Aleppo

    Welthungerhilfe: Bislang schlimmste Hungerkrise in Syrien

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    Syrien,

    Seit rund zehn Jahren tobt in Syrien ein Bürgerkrieg. Fast zwölf Millionen Menschen wurden seitdem vertrieben. Die Lage in den Camps ist dramatisch. Doch der humanitären Hilfe fehlt Geld.

    Frauen in einem grossen Flüchtlingslager in Idlib auf der syrischen Seite der Grenze zur Türkei. Foto: Ghaith Alsayed/AP/dpa
    Frauen in einem grossen Flüchtlingslager in Idlib auf der syrischen Seite der Grenze zur Türkei. Foto: Ghaith Alsayed/AP/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Nach zehn Jahren Bürgerkrieg leidet Syrien der Welthungerhilfe zufolge unter der bislang schlimmsten Hungerkrise.

    Ein «alarmierender Rekord» von mehr als zwölf Millionen Menschen habe nicht genug zu essen, sagte der Syrien-Koordinator der Hilfsorganisation, Konstantin Witschel, der Deutschen Presse-Agentur. Das seien fast 60 Prozent der Bevölkerung. Die humanitäre Lage allgemein habe sich im vergangenen Jahr extrem verschlechtert.

    Besonders betroffen sind Flüchtlinge. «Die Lage in den Camps ist schrecklich», erklärte Witschel nach einem Besuch in der nordsyrischen Stadt Asas. Derzeit setzen Wintertemperaturen und starker Regen den Menschen zu. In den Flüchtlingslagern fehle es an allem. «Bei unserem Besuch kamen uns 30 Kinder entgegen, die bei sechs oder sieben Grad nur Pullis und Sandalen trugen.»

    Asas liegt nördlich der Grossstadt Aleppo in einem Gebiet, das die türkische Armee und verbündeten syrischen Rebellen kontrollieren. Im von Regierungsgegnern gehaltenen Nordwesten Syriens leben mehr als vier Millionen Menschen, davon rund 2,7 Millionen Vertriebene. Mehr als die Hälfte braucht humanitäre Hilfe, die den UN zufolge massiv unterfinanziert ist. Deutschland ist nach den USA zweitgrösster Geber.

    Der Bürgerkrieg in Syrien hatte im März 2011 mit Protesten gegen die Regierung begonnen. Insgesamt wurden seitdem rund zwölf Millionen Menschen vertrieben, rund die Hälfte innerhalb von Syrien.

    Durch den Verfall der syrischen Lira in den vergangenen Monaten hätten sich die Lebensmittelpreise verdreifacht, sagte Witschel. Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie könnten nicht abgefedert werden. Viele Menschen könnten gerade einmal die Hälfte dessen decken, was sie als Mindestmass zum Überleben bräuchten.

    Eltern verzichteten auf Nahrung, um ihre Kinder ernähren zu können, sagte Witschel. «Auch die Mahlzeiten werden kleiner oder fallen ganz aus.» Die Menschen verschuldeten sich, um Lebensmittel kaufen zu können. «Es gibt wachsende Probleme mit Kinderarbeit oder Zwangs- und Frühverheiratung. Das zeigt, wie verzweifelt die Menschen sind.»

    Sie hätten zudem nicht die Mittel, sich vor dem Corona-Virus zu schützen. «Das sind Worst-Case-Bedingungen», erklärte der Hilfskoordinator. «Die Menschen leben dicht gedrängt in überfüllten Camps ohne Möglichkeit, Abstand zu halten, ohne Schutz, ohne Desinfektionsmittel und ohne vernünftige medizinische Versorgung.» Die offiziell vergleichsweise niedrige Anzahl der Corona-Fälle sei nicht realistisch, da in der Region kaum getestet werden könne.

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