UN-Klimakonferenz

    Warnungen an der UN-Klimakonferenz – «Schaufeln unser eigenes Grab»

    Keystone-SDA
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    Grossbritannien,

    Am Montag hielten viele einflussreiche Personen an der UN-Klimakonferenz COP26 eine Rede. Der Ton ist klar – es brauche Veränderung, und zwar sofort.

    Un-Klimakonferenz
    Joe Biden hält an der COP26 eine Rede. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Angela Merkel, Boris Johnson und Joe Biden gehören zu den Rednern am COP26.
    • Die verschiedenen Vertreter warnen allesamt von den verheerenden Folgen des Klimawandels.
    • Es werden sofortige strikte Massnahmen gefordert, um die Katastrophe zu kontrollieren.

    Mit einem leidenschaftlichen Appell hat UN-Generalsekretär António Guterres die Staaten der Welt zu viel mehr Ehrgeiz im Kampf gegen die Erderwärmung ermahnt. Sämtliche bereits zugesagten Anstrengungen beim Klimaschutz reichten hinten und vorne nicht aus, um eine Katastrophe abzuwenden. Dies warnte er am Montag beim Auftakt der Weltklimakonferenz COP26 im schottischen Glasgow.

    «Wir schaufeln uns unser eigenes Grab.» Auch US-Präsident Joe Biden und die scheidende deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel forderten in Reden mehr Tempo beim Klimaschutz. «Wir sind nicht da, wo wir hinmüssen», sagte Merkel.

    Angela Merkel
    Bundespräsidentin Angela Merkel posiert mit dem britischen Premierminister Boris Johnson. - Keystone

    Auf Einladung der Vereinten Nationen beraten Regierungsvertreter aus rund 200 Staaten zwei Wochen lang, wie die beschleunigte Erderhitzung noch auf ein erträgliches Mass eingedämmt werden kann.

    Dämpfer von G20-Gipfel

    Ein Dämpfer war aber am Sonntag vom G20-Gipfel gekommen: Die Wirtschaftsmächte fassten nur vage Beschlüsse zum Klimaschutz. Weiter scheiterten sie aus Sicht der meisten Beobachter daran, ein starkes politisches Signal nach Glasgow zu senden.

    Guterres verlangte, alle Regierungen müssten ihre Subventionen für fossile Brennstoffe wie Öl, Gas und Kohle abschaffen, aus der Kohle aussteigen. Zudem müssten alle Nationen einen Preis für sämtliche Treibhausgas-Emissionen festlegen.

    «Es ist an der Zeit, zu sagen: Genug», sagte Guterres. «Genug brutale Angriffe auf die Artenvielfalt. Genug Selbstzerstörung durch Kohlenstoff. Genug davon, dass die Natur wie eine Toilette behandelt wird.»

    Auch Merkel warnt

    Merkel, die schon bei der allerersten UN-Klimakonferenz 1995 dabei war, warnte vor den «verheerenden Auswirkungen des Klimawandels». Beim Kampf gegen die Erderwärmung trügen besonders die Industrieländer Verantwortung. Es gehe um eine «umfassende Transformation» unseres Lebens, Arbeitens und Wirtschaftens. Dies funktioniere nur über einen Preis auf den Ausstoss von Kohlendioxid.

    Biden sagte zu den versammelten Staatschefs: «Wir stehen an einem Wendepunkt der Weltgeschichte.» Es bleibe nur noch ein kurzes Zeitfenster zum Handeln. «Glasgow muss der Startschuss für ein Jahrzehnt des Ehrgeizes und der Entschlossenheit sein», fügte er an.

    Die USA wollten mit gutem Beispiel vorangehen. «Ich weiss, dass das nicht der Fall war. Deshalb macht meine Regierung Überstunden, um zu zeigen, dass unser Engagement für den Klimaschutz aus Taten und nicht Worten besteht.» Bidens Vorgänger Donald Trump hatte daran gezweifelt, ob der Klimawandel überhaupt menschengemacht ist – solche Zweifel sind wissenschaftlich klar widerlegt.

    Boris Johnson: «Es ist eine Minute vor Weltuntergang»

    Der Gastgeber der Konferenz, der britische Premierminister Boris Johnson, schwor die Weltgemeinschaft ebenfalls auf schnelles und ehrgeiziges Handeln ein. «Es ist eine Minute vor Mitternacht auf der Uhr des Weltuntergangs», sagte er. «Wir fühlen uns vielleicht nicht wie James Bond, und sehen vielleicht auch nicht so aus.» Aber mit Blick auf den Film-Geheimagenten und die Gefahr der Erderhitzung sagte er: «Lasst uns diese Bombe entschärfen.»

    Boris Johnson
    Boris Johnson hielt am COP26 eine Rede. - Keystone

    Der britische Thronfolger Prinz Charles erinnerte an die wichtige Rolle des Privatsektors für eine klimaneutrale Zukunft. Industrie und Banken hätten Billionen, um die Transformation voranzutreiben. «Wir wissen durch die Pandemie, dass der Privatsektor Fristen drastisch verkürzen kann, wenn sich alle auf die Dringlichkeit und Richtung einer Sache einigen.»

    Die Erde hat sich im Vergleich zum vorindustriellen Niveau schon jetzt um etwa 1,1 Grad erwärmt; in Deutschland sind es bereits 1,6 Grad. In Paris hatte man sich 2015 darauf geeinigt, die Erderwärmung möglichst auf maximal zwei Grad, besser 1,5 Grad, zu begrenzen. Bislang reichen die eingereichten Pläne der Staaten dazu aber bei weitem nicht aus.

    Proteste am COP26

    Unter den rund 28'000 Menschen, die in Glasgow erwartet werden, sind auch Aktivisten, die für eine ehrgeizigere Klimapolitik protestieren wollen. Darunter ist auch die weltweit prominenteste Aktivistin, die 18-jährige Schwedin Greta Thunberg.

    Greta Thunberg
    Greta Thunberg ist das Gesicht der Klimabewegung. - Keystone

    Ein offener Brief führender Aktivistinnen an die Staatenlenker der Erde fand in kurzer Zeit mehr als eine Million Unterstützer. Bis zum Montagnachmittag hatten den zum Start der Weltklimakonferenz veröffentlichten Aufruf fast 1,1 Millionen Menschen online mit ihrer E-Mail-Adresse unterzeichnet.

    In diesem fordern Thunberg, Vanessa Nakate aus Uganda, die Polin Dominika Lasota und Mitzi Tan von den Philippinen die Staats- und Regierungschefs auf, der Klimakrise endlich entscheidend und mit sofortigen und drastischen Massnahmen zu begegnen.

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