Die Wissenschaftsplattform Klimaschutz (WPKS) dringt auf zügige Weichenstellungen durch die Bundesregierung, um die rechtzeitige Wirkung von Schlüsseltechnologien für mehr Klimaschutz sicherzustellen.
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Offshore-Windenergie - AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Grundsätzlich Lob für Kurs der Regierung - Massnahmen reichen aber bisher nicht aus.

Das geht aus einem Gutachten hervor, dass die WPKS am Freitag an Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) übergab. Genannt wurden vor allem der Aufbau einer grünen Wasserstoff-Wirtschaft sowie eine Strategie für den Import regenerativ erzeugter Energie.

«Das Ziel der Klimaneutralität bis 2045 erfordert mehr Kohärenz in der mittel- und langfristigen Klimaschutzplanung», erklärte die WPKS-Co-Vorsitzende Sabine Schlacke. «Die Richtung stimmt bei den bislang von der Bundesregierung vorgelegten Massnahmen», betonte sie. «Aber sie reichen leider nicht aus für deren selbst gesetzte Klimaziele», kritisierte Schlacke.

«Die nächste Phase der Transformation zur Klimaneutralität wird die Bevölkerung in vielen Bereichen unmittelbarer und intensiver betreffen als bisher», erklärte die Wissenschaftsplattform zudem. Daher müssten die Verteilungswirkungen verschiedener Klimaschutzmassnahmen stärker als bisher erforscht und berücksichtigt werden. Auch müssten, um Akzeptanz zu erhöhen, Bürgerinnen und Bürger beim Klimaschutz stärker einbezogen und «vom Objekt zum Subjekt gemacht» werden, verlangte Schlacke.

Das Gremium begrüsste den geplanten Aufbau eines EU-Emissionshandels auch für die Sektoren Gebäude und Verkehr. «Wichtig ist, dass die Kommission frühzeitig die Perspektiven für eine Integration des neuen Systems mit dem bestehenden Emissionshandel für die Sektoren Energie und Industrie klärt, um Erwartungssicherheit für die Marktteilnehmer zu schaffen und unerwünschte Preisverzerrungen zu verhindern», mahnte aber der WPKS-Co-Vorsitzende Ottmar Edenhofer.

«Die neue Bundesregierung muss jetzt mutige Schritte gehen, um ihr Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2045 zu erreichen», verlangte Edenhofer weiter. Dafür nannte er die CO2-Bepreisung als ein wichtiges Element. Zudem müssten negative Emissionen erreicht werden. Dafür müsse auch das umstrittene Thema von CO2-Abscheidung und unterirdischer Lagerung (CCS) angegangen werden, um trotz Restemissionen in einigen Bereichen wie der Landwirtschaft beim Treibhausgasausstoss insgesamt auf Null zu kommen.

«Deutschland braucht in den nächsten Jahren wissenschaftliche Durchbrüche und Innovationen, um die Klimaziele zu erreichen», erklärte Stark-Watzinger zu dem Gutachten. Klima-Staatssekretär Patrick Graichen sicherte zu, die Empfehlungen eingehend zu prüfen, insbesondere hinsichtlich der Sektorziele für die Senkung der Treibhausgasemissionen. Diese sollten laut den WPKS-Empfehlungen alle zwei bis vier Jahre aktualisiert werden.

Die WPKS hat den Auftrag, die Bundesregierung bei der Umsetzung und Weiterentwicklung der deutschen Langfriststrategie zum Klimaschutz mit wissenschaftlicher Expertise zu unterstützen. In der Plattform arbeiten Expertinnen und Experten aus natur-, sozial-, rechts-, wirtschafts- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungseinrichtungen interdisziplinär zusammen.

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