Frühchen sind oft anfälliger für Krankheiten und langsamer im Lernen, da ihr Hirn nicht richtig entwickelt ist. Dagegen könnte angenehme Musik helfen.
Eines der Frühchen, welches mit angenehmer Hintergrundmusik durch die ersten Wochen seines Lebens begleitet wurde. Bild: Stéphane Sizonenko, UNIGE HUG
Eines der Frühchen, welches mit angenehmer Hintergrundmusik durch die ersten Wochen seines Lebens begleitet wurde. Bild: Stéphane Sizonenko, UNIGE HUG - Community
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Das Wichtigste in Kürze

  • In der Schweiz kommt rund jedes hunderte Kind viel zu früh – vor der 32. Schwangerschaftswoche – auf die Welt.
  • Zwar haben die Frühchen mittlerweile gute Überlebenschancen, entwickeln jedoch später oft neuropsychologische Störungen.
  • Dagegen könnte die Beschallung mit angenehmer Musik helfen, wie eine Studie der Uni Genf zeigt.

Rund 800 Kinder im Jahr erblicken in der Schweiz das Licht der Welt zu früh, also zwischen der 24. und 32. Schwangerschaftswoche. Obwohl diese Frühchen mittlerweile gute Überlebenschancen haben, besteht bei ihnen weiterhin ein erhöhtes Risiko, sogenannte neuropsychologische Störungen zu entwickeln. Dadurch sind sie beispielsweise langsamer im Lernen, aber auch in ihrer motorischen Entwicklung eingeschränkter als gleichaltrige Kinder. Forschende vermuten, dass nicht nur die Unreife des Gehirns, sondern auch die stressige Umgebung auf den Frühchen-Stationen in Spitälern zu dieser Störung beiträgt.

Deshalb haben Forschende der Uni Genf sowie der Unispitäler Genf ausprobiert, wie sie diese störenden Einflüsse auf den Frühchen-Stationen eindämmen können. Die Lösung: Musik ?. Und das nicht mit irgendwelcher Musik: «Wir haben den Komponisten Andreas Vollenweider getroffen, der grosses Interesse an der Schaffung von Musik für Frühgeborene zeigte», sagt Petra Hüppi von der Uni Genf in einer Medienmitteilung. Vollenweider ist für ausgefallene Projekte bekannt: Mit seiner elektrifizierten Harfe hat er eine Musikrichtung geschaffen, die die Plattenfirmen in Verlegenheit brachte und ihm als bisher einzigem Schweizer einen Grammy eintrug (higgs hat ihn porträtiert).

Gemeinsam mit der Neurowissenschaftlerin Lara Lordier hat Vollenweider Musik für verschiedene Tagesabschnitte im Leben des Neugeborenen komponiert: Musik, die das Erwachen, die Aufwachphase und das Einschlafen begleitet. Um die richtigen Klänge dafür zu finden, spielte Vollenweider live für die Babys und unter der Aufsicht einer spezialisierten Krankenpflegerin verschiedene Instrumente. «Das Instrument, das die meisten Reaktionen hervorrief, war die Flöte der indischen Schlangenbeschwörer», sagt Lordier. So schrieb Vollenweider drei Klangumgebungen zu je acht Minuten mit Flöten-, Harfen- und Glockenstücken.

Die Doppelblindstudie wurde mit einer Gruppe von Frühgeborenen, die auf Kopfhörern Vollenweiders Klängen lauschen durften, einer Kontrollgruppe von Frühgeborenen ohne musikalische Beschallung sowie mit einer Kontrollgruppe von normalen Neugeborenen durchgeführt. Resultat: Bei den Frühgeborenen aus Vollenweiders Musikgruppe waren funktionelle Verknüpfungen zwischen einzelnen Hirnregionen besser ausgeprägt. Also denen der normalen Neugeborenen ähnlicher als denen der Frühchen, die keine Musik hörten. Das haben die Forschenden mithilfe von Magnetresonanztomografien (MRT) analysiert.

Heute sind die Studien-Babys sechs Jahre alt. In diesem Alter beginnen sich allfällige kognitive Probleme zu zeigen. Die Forschenden werden sich nun wieder mit den Kindern treffen, um zu sehen, ob die positiven Entwicklungen in den ersten Wochen ihres Lebens weiterhin anhalten.

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