Die Wikinger waren bekanntlich schon rund 500 Jahre vor Kolumbus in Amerika. Forschende konnten jetzt dank eines Sonnensturms das genaue Jahr ermitteln.
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Die Wikinger waren schon lange vor Kolumbus in Amerika. (Symbolbild) - Pexels

Das Wichtigste in Kürze

  • Forschende haben herausgefunden, dass vor genau tausend Jahren Wikinger in Amerika lebten.
  • Bei der genauen Datierung half ihnen ein kosmisches Ereignis im Jahr 992 n. Chr.
  • Unklar bleibt, wie lange die Wikinger in Amerika blieben.

Vor genau tausend Jahren, im Jahr 1021, könnten bereits Wikinger in Nordamerika gelebt haben. Das legt zumindest eine Analyse hölzerner Überreste nahe, die ein Forscherteam im Fachblatt «Nature» präsentiert. Die Fundstücke sind demnach die ältesten exakt datierten Belege dafür, dass Menschen aus Europa nach Amerika gekommen sind. Bei der Altersbestimmung der Holzstücke half dem Team ein heftiger Sonnensturm.

Dass Kolumbus nicht der erste Europäer war, der den amerikanischen Kontinent erreichte, ist schon seit geraumer Zeit bekannt. Nicht zuletzt die Sagas, altnordische Erzählungen aus dem Mittelalter, beschreiben relativ ausführlich, wie die Wikinger über den Atlantik segelten. Dies mit ihren ikonischen Langschiffen und schon Hunderte Jahre zuvor.

Präzisere Datierung dank drei Holzstücken

Doch diese zunächst mündlich überlieferten Erzählungen wurden lange Zeit als Mythen und Märchen abgetan. Auch, weil sie viele widersprüchliche und fantastische Elemente enthalten. Erst die Entdeckung der archäologischen Fundstätte L’Anse aux Meadows 1961 liess aus den Sagas historische Quellen werden.

Die Fundstätte befindet sich an der Nordspitze der kanadischen Insel Neufundland. Das exakte Alter der Siedlung konnte bislang allerdings noch nicht bestimmt werden. Ebenso wenig wie der genaue Zeitpunkt der Wikingerankunft auf dem Kontinent.

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Das weltgrösste Replikat eines Wikingerschiffs in 2006. (Symbolbild) - Keystone

Drei unscheinbare Holzstücke, die eben in L’Anse aux Meadows gefunden wurden, scheinen nun eine präzisere Datierung zu erlauben. Die Überreste stammen von unterschiedlichen Bäumen. Sie wurden von einem Team um die Geochronologen Michael Dee und Margot Kuitems von der Universität Groningen genauer untersucht.

Die Wissenschaftler sind sich sicher, dass die hölzernen Artefakte den nordeuropäischen Seefahrern zuzuordnen sind. Nicht nur wegen ihres Fundortes, sondern auch weil sie eindeutige Bearbeitungsspuren von Klingen aus Metall aufwiesen. Eines Materials, das von der einheimischen Bevölkerung jener Zeit nicht hergestellt wurde.

Forschende finden Sonnensturm-Signal in Rinde

Bei der Klärung der Frage, wann das Holz der Artefakte gewonnen wurde, halfen den Wissenschaftlern nun Radiokarbondatierungen. Ebenso wie ein kosmisches Ereignis: Im Jahr 992 n. Chr. ereignete sich ein massiver Sonnensturm, der ein deutliches Radiokarbonsignal in den Baumringen der folgenden Jahre erzeugte.

«Der klare Anstieg der Radiokohlenstoffproduktion zwischen 992 und 993 n. Chr. wurde in Baumringarchiven auf der ganzen Welt festgestellt», erklärt Forschungsleiter Dee in einer Mitteilung. Jenes Signal habe sich bei jedem der drei untersuchten Holzobjekte 29 Wachstumsringe vor der Rindenkante gezeigt.

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Die Aurora Borealis, welche ein Sonnensturm auslöst, mag wunderschön sein, aber die Situation ist es nicht. Minuten nach einem Ausbruch, werden auf der Erde elektronische Systeme gestört. (Archivbild) - sda - Keystone/AP The Canadian Press/BILL BRADEN

«Die Tatsache, dass wir das Signal des Sonnensturms 29 Wachstumsringe vor der Rinde gefunden haben, erlaubt uns die Schlussfolgerung: Dass die Schneideaktivität im Jahr 1021 n. Chr. stattfand», fasst Hauptautorin Kuitems zusammen.

Damit setze ihre Analyse einen neuen Marker für die Ankunft der Europäer auf dem amerikanischen Kontinent, so die Autoren. Darüber hinaus betone sie den potenziellen Wert kosmischer Strahlungsereignisse – wie hier des starken Sonnensturms. Dies als Referenzpunkte für die zukünftige Datierung von Artefakten und Umweltereignissen.

Auswirkungen der Wikinger in Amerika unklar

Unklar bleibt indes, wie viele Expeditionen die Wikinger nach Amerika unternahmen und wie lange sie dort blieben. Ebenso wenig ist bislang darüber bekannt, wie sich ihre Aufenthalte auswirkten.

Die isländischen Sagas liessen vermuten, dass die Wikinger mit den indigenen Völkern Nordamerikas in einen kulturellen Austausch getreten seien. Dies schreiben die Forschenden dazu: «Wenn diese Begegnungen tatsächlich stattgefunden haben, könnten sie unbeabsichtigte Folgen gehabt haben. Wie die Übertragung von Krankheitserregern, die Einführung fremder Tier- und Pflanzenarten oder sogar den Austausch menschlicher genetischer Informationen.»

Jüngste Daten aus der nordgrönländischen Bevölkerung zeigten jedoch keine Hinweise auf letzteres. Die Autoren schliessen: «Wie sich das Jahr 1021 n. Chr. zu den transatlantischen Aktivitäten der Wikinger insgesamt verhält, ist Gegenstand künftiger Forschung.»

«Nichtsdestotrotz bieten unsere Ergebnisse einen chronologischen Anker für weitere Untersuchungen über die Folgen ihrer westlichsten Expansion.»

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