Viren hinterlassen Spuren in gekaperten Zellen: Auch wenn diese die Erreger aus ihrem Inneren entfernen, bleibt genetische Information verändert.
universität basel
Kollegienhaus der Universität Basel. (Symbolbild) - Universität Basel, Mark Niedermann

Das Wichtigste in Kürze

  • Viren hinterlassen Spuren in gekaperten Zellen.
  • Auch dann, wenn die Erreger die Viren aus ihrem Inneren entfernen.
  • Das hat ein Forschungsteam unter Leitung der Uni Basel mit einem Maus-Virus gezeigt.

Viren hinterlassen Spuren in gekaperten Zellen: Auch wenn diese die Erreger aus ihrem Inneren entfernen, bleibt die in den Zellen gespeicherte genetische Information verändert. Das hat ein Forschungsteam unter Leitung der Uni Basel mit einem Maus-Virus gezeigt.

Die Forschenden um Daniel Pinschewer von der Universität Basel wiesen nach, dass Zellen das untersuchte Virus mit dem Namen Lymphozytisches Choriomeningitis-Virus (LCMV) ohne die Hilfe von Immunzellen eliminieren können. Dieses Virus befällt die Leber von Mäusen und löst eine chronische Infektion aus, wie die Hochschule am Dienstag mitteilte. Der Verlauf sei ähnlich wie eine Hepatitis C-Infektion bei Menschen.

«Die Leberzellen scheinen selbst über einen Mechanismus zu verfügen, ein Virus aus ihrem Inneren zu entfernen», sagte Peter Reuther, ebenfalls von der Uni Basel und einer der Erstautoren der im Fachmagazin «Journal of Experimental Medicine» erschienenen Studie. Die chronische Infektion beruht demnach darauf, dass die Viren immer wieder neue Zellen befallen.

Zellteilung und Stoffwechsel betroffen

Trotz der zelleigenen Abwehrkräfte bleibt die Infektion nicht ohne Folgen: In den befallenen Zellen wurden auch nach der Selbstheilung nicht mehr die gleichen Gene abgelesen wie bei nicht infizierten Zellen. Insbesondere bei Genen, die mit der Zellteilung und dem Zellstoffwechsel zusammenhängen, schlug sich die Veränderung nieder.

«Wir sehen da starke Parallelen mit anderen Studien bei geheilten Hepatitis C-Patienten», liess sich die Co-Erstautorin, Katrin Martin, zitieren: «Ihre ehemals infizierten Leberzellen weisen Veränderungen am Erbgut auf, die die genetischen Programme beeinflussen.» Gemäss der Forscherin lässt sich spekulieren, dass diese langfristigen Veränderungen eine Ursache dafür sind, dass geheilte Hepatitis C-Patienten ein erhöhtes Leberkrebsrisiko haben.

Virologe Streeck
Coronaviren unter dem Mikroskop. Virologe Streeck erklärt, dass Infektionen mit keinen Symptomen nicht zwangsweise schlimm sind. - National Institutes of Health/AFP/Archiv

Aus medizinischer Sicht stellen sich gemäss Pinschewer die Fragen, ob sich der fortlaufende Virenbefall neuer Zellen verhindern lässt und ob man die Veränderungen des genetischen Profils rückgängig machen und dadurch Folgeschäden verhindern kann. Dies betreffe nicht zuletzt auch andere Folgen von Virusinfektionen, beispielsweise Long-Covid.

Die Forschenden möchten in einem nächsten Schritt nun herausfinden, ob von solchen langfristigen Veränderungen auch andere Zelltypen betroffen sind und wie der Mechanismus der zelleigenen Selbstheilungskräfte genau funktioniert.

Mehr zum Thema:

Studie