Stradivari wählte für seine Geigen gezielt Holz aus den Alpen

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Regensdorf,

Das Geheimnis der Stradivari-Geigen liegt im Holz: Der Geigenbauer Antonio Stradivari wählte laut einer neuen Studie gezielt Fichten aus den Höhenlagen der Alpenwälder.

Die WSL untersucht in ihrem Jahrringlabor auch andere Geigen.
Die WSL untersucht in ihrem Jahrringlabor auch andere Geigen. - WSL/Gottardo Pestalozzi

Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) hat in der bisher umfangreichsten Untersuchung die Herkunft des Holzes von Stradivari-Geigen analysiert. Wie das italienische Forschungsinstitut CNR und die Eidgenössische Forschungsanstalt WSL am Donnerstag mitteilten, werteten die Forschenden dafür 314 Jahrring-Zeitreihen von 284 authentischen Instrumenten aus.

Veröffentlicht wurden die Resultate im Fachjournal «Dendrochronologia».

Die Ergebnisse zeigen, dass die Qualität der Violinen nicht nur auf das handwerkliche Geschick Stradivaris zurückzuführen ist, sondern auch auf das sorgfältig ausgewählte Holz. Die verwendeten Fichten (Picea abies) stammten aus hoch gelegenen alpinen Wäldern.

Stradivari wählte demnach gezielt Fichten, die während des sogenannten Maunder-Minimums zwischen 1645 und 1715 wuchsen. Diese Zeitperiode war durch eine verminderte Sonnenaktivität und eine allgemeine Abkühlung geprägt. Die niedrigen Temperaturen und kurzen Vegetationsperioden führten zu einem besonders langsamen Wachstum der Bäume. Dadurch entstanden sehr dünne und regelmässige Jahrringe, was dem Holz eine homogene Qualität verlieh, die sich ideal für den Bau von Resonanzböden eignete.

Laut der Studie deuten viele sehr ähnliche Jahrringsequenzen bei verschiedenen Instrumenten darauf hin, dass Stradivari oft Bretter aus demselben Baumstamm für mehrere Geigen verwendete, selbst wenn diese in unterschiedlichen Jahren gefertigt wurden. Dieses Vorgehen spiegle eine sehr bewusste Auswahl des Materials wider, so die Forschenden.

Die Analysen belegen zudem eine deutliche Entwicklung in Stradivaris Arbeit: Während die Holzeigenschaften seiner älteren Geigen auf unterschiedliche und nicht immer genau lokalisierbare Herkunftsorte hindeuten, änderte sich dies zu Beginn des 18. Jahrhunderts. In seiner künstlerisch und technisch reifsten Phase bezog der Geigenbauer sein Fichtenholz fast ausschliesslich aus dem Fleimstal (Val di Fiemme) im Südtirol in Italien.

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Kommentare

User #6445 (nicht angemeldet)

Das Holz wurde früher je nach Mondstand geschlagen…

User #2663 (nicht angemeldet)

Das Alphorn wir schon lange aus solchem Holz hergestellt.

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