Rekord-El-Niño: Pazifik ist 30 Grad warm
Im Pazifik wurde wegen El Niño die 30-Grad geknackt. Ein Forscher bezeichnet das als «einfach nur irre».

Das Wichtigste in Kürze
- El Niño lässt Rekorde fallen, im Pazifik wurden 30 Grad gemessen.
- Die Oberflächen-Temperaturen liegen weit über dem langjährigen Durchschnitt.
- Das natürliche Wetterphänomen fällt heuer besonders stark aus und erreicht den Höhepunkt erst im Dezember.
«El Niño ist angekommen», warnt Celeste Saulo, Chefin der Weltwetterorganisation. Das Wetterphänomen tritt alle zwei bis sieben Jahre auf. Und heuer dürfte es besonders stark ausfallen.
Obwohl der Höhepunkt erst im Dezember erwartet wird, fallen bereits erste Rekorde. Laut der Plattform «Climate Reanalyzer» der University of Maine hat die durchschnittliche Meeresoberflächen-Temperatur in der Niño-3.4-Region erstmals die 30-Grad-Marke geknackt.
Damit liegt sie 3,39 Grad über dem Durchschnitt des Referenzzeitraums von 1991 bis 2020. Die Temperaturkurve entwickelte sich in den vergangenen Wochen fast kontinuierlich nach oben.

«Niño 3.4» ist eine geografische Region im zentralen und östlichen Pazifik. Sie ist gleichzeitig ein wichtiger Klimaindex, um das El-Niño-Phänomen zu messen.
Der britische Klimaforscher Bill McGuire bezeichnet die Temperaturen auf X als «irre, einfach nur irre». Er erwartet beim Höhepunkt im Dezember eine Temperatur, die 4,2 Grad über dem Durchschnitt liegt.
Mind-boggling - just mind-boggling
— Bill McGuire (@ProfBillMcGuire) October 2, 2026
Now expected to peak at an extraordinary 4.2C in December pic.twitter.com/pa0sR5RBhx
Eine solche Temperatur habe es seit Beginn der Messungen und ziemlich sicher auch weit davor noch nie gegeben. Die erklärt der Klimaphysiker Helge Gössling vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven.
Man könne «mittlerweile klar von einem aussergewöhnlichen «Super»-Ereignis sprechen». Die starken El Niños von 1997 und 2015 seien dort zu dieser Jahreszeit mehr als ein ganzes Grad kühler gewesen.
Im Gesamtdurchschnitt der Ozeane lagen die Temperaturen an der Oberfläche laut «Climate Reanalyzer» zuletzt bei 21,08 Grad. Ebenfalls deutlich über allen Werten der Vorjahre. Im Verlauf dieses Jahres lagen sie zeitweise aber bereits noch höher.
Diese Werte beziehen sich auf die Regionen zwischen dem 60. südlichen und dem 60. nördlichen Breitengrad. Die Polarregionen werden also ausgeklammert.
Womöglich stärkster El Niño seit 1950
Die Oberflächentemperaturen könnten im zentralen und östlichen Pazifik zwischen Oktober und Dezember auf weitere neue Höchststände steigen. Das geht aus einer neuen Prognose der WMO hervor.
Gleichzeitig werde sich der besonders extrem ausfallende El Niño weiter verstärken, bis er voraussichtlich im Dezember seinen Höhepunkt erreichen werde. «El Niño ist angekommen und gewinnt rasch an Stärke», erklärte WMO-Chefin Celeste Saulo.
Dürren oder viel zu viel Regen
Laut WMO dürften überdurchschnittliche Temperaturen in weiten Teilen der Welt die Folge sein. Genauso wie veränderte Niederschläge, also je nach Region heftige Dürren oder genau das Gegenteil: viel zu viel Regen.
«In Indonesien und Teilen Südostasiens, in Teilen des nördlichen Südamerikas und im südlichen Afrika steigt das Risiko ausgeprägter Trockenheit». Dies erklärte AWI-Experte Gössling. «Wenn diese wichtigen Agrarregionen gleichzeitig betroffen sind, kann das schwerwiegende Folgen für die globale Nahrungsmittelversorgung haben.»
Andernorts wirke El Niño umgekehrt: An der Westküste Südamerikas sowie in Teilen Ostafrikas steige das Risiko von Starkregen, Überschwemmungen und Erdrutschen. Im östlichen und zentralen Pazifik für Hurrikane.
El Niño ist ein natürliches Phänomen, das alle zwei bis sieben Jahre auftritt. Es ist nicht durch den Klimawandel verursacht, kann dessen Folgen aber zusätzlich verschärfen. In der entscheidenden Meeresregion steigt dann warme, feuchte Luft auf, was die weltweiten Wind- und Luftströmungen verändert.
El Niño kann viel mehr Wärme freisetzen
«El Niño bringt keine neue Wärme auf den Planeten. Er setzt Wärme frei, die der Ozean bereits unter der Oberfläche gespeichert hat. Deshalb führt ein starkes El-Niño-Ereignis oft zu einem der heissesten jemals gemessenen Jahre, wie im Jahr 2024», erklärte Saulo.
«Der Ozean, aus dem er diese Wärme bezieht, ist der wärmste, den wir je gemessen haben. Es steht einfach mehr Wärme zur Freisetzung zur Verfügung.»

Gössling ergänzte: «Im Jahresmittel könnte daher 2027 einen noch höheren Allzeitrekord (seit Messungen) aufstellen. Ähnlich wie es 1998 und 2016 jeweils auf die starken El Niños von 1997 und 2015 folgte. Langfristig entscheidend für neue Hitzerekorde bleibt aber die menschengemachte Erwärmung.»
Künftige starke El-Niño-Ereignisse setzten dann auf einem immer höheren Ausgangsniveau auf und begünstigen so immer neue globale Temperaturrekorde.














