionen
    «Schämt euch»

    MEHR AUS BRASILIEN

    17 Interaktionen
    Brasilia
    trump
    82 Interaktionen
    Nach Wahlniederlage
    9 Interaktionen
    Brasilia
    Brasilien
    5 Interaktionen
    Unter Vorbehalt