Künstliches Licht in der Nacht stört nachtaktive Insekten beim Bestäuben von Blüten. Dies fand ein Team der Univresität Zürich und Agroscope heraus.
Künstliches Licht in der Nacht verändert die Anzahl der Pflanzen-Bestäuber-Interaktionen auch tagsüber, wie Forschende in einem Feldexperiment herausgefunden haben. (Archivbild)
Künstliches Licht in der Nacht verändert die Anzahl der Pflanzen-Bestäuber-Interaktionen auch tagsüber, wie Forschende in einem Feldexperiment herausgefunden haben. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/ARNO BALZARINI

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Lichtverschmutzung stört nachtaktive Insekten beim Bestäuben von Blüten.
  • Das fand die Universität Zürich bei einem Experiment heraus.

Künstliches Licht in der Nacht stört nachtaktive Insekten beim Bestäuben von Blüten. Ein Team der Uni Zürich und von Agroscope hat nun in einem Experiment auf Naturwiesen herausgefunden, dass Lichtverschmutzung auch in die Betäubungsmuster tagsüber eingreift.

Ein «leuchtender Nebel» aus künstlichem Licht in der Nacht hat in den letzten Jahrzehnten immer mehr von Menschen bewohnte Orte weltweit umhüllt.

Lichtverschmutzung verwirrt Insekten

Dieser durcheinandergeratene Licht-Dunkel-Rhythmus führt etwa dazu, dass nachtaktive Insekten den Blüten seltener einen Besuch abstatten. Die Konsequenz: Die Pflanzen bilden weniger Samen.

Neues Gesetz soll Insekten besser schützen
Neues Gesetz soll Insekten besser schützen - AFP/Archiv

Die Forschenden um die Ökologin Eva Knop von der Universität Zürich und von Agroscope untersuchten nun in einem Feldversuch, wie Lichtverschmutzung den Tagesrhythmus der Insekten durcheinanderbringt. Dabei zeigte sich kein einheitliches Bild: Einige Pflanzenarten auf den mit Licht verschmutzten Flächen wurden vergleichsweise seltener, andere öfters und wieder andere gleich häufig besucht. Die Ergebnisse erschienen im Fachmagazin «Nature Communications».

Ökologische Folgen sollten besser erforscht werden

Für ihr Experiment beleuchtete das Team sechs Naturwiesen mit Strassenlaternen, sechs weitere liessen sie im Dunkeln. Sie konzentrierten sich auf 21 Pflanzenarten und die Insektengruppen der Zweiflügler, der Hautflügler und der Käfer, wie die Uni Zürich am Mittwoch mitteilte. Insgesamt beobachteten sie 2384 Pflanzen-Bestäuber-Interaktionen. Demnach veränderte sich bei rund zwanzig Prozent der untersuchten Pflanzenarten die Zahl der tagsüber empfangenen Besuche.

Hummeln
Die Hummel bestäubt eine Blume. - AFP/Archiv

Bei den Pflanzen mit gleich häufigen Interaktionen zeigte sich allerdings, dass auf den nachts beleuchteten Flächen andere Insekten die Blüten besuchten als auf den dunklen Wiesen. Zum Beispiel wurde der Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum) von den Zweiflüglern gemieden, die Käfer wurden eher angezogen. Auch bei der Flockenblume (Centaurea sp.) und der Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris) beobachteten die Forschenden ähnliche Muster.

Dies könnte die Qualität der Bestäuberleistung verändern, wie die Forschenden in der Studie schreiben. «Die ökologischen Folgen der Lichtverschmutzung sollten stärker erforscht und Massnahmen entwickelt werden, um negative Auswirkungen auf die Umwelt zu verhindern», fordern Kopp und ihr Team daher gemäss der Mitteilung. So könne beispielsweise die öffentliche Beleuchtung in Kombination mit neuen Technologien sorgfältig geplant und auf ein Minimum reduziert werden.

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