Produzenten von Babynahrung werben laut der Weltgesundheitsorganisation WHO skrupellos. Sie würden ihre Produkte mit irreführenden Aussagen vermarkten.
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Bei Babynahrung wird in der Werbung oft geschummelt. - Pixabay

Das Wichtigste in Kürze

  • Hersteller von Babynahrung stehen wegen ihres Marketings in der Kritik.
  • Die WHO bezeichnet es als skrupellos.
  • Nestlé will Werbung in für Babynahrung für Kinder unter sechs Monaten stoppen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO wirft Herstellern von Babynahrung «skrupellose Vermarktung» vor, die gezielt Schwangere und junge Mütter verunsichere. Die Hersteller manipulierten Eltern und Gesundheitspersonal, hiess es am Mittwoch in einer Studie der WHO und des UN-Kinderhilfswerks Unicef. So würden irreführende oder wissenschaftlich nicht fundierte Behauptungen aufgestellt, um Mütter dazu zu bringen, Babys Säuglingsnahrung statt Muttermilch zu geben.

Die Industrie war 2019 der Studie zufolge 55 Milliarden Dollar wert. Die Stillquote sei in den vergangenen 20 Jahren leicht angestiegen sei. Der Umsatz der Säuglingsnahrungshersteller habe sich im gleichen Zeitraum währenddessen fast verdoppelt.

Nestlé
Nestlé Babynahrung ist erneut in der Kritik. - Keystone

Es gebe rund ein halbes Dutzend grosse Unternehmen, sagte Nigel Rollins, bei der WHO zuständig für Mutter-Kind-Gesundheit, der Deutschen Presse-Agentur. Ihre Praktiken seien ähnlich. Einzelne Firmen werden nicht genannt.

Einer der grössten Babynahrungshersteller ist der Schweizer Konzern Nestlé. Er teilte mit, dass er schon jetzt in 163 Ländern nicht für Nahrung für Babys unter zwölf Monaten werbe. Bis Jahresende werde alle Werbung weltweit für Babynahrung bis zum sechsten Lebensmonat gestoppt.

«Nestlé unterstützt die Annahme von Gesetzen über das Marketing von Babynahrung in allen Ländern», teilte das Unternehmen mit. Nur 25 Länder hätten den Verhaltenskodex von 1981 über die Vermarktung von Babynahrung weitgehend umgesetzt, hatte die WHO 2020 berichtet. Deutschland gehört nicht dazu.

WHO will Babynahrung nicht aus Regalen verbannen

Es gehe der WHO nicht darum, Babynahrung aus den Verkaufsregalen zu verbannen, betonte Rollins. Manche Säuglinge brauchten diese Nahrung. In der Studie gehe es nur um Vermarktungsmethoden, die Mütter, die eigentlich stillen wollten und könnten, manipulierten.

«Soll die Geburt eines Kindes wirklich eine Angelegenheit für kommerzielle Geschäfte sein?», sagte Rollins. Die Studie vergleicht die Vermarktung von Säuglingsnahrung mit der von Tabak oder Glücksspielangeboten. Dort habe «der Verkauf Vorrang vor der Gesundheit und Entwicklung des Kindes», wie es heisst.

Firmen starteten oder infiltrierten Müttergruppen auf sozialen Medien, um Babynahrung zu propagieren, heisst es in der Studie. Gesundheitspersonal werde etwa bei Konferenzen oder durch Broschüren mit zweifelhaften Informationen versorgt, die sie oft an Mütter weitergäben: etwa, dass Babys mit Säuglingsnahrung länger schliefen, dass Muttermilch mit der Zeit an Qualität verliere. Oder dass bestimmte Produkte Allergien vorbeugen könnten. Manchmal erhielten sie eine Provision von Firmen, wenn sie Kundinnen rekrutierten.

WHO: Stillen in den ersten Monate hat lebenslange Vorteile

Nach Angaben der WHO hat 100-prozentiges Stillen in den ersten Lebensmonaten lebenslange gesundheitliche Vorteile. Unter anderem verringere dies Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleibigkeit und Diabetes sowie Brustkrebs bei den Müttern.

Für die Studie wurden 8500 Schwangere und junge Mütter sowie 300 Gesundheitsbedienstete in acht Ländern gefragt: Bangladesch, China, Grossbritannien, Mexiko, Marokko, Nigeria, Südafrika und Vietnam. 51 Prozent der Befragten gaben an, Werbung erhalten zu haben, etwa auf sozialen Medien oder in Kliniken. In Bangladesch sagten 57 Prozent der Mütter, Gesundheitspersonal habe ihnen künstliche Babynahrung empfohlen. In Nigeria 45 und in Grossbritannien 30 Prozent.

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