Schüler schreiben Prüfung – Polizei nimmt frisierte Töffli mit
Sekschüler der Berner Schule Sigriswil verbrachten die Sportferien ohne Töffli. Die Polizei hat diese während des Unterrichts überraschend eingezogen.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Kantonspolizei Bern stellte an der Schule Sigriswil mehrere Töffli sicher.
- Die Fahrzeuge waren frisiert.
- «Mein Sohn ist nicht mehr mobil», klagt ein Vater.
Es ist Dienstagmorgen zwischen acht und neun Uhr. Die Schülerinnen und Schüler sitzen mitten in der Mathe-Prüfung. Plötzlich fährt die Polizei auf dem Schulhausplatz der Berner Schule Sigriswil vor.
«Mein Sohn konnte vom Fenster aus zuschauen, wie zwei Polizisten ein Töffli um das andere in den Kastenwagen luden.» Dies erzählt Vater T.S.* Auch das Töffli seines 14-jährigen Sohnes sei eingeladen worden.
«In der Pause drückte die Polizei ihm einen gelben Zettel in die Hand», sagt der Vater. Dieser habe ihn informiert, dass sein Fahrzeug zur Kontrolle beschlagnahmt worden sei.
In zwei Wochen könne er es wieder abholen. «Mein Sohn machte fast in die Hose, weshalb er gar nichts mehr sagte, als die Polizei sein Töffli einlud.»
Ein Klassenkamerad konnte sein Töffli nur kurz nutzen. «Er hat es erst vor zwei Tagen bekommen und schon hat es die Polizei mitgenommen», sagt der Vater.
«Frisiert ist es sicher nicht»
T.S. versteht die Aktion nicht.
«Das Töffli ist 55 Jahre alt, weshalb wir einige Ersatzteile wie die Kupplung und ein Kabel wechseln mussten», sagt er. «Aber frisiert ist es sicher nicht», behauptet er.
Die Kantonspolizei Bern bestätigt gegenüber Nau.ch den Einsatz. Die Kontrollen hätten am dritten Februar stattgefunden, sagt Mediensprecher Gregory Zwygart. «Aufgrund eines Hinweises aus der Bevölkerung wurden in der Gemeinde Sigriswil Verkehrsüberwachungen durchgeführt.»
Laut Zwygart stellte die Polizei dabei sechs Motor-Fahrräder sicher. Diese hätten offensichtliche, nicht legale Abänderungen vorgewiesen.
Fahrzeugteile würden vernichtet
«Bei allen sichergestellten Motorfahrrädern sind nicht legale Lärm- und Leistungssteigerungen vorgenommen worden», sagt Zwygart. Oder anders gesagt: Die Fahrzeuge waren frisiert.
Die nicht typenkonformen Fahrzeugteile würden nach Absprache mit der Jugendanwaltschaft vernichtet, sagt Zwygart.
Bei einem Töffli stellte die Polizei zudem fest, dass ein Kontrollschild missbräuchlich verwendet wurde. Bei einem weiteren fehlte eine gültige Versicherung.
Sobald die Untersuchungen der Motor-Fahrräder abgeschlossen sind, können die betroffenen Personen laut der Polizei ihre Fahrzeuge persönlich abholen.
Ferienjob sei nicht mehr möglich
Die Polizei stellte die Töffli in der letzten Woche vor den Sportferien sicher.
«Mein Sohn ist nicht mehr mobil», klagt T.S., als die Redaktion ihn in den Ferien kontaktiert. Sie wohnten im abgelegenen Merligen, weshalb er auf das Töffli angewiesen sei.
Am Mittwochnachmittag arbeite er jeweils in einer Schreinerei. «Das ist jetzt nicht mehr möglich – die Fahrt dorthin mit dem ÖV dauert zu lange.»
Töffli weist doch illegale Teile auf
Vorerst muss der Schüler weiterhin ohne das Töffli auskommen.
Von der Polizei erfuhr der Vater, dass der Zylinder und der Kolben keinem originalen Ersatzteil entsprechen. Anscheinend weiche auch die Übersetzung vom Typenschein ab, sagt der Vater.
Aus seiner Sicht handle es sich um kleine Abweichungen, sagt T.S. «Das Töffli von meinem Sohn wurde weder absichtlich noch durch uns verändert», betont er. Seinem Sohn und ihm fehlten dazu auch die nötigen mechanischen Fachkenntnisse.
Die Schule Sigriswil nimmt zu den beschlagnahmten Fahrzeugen keine Stellung. Der Schulleiter verweist auf das kantonale Volksschulgesetz. Dieses halte fest, dass der Schulweg in der Verantwortung der Eltern liege, sagt Marc Cavin.
Die Kontrolle sei weder im Auftrag noch im Wissen der Schule durchgeführt worden.
*Name der Redaktion bekannt.













