Durch ein neues Modell haben Forschende mehr über den Prozess zum Stärken des Vertrauens nach Kaufentscheidungen erfahren.
Eine Frau kauft Lebensmittel ein: Kauft man bewusst ein, sollte man der Wahl vertrauen. Gedankenlos getroffene Entscheidungen sollten Forschenden zufolge hingegen eher hinterfragt werden. (Themenbild)
Eine Frau kauft Lebensmittel ein: Kauft man bewusst ein, sollte man der Wahl vertrauen. Gedankenlos getroffene Entscheidungen sollten Forschenden zufolge hingegen eher hinterfragt werden. (Themenbild) - sda - KEYSTONE/LAURENT GILLIERON

Das Wichtigste in Kürze

  • Forscher haben sich der Frage gestellt, was das Vertrauen in Entscheidungen stärkt.
  • Dazu haben sie ein neues Modell entwickelt.
  • Die Sicherheit kommt nach gewissenhaftem Bewerten und Vergleichen.

Gewissenhaftes Bewerten und Vergleichen von verschiedenen Optionen das Vertrauen in die getroffene Wahl stärkt. Das haben Zürcher Froschende mit einem auf experimentellen Daten beruhenden Modell gezeigt.

Manchmal trifft man Entscheidungen, die sich intuitiv richtig anfühlen. An anderen zweifelt man. Diese Fähigkeit, eigene Entscheidungen zu hinterfragen und zu bewerten, kann dazu genutzt werden, künftiges Verhalten zu steuern. Entscheiden wir uns in einem Restaurant beispielsweise für Pizza; stellen dann aber fest, dass dies eigentlich nicht das Gericht ist, dass wir essen möchten; dann kann man seine Wahl ändern.

Obwohl wir uns mit solchen Situationen alltäglich konfrontiert sehen, ist nur wenig über die zugrundeliegenden Mechanismen bekannt. Diese bringen uns dazu, eine Entscheidung zu revidieren.

Vertrauensstärkender Prozess

Forschende der ETH und Universität Zürich berichten im Fachmagazin «Nature Communications» nun von einem inneren Prozess. Dieser stärkt das Vertrauen in eigene Entscheidungen. Die Forschenden sind unter Leitung von ETH-Professor Rafael Polanía.

Demnach konnten sie anhand eines Modells zeigen: «Entscheidungen fühlen sich vor allem dann richtig an, wenn wir die unterschiedlichen Optionen besonders aufmerksam verglichen haben. Und uns darüber auch bewusst sind», erklärte Polanía gemäss einer Mitteilung seiner Hochschule.

In das von den Forschenden entwickelte Modell floss unter anderem ein Experiment mit 35 Probandinnen und Probanden ein. Diese bekamen auf einem Bildschirm eine Auswahl von 64 Lebensmitteln präsentiert.

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Obwohl Onlineshopping immer beliebter wird, kaufen die meisten Schweizerinnen und Schweizer nach wie vor im Laden ein. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/DPA/KAY NIETFELD

Nachlässige Vergleiche führen zu Unsicherheit

Anschliessend mussten sie sich jeweils zwischen zwei dieser Produkte, die sie real vorgesetzt bekamen, entscheiden. Zudem gaben sie an, wie stark sie ihrer Entscheidung vertrauten. Während des Experiments wurden ihre Augenbewegungen aufgezeichnet.

«Wir haben erkannt: Eine Entscheidung fühlt vor allem dann schlecht an, wenn wir bemerken, dass wir unterschiedliche Optionen nachlässig miteinander verglichen haben.» Das sagte Polanía. Nachlässig bedeutet demnach, wenn sich der Blick einer Person vor allem auf ein Produkt fixierte; das andere hingegen kaum beachtet wurde.

Laut den Forschenden spielt die Fähigkeit zur Introspektion eine entscheidende Rolle, um die Qualität der eigenen Entscheidungen zu bewerten. «Wenn uns nach einer Entscheidung auffällt, dass wir nicht aufmerksam verglichen haben. Nur dann können wir dieser misstrauen und sie rückgängig machen», so Polanía.

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In der Corona-Krise lassen sich mehr Verbaucher die Lebensmittel nach Hause liefern. Foto: picture alliance / dpa - dpa-infocom GmbH

Diese Fähigkeit kann mit Achtsamkeitsübungen und Meditation trainiert werden. Trotzdem wittert der Forscher noch einen originelleren Einsatz des Modells, nämlich für intelligente Brillen. Solche Brillen würden «auf Basis des Modells erkennen, wie aufmerksam wir sind. Und uns mitteilen, wann wir eine Entscheidung hinterfragen sollten.»

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