Für Entstehung von Diabetes ist Lebensstil wichtiger als Genetik
Für die Entstehung von Diabetes ist der Lebensstil wichtiger als eine allfällige genetische Belastung. Das haben US-Forschende anhand der Daten von rund 330'000 Menschen aus Grossbritannien nachgewiesen. Die Hälfte der Fälle von Zuckerkrankheit sei verhinderbar, folgern die Wissenschaftler.

«Typ-2-Diabetes (T2D) entsteht durch das Zusammenspiel genetischer Veranlagung und eines ungesunden Lebensstils, deren kombinierte Auswirkungen jedoch noch nicht ausreichend erforscht sind», schrieben Cassandra Spracklen von der Universität Massachusetts und ihre Co-Autoren in «Diabetes». Sie untersuchten, ob ungesunde, veränderbare Verhaltensweisen mit einem ähnlich erhöhten Risiko für die Entwicklung von T2D bei Personen mit unterschiedlichem genetischem Risiko einhergehen.
Das Forschungsteam wertete die Langzeitdaten von 332'251 Menschen aus, deren Gesundheitsdaten in der britischen «Biobank» verzeichnet sind. Sie waren zu Beginn durchschnittlich 55 Jahre alt und hatten keinen Typ-2-Diabetes. Ausserdem wurde das Blut der Teilnehmer auf genetische Veränderungen untersucht, welche ein erhöhtes Risiko für diese Form der Zuckerkrankheit, die etwa 90 Prozent der Fälle ausmacht, bedeuten können.
Die Probanden wurden danach zu je einem Drittel in eine Gruppe mit hohem, mittleren oder niedrigem genetischen Risiko eingeteilt. Das gleiche erfolgte unter Berücksichtigung der Lebensstilfaktoren: Rauchen, Gewicht (BMI), körperliche Aktivität und Ernährung. In dem Gesamt-Beobachtungszeitraum von im Mittel 13,6 Jahren wurde bei vier Prozent der Probanden ein neu auftretender Diabetes diagnostiziert.
Die Ergebnisse waren eindeutig: Ein hohes genetisches Risiko versus einem niedrigen genetischen Risiko für Typ-2-Diabetes führte zu einer um den Faktor 2,58 grösseren Häufigkeit, daran zu erkranken. Doch die «Umwelt» in der Form von Lebensstilfaktoren war – allein genommen – viel wichtiger: Ein Körpergewicht im oberen Drittel der Probanden brachte im Vergleich zu Gewicht im unteren Drittel ein um den Faktor 6,83 grösseres Risiko für Zuckerkrankheit hervor.
Noch grösser war die Auswirkung von ungesundem Lebensstil und einem höheren genetischen Risiko. Ein niedriges genetisches Risiko und ein ungesunder Lebensstil bedeuteten im Vergleich zu einer niedrigen genetischen Gefährdung und einem gesunden Lebensstil eine 7,11-fach grössere Häufigkeit von Diabetes. Genetische Veränderungen, die mit einer starken Neigung zu Typ-2-Diabetes in Verbindung stehen, plus ein ungesunder Lebensstil brachten gar das 17,33-Fache Risiko für Typ-2-Diabetes mit sich.
Laut dem Forschungsteam dürfte das Verhältnis zwischen Lebensstil und Genetik bei der Begünstigung des Entstehens von Typ-2-Diabetes bei 55 zu 45 Prozent liegen. Damit ist die «Umwelt» wichtiger als alles andere und wäre damit prinzipiell gut beeinflussbar.
«Insgesamt stützen unsere Analysen die Annahme, dass zwar die Genetik eine wichtige Rolle für das Risiko, an T2D zu erkranken, spielt, Lebensstilfaktoren jedoch eine wesentlich grössere Rolle einnehmen, insbesondere der Body-Mass-Index (BMI)», schrieben die Forschenden.
Darüber hinaus hätten ihre Untersuchungen zeigen können, dass Personen mit jedem Grad an genetischem Risiko ihr Erkrankungsrisiko durch veränderbare, gesunde Lebensstilgewohnheiten erheblich senken können.










