Wissenschaftler stellen Fusionsenergie-Rekord auf

AFP
AFP

Grossbritannien,

Wissenschaftler haben an einer europäischen Versuchsanlage zur Entwicklung von Kernfusionsreaktoren in Grossbritannien Energie in Rekordhöhe erzeugt.

Prinz Charles im JET-Kontrollzentrum bei Oxford
Prinz Charles im JET-Kontrollzentrum bei Oxford - POOL/AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Experten sprechen von «Meilenstein» bei Entwicklung von Kernfusionsreaktoren.

Die Forscherinnen und Forscher hätten an der Anlage JET während eines fünfsekündigen Plasma-Pulses 59 Megajoule Energie in Form von Wärme freigesetzt, teilten die britische Atomenergiebehörde und das an dem Projekt beteiligte deutsche Forschungszentrum Jülich am Mittwoch mit. Der bisherige Rekord lag demnach bei 21,7 Megajoule.

Die Experten sprachen von einem «wichtigen Meilenstein» auf dem Weg zu sicherer, nachhaltiger Energie. Mit der erzeugten Energie könnten rund 35.000 Haushalte während der gleichen Zeitspanne mit Strom versorgt werden, erklärte Joe Milnes, Leiter des operativen Geschäfts der JET-Anlage. Auch Ian Fells, emeritierter Professor für Energieumwandlung an der Universität von Newcastle, sprach von einem «Meilenstein in der Fusionsforschung».

Die Ergebnisse «liefern den bisher deutlichsten Beweis für das Potenzial der Fusionsenergie, sichere, nachhaltige und kohlenstoffarme Energie zu liefern», teilten das Forschungszentrum Jülich und die britische Atomenergiebehörde mit.

JET ist eine europaweit gemeinsam betriebene Versuchsanlage zur Entwicklung von Kernfusionsreaktoren im britischen Oxfordshire und ist seit 1983 in Betrieb. 350 Wissenschaftler aus EU-Ländern nehmen jedes Jahr an den JET-Experimenten teil, darunter auch die Experten des Jülicher Forschungszentrums. Sie haben für die Anlage unter anderem eine neue Brennkammerwand für die Bereiche, die höchste Wärme und Teilchenlasten empfangen, entworfen und gebaut.

Bei der Kernfusion werden Atomkerne wie jene des Wasserstoffs bei extremen Temperaturen miteinander verschmolzen. Dabei werden enorme Mengen Energie freigesetzt. Herkömmliche Atomkraftwerke gewinnen Energie dagegen aus der Spaltung von Atomkernen.

Um eine Kernfusion herbeizuführen, ist ein erheblicher Energieaufwand nötig. Die Kernfusion könnte ihren Unterstützern zufolge auf lange Sicht eine Alternative zur Verbrennung fossiler Brennstoffe und der umstrittenen Kernspaltung werden.

Ein Kilo Fusionsbrennstoff enthalte etwa das Zehnmillionenfache an Energie im Vergleich zu einem Kilo Kohle, Öl oder Gas, teilte das Forschungszentrum mit. Bei der Verwendung würden keine Treibhausgase freigesetzt. «In Zukunft könnten Fusionsreaktoren einen erheblichen Teil des globalen Energiebedarfs decken ? und das für viele tausend Jahre.»

JET dient derzeit als wichtige Erkundungsanlage für das ambitionierte internationale Nachfolgeprojekt Iter. Dabei handelt es sich um ein grosses Fusionsforschungsprojekt in Südfrankreich, mit dem die EU und weitere Industriemächte von den USA über China bis Japan und Südkorea gemeinsam das Potenzial der Technologie der Kernfusion demonstrieren und an der Praxistauglichkeit arbeiten wollen.

Iter könnte möglicherweise bereits 2025 den Betrieb aufnehmen. Die Anlage ist laut Joe Milnes von JET zu rund 80 Prozent fertiggestellt. Bis 2050 könnte demnach ein Prototyp eines Fusionskraftwerks gebaut werden.

Die Kernfusion ist jedoch umstritten: Umweltschützer kritisieren die hohen Kosten und halten die Technik für keine Alternative. Obwohl seit den 50er Jahren dutzende Versuchsreaktoren gebaut wurden, ist es bislang in keiner Anlage gelungen, mehr Energie zu erzeugen als benötigt wird.

Mehr zum Thema:

Kommentare

Weiterlesen

Wladimir Putin Moskau
16 Interaktionen
Ukraine-Krieg
Maria Brehmer
Maria Brehmer

MEHR IN NEWS

Iran Ticker Trump
159 Interaktionen
Trotz Eskalation
Wetter Gewitter
Kräftige Gewitter
Die beiden Veranstalter Harry Ritz und Bettina Hacker. Harry Ritz ist seit 23 Jahren, also
seit Beginn des musikalischen Anlasses dabei.
«Wie Stadtfest»
1 Interaktionen
Bern

MEHR AUS GROSSBRITANNIEN

Simon Cowell
47 Interaktionen
Offline!
Xhaka
65 Interaktionen
Mit Trainer Alonso
14 Interaktionen
London
Prinz William
35 Interaktionen
«Sehr streng»