Wie beginnt man am besten eine Unterhaltung?

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    «Ganz schön heiss heute, was?» oder «Jetzt hat es aber langsam genug geregnet!»: Es geht ums Wetter - wie so oft. Fällt uns denn nicht mal ein anderes Gesprächsthema ein?

    «Ganz schön heiss heute, was?» oder «Jetzt hat es aber langsam genug geregnet!»: Man spricht übers Wetter - wie so oft. Foto: Thomas Warnack/dpa
    «Ganz schön heiss heute, was?» oder «Jetzt hat es aber langsam genug geregnet!»: Man spricht übers Wetter - wie so oft. Foto: Thomas Warnack/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Egal ob heiss oder kalt, ob Sommer oder Winter - das Wetter ist immer Gesprächsthema.

    Bei persönlichen Treffen genauso wie am Telefon geht es oft erst mal darum, ob es gerade regnet oder die Sonne scheint.

    Kein Wunder, meinen Experten. Denn kaum ein anderes Thema eigne sich besser, um eine Unterhaltung zu beginnen. «Es ist ein sehr guter Einstieg, weil es ein unverfängliches, recht neutrales Thema ist», sagt Gesprächsforscher Patrick Vosskamp von der Universität Duisburg-Essen. «Damit verprelle ich niemanden.» Übers Wetter zu reden sei viel sicherer als zum Beispiel über Politik, was viel mehr Konfliktpotenzial biete.

    Prof. Susanne Günthner, die sich an der Uni Münster mit Alltagskommunikation beschäftigt, spricht von einem «Safe Topic». «Das schöne ist: Ich kann darüber auch mit einem Unbekannten ein Gespräch anfangen - und an dessen Reaktion erkennen, ob der überhaupt mit mir kommunizieren will oder nicht. Wenn ja, kann ich das Gespräch weiterführen - wenn nein, kann ich ohne Probleme wieder aussteigen.» Auch zum Überbrücken peinlicher Gesprächspausen biete sich das Wetter bestens an.

    Jeder kann mitreden

    Beim Wetter könne jeder mitreden, denn es betreffe nun mal jeden, sagt Günthner. Als Gesprächsthema funktioniere es deshalb über alle sozialen oder kulturellen Unterschiede hinweg, Vorinformationen über den anderen seien nicht nötig. «Man kann mit jedem darüber sprechen, egal welche Herkunft, welchen Bildungsstand oder welches Alter er hat.» Und weil es sich ständig ändert, biete das Wetter auch weitergehenden Gesprächsstoff: Sollte man einen Schirm mitnehmen, wird ein geplanter Ausflug ins Wasser fallen oder ähnliches.

    Das Reden übers Wetter schaffe eine gemeinsame Basis, meint auch der Psychologe Gerhard Reese von der Uni Koblenz-Landau. «Das wirkt wie ein sozialer Kitt, es macht eine Beziehung von Anfang an flüssiger.»

    Dass eine Unterhaltung übers Wetter dazu diene, unangenehme andere Themen zu vermeiden, ist nach Einschätzung von Reese eher selten. «Ich glaube nicht, dass wichtige Themen dadurch verdrängt werden.» Ähnlich sieht das die Gesprächsforscherin Günthner: «Bei einem ganz kurzen Treffen mag das klappen, aber ansonsten kommt das andere Thema später meist unweigerlich doch noch auf.»

    Der Sprachforscher

    Sprachforscher Vosskamp rät ausdrücklich dazu, zunächst mit dem Wetter anzufangen, wenn man von seinem Gesprächspartner etwas will. «So wird über Small Talk erstmal eine angenehme Atmosphäre geschaffen, dann fällt es leichter, schwierige Dinge anzusprechen. Das ist wie eine Art Eisbrecher.»

    Uwe Kirsche dagegen geht das Gerede übers Wetter in privaten Unterhaltungen manchmal ziemlich auf die Nerven. «Beruflich ist das was anderes, da spreche ich natürlich ständig darüber», sagt der Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Aber im Bekanntenkreis bekomme er regelmässig Kommentare zu hören wie «Was habt ihr denn da wieder vorhergesagt?» oder «Mach mal was, dass das Wetter wieder besser wird».

    Andererseits beobachtet er, dass Gespräche übers Wetter sich inzwischen häufiger als früher vom oberflächlichen Small Talk wegbewegten: «Der Klimawandel und seine Auswirkungen spielen in Unterhaltungen seit einigen Jahren zunehmend eine Rolle.»

    Übrigens: Was gutes oder schlechtes Wetter ist, sei relativ, weiss Kirsche. «Die Vorstellungen sind da sehr unterschiedlich.» Wenn das DWD-Team beispielsweise in sozialen Netzwerken etwas von «gutem Wetter» poste, sei auf jeden Fall Widerspruch zu erwarten.

    «Je nach persönlicher Situation und Rolle können die Meinungen da natürlich ziemlich auseinander gehen», sagt auch Vosskamp. Während man selbst sich über Regen ärgere, sei ein Landwirt vielleicht froh darüber. Während der eine Hitze nicht gut vertrage, freue der andere sich aufs Freibad.

    Völlige Einmütigkeit herrscht bei Diskussionen übers Wetter also längst nicht immer. Beliebtestes Gesprächs-Thema wird es wohl trotzdem immer bleiben.

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