Fünf Minuten Gehen mindern Müdigkeit am Schreibtisch
Bei langen sitzenden Tätigkeiten empfiehlt ein Forschungsteam gelegentliches Umhergehen. Die Vorgabe von fünf Minuten Gehen alle 60 Minuten sei sowohl effektiv gegen negative Folgen des Sitzens als auch relativ gut umsetzbar, schreibt das Team im «British Journal of Sports Medicine».

Während in einer Studiengruppe mit der Anweisung zu fünfminütigem Gehen alle 30 Minuten die von den Teilnehmern berichteten positiven Effekte am grössten waren, erschien eine Pause alle 120 Minuten als am ehesten durchführbar.
Die Geh-Dauer von fünf Minuten hatte das Team aufgrund einer früheren Studie gewählt, nach der fünfminütige Bewegungspausen im Vergleich zu kürzeren zu grösseren Verbesserungen bei Stimmung, Müdigkeit und Markern für die Herzgesundheit geführt hatten.
In Ländern mit hohem Durchschnittseinkommen sitzen viele Menschen elf bis zwölf Stunden pro Tag, wie die Gruppe um Keith Diaz vom Columbia University Medical Center in New York berichtet.
«Übermässiger Bewegungsmangel hat sich zu einem bedeutenden Problem der öffentlichen Gesundheit entwickelt.» Er bringe das Risiko vieler chronischer Erkrankungen, eine Verschlechterung der psychischen Gesundheit und eine erhöhte Sterblichkeit mit sich. Zudem stelle er eine erhebliche wirtschaftliche Belastung für die Gesundheitssysteme dar.
Dass kleine Bewegungspausen dem entgegenwirken können, haben bereits verschiedene Studien ergeben, doch es fehlen den Forschern zufolge Erkenntnisse über grosse Gruppen in ihrer Alltagsumgebung statt im Labor.
Das Team rekrutierte die Studienteilnehmer unter den Zuhörern einer interaktiven Podcast-Serie des US-Senders National Public Radio zum Thema «Gesundheit und Technologie». Daher war die Stichprobe jedoch nicht repräsentativ für die Bevölkerung.
Die Probanden suchten sich selbst die Häufigkeit der geplanten Geh-Pausen aus: alle 30, 60 oder 120 Minuten. Eine Woche lang wurden etwa Müdigkeit und Stimmung ohne Pausen erhoben, in den zwei folgenden Wochen geschah das mit den Pausen. 11'484 Menschen waren zu Beginn des zweiten Studienteils noch dabei.
Die meisten Probanden erhielten jeden Abend eine Vorlage per E-Mail, in der sie etwa ihre Pausen, den Grad der Müdigkeit und ihre Stimmung notierten. Einige erhielten fünf Bögen per SMS pro Tag.
Im Schnitt machten die Probanden pro Tag weniger Pausen als sie sich in der jeweiligen Gruppe vorgenommen hatten, dafür waren diese aber 6 bis 7 Minuten lang.
Insgesamt wurde die Durchführbarkeit dennoch positiv bewertet, die Müdigkeit ging zurück und die Stimmung hob sich. Genauer: Auf einer Skala von eins bis fünf, auf der ein Wert über drei als positiv anzusehen ist, bewerteten die Teilnehmer der Gruppe mit geplanten Pausen alle 30 Minuten die Durchführbarkeit mit 3,41 (60 Minuten: 3,80, 120 Minuten: 4,01). Die Akzeptanz der Massnahme kam auf Bewertungen von 3,91 (30 Minuten) und 4,03 (60 und 120 Minuten).
Die empfundene Müdigkeit ging deutlich zurück: In der 30-Minuten-Gruppe um 1,55 Punkte (60 Minuten: um 1,41 Punkte; 120 Minuten: um 1,19 Punkte). Die berichtete positive Stimmung nahm in allen Gruppen signifikant zu.
«Stündliche Pausen zeigten die beste Balance zwischen Praktikabilität und Effektivität», schreibt das Team. «Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Bewegungspausen eine potenziell geeignete Massnahme der öffentlichen Gesundheitsförderung darstellen, um die negativen Auswirkungen von langanhaltendem sitzendem Verhalten zu verringern.»
Es seien jedoch Langzeitstudien erforderlich, um zu prüfen, «ob Bewegungspausen dauerhaft aufrechterhalten werden können und welchen langfristigen Einfluss sie auf Gesundheit und Verhalten haben».
Zudem sollte der Effekt von Bewegungspausen geprüft werden, die kein Verlassen des Arbeitsplatzes erfordern, da sie mancherorts praktikabler sein könnten.
Negative Auswirkungen der Pausen auf die Arbeitsleistungen massen die Forscher nicht, im Gegenteil: «Obwohl keine der getesteten Bewegungspausen-Dosierungen Verbesserungen der wahrgenommenen Arbeitsleistung oder des Engagements bewirkte, die die Schwellenwerte für die minimale klinisch relevante Differenz überschritten, führten alle im Durchschnitt zu kleinen, aber positiven Veränderungen», schreiben die Studienautoren. Genau waren es vier bis sieben Prozent beim Engagement; ein bis drei Prozent bei der Leistung.
Das Team weist noch auf die nicht repräsentative Auswahl der Teilnehmer hin, die dazu geführt habe, dass sie überwiegend weiblich, weiss und vollzeitbeschäftigt waren, einen Hochschulabschluss hatten und sich im mittleren Lebensalter befanden.














