Wegen Trockenheit: Hersteller rechnet mit leicht teurerem Olivenöl
Hitze und Trockenheit setzen Europas Olivenhaine unter Druck. Jetzt droht in der Schweiz teureres Olivenöl.

Das Wichtigste in Kürze
- Die Trockenheit in Südeuropa könnte die nächste Olivenernte belasten und die Preise beeinflussen.
- Produzenten rechnen mit leicht steigenden Olivenöl-Preisen.
- Schweizer Händler erwarten aktuell keine starken Preissprünge.
Die anhaltende Hitze, Trockenheit und zahlreiche Waldbrände setzen Europas Landwirtschaft stark unter Druck. Besonders betroffen sind die Olivenhaine in Südeuropa: Produzenten berichten von kleineren Früchten, Ernteausfällen und Qualitätsverlusten.
Laut einem Bericht des britischen «Guardian» rechnen Branchenvertreter deshalb mit einer möglichen Teuerung bei Olivenöl. Verantwortlich dafür seien die extremen Wetterbedingungen in wichtigen Anbauländern wie Griechenland, Italien und Portugal.
Ob sich diese Entwicklung tatsächlich auf die Preise in der Schweiz auswirkt, ist allerdings noch offen. Nau.ch hat bei Produzenten, Detailhändlern und Branchenvertretern nachgefragt.
Herstellerin: «Tendenziell leichter Preisanstieg»
Optimistisch zeigt sich Ilia Frahmann von ILMEA Olivenöl Griechenland. Für die Region Olympia erwartet er derzeit eine gute Ernte. «Für die Region von Olympia rechne ich aktuell mit gutem Olivenöl und guten Erträgen. Wir hatten gutes regnerisches Wetter in der Region», so der Inhaber.
Allerdings sei bis zur Ernte noch vieles vom weiteren Wetterverlauf abhängig. Ein Hagelschauer oder zu viel Regen im Winter könnten die Ernte noch gefährden.

Trotz der positiven Aussichten vor Ort rechnet Frahmann insgesamt mit höheren Preisen. «Tendenziell rechnen wir aktuell mit einem leichten Preisanstieg.»
Grund dafür sei nicht allein die Situation in Griechenland. «Die Preise hängen vom europäischen Markt ab. Gibt es wenig Öl auf dem EU-Markt, beeinflusst das auch die Preise in Griechenland.»
Hinzu komme, dass qualitativ hochwertiges Olivenöl seinen Preis habe. ILMEA zahle den Kleinbauern bewusst höhere und faire Preise, um langfristige Partnerschaften und hohe Qualität sicherzustellen.
Preisänderungen erst zeitverzögert im Ladenregal
Deutlich zurückhaltender äussert sich Deoleo, der Hersteller hinter der italienischen Marke Bertolli.
Zwar seien Olivenbäume grundsätzlich empfindlich gegenüber anhaltender Hitze und Trockenheit während der Wachstumsphase. Verlässliche Aussagen über Ertrag und Qualität der kommenden Ernte seien jedoch erst im Herbst möglich, sagt Tomislav Bucic, Geschäftsführer Nordeuropa.
Dank verschiedener Anbaugebiete und Lieferanten sei das Unternehmen gut auf mögliche Schwankungen vorbereitet.
Auch bei den Preisen gibt sich Deoleo gelassen. Nach dem Preis-Höchststand infolge der Dürre 2024 hätten sich die Rohwarenpreise aufgrund der besseren letzten Ernte wieder entspannt.
«Aktuell sehen wir keine Anzeichen für kurzfristige Preissprünge», teilt Bucic mit. Ob sich dieser Trend fortsetze, hänge jedoch entscheidend von der kommenden Ernte ab. Preisänderungen bei der Rohware würden zudem jeweils erst zeitverzögert im Ladenregal ankommen.
Preise haben sich nach Rekordjahr beruhigt
Die vergangenen Jahre waren von starken Schwankungen geprägt.
Nach Angaben von Deoleo erreichte Olivenöl 2024 mit durchschnittlich 13,51 Euro pro Liter im deutschen Handel einen Höchststand. 2025 sank der Durchschnittspreis wieder auf 10,82 Euro. In den ersten Monaten dieses Jahres lag er bei 10,39 Euro pro Liter.

Auch Ilia Frahmann spricht von einer sehr wechselhaften Entwicklung. Besonders schwierig sei vorletztes Jahr gewesen: Viele griechische Bauern hätten wegen schlechter Erträge kaum vom damals hohen Preis profitieren können.
Bisher keine Teuerung
Auch Gastrosuisse rechnet kurzfristig nicht mit einem deutlichen Preissprung. Zwar könnten einzelne Einkaufskanäle durchaus Preisaufschläge verzeichnen. Hinweise auf eine bevorstehende starke Verteuerung gebe es derzeit aber nicht.
Im Schweizer Detailhandel bleibt man vorsichtig. Coop erklärt, aktuell seien bei Olivenöl keine Preisveränderungen festzustellen. Wie sich die Preise im kommenden Jahr entwickeln, werde sich erst nach der nächsten Olivenernte zwischen Oktober und Januar zeigen.
Auch bei anderen Produkten habe man bislang keine Preissteigerungen festgestellt, die direkt auf die Hitzewellen 2026 zurückzuführen seien.
Die Migros verweist ebenfalls auf die Erntebedingungen und die Entwicklungen an den internationalen Rohstoffmärkten. Eine Prognose für das kommende Jahr sei derzeit nicht möglich.
Ob Olivenöl im kommenden Jahr tatsächlich teurer wird, ist damit noch offen.

















