Ein in Deutschland verurteilter Mörder ist am Dienstag in die Niederlande geflüchtet. Dort wurde er in der Nacht auf Freitag von Einsatzkräften festgenommen.
Polizei
Niederländische Polizisten. (Symbolbild) - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Ralf H. ist in der Nacht auf Freitag in den Niederlanden festgenommen worden.
  • Der 56-Jährige wurde zuvor in Deutschland wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.
  • Am Dienstag – kurz vor Haftantritt – konnte er jedoch flüchten.

Zugriff kurz nach Mitternacht: Der rechtskräftig verurteilte Mörder Ralf H. ist nach gut zwei Tagen auf der Flucht in den Niederlanden überwältigt und gefasst worden. Einsatzkräfte nahmen den 56-Jährigen in der Nacht zum Freitag in einer Wohnung in Enschede fest. Dies teilten die Polizei in Münster und die Staatsanwaltschaft Dortmund mit.

Ralf H. war im Januar rund 27 Jahre nach dem gewaltsamen Tod der damals 16-jährigen Nicole Schalla zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Kurz vor Haftantritt soll er am Dienstagabend in seinem Wohnort Münster seine gerichtlich angeordnete Fussfessel abgelegt haben und geflüchtet sein.

Mutmassliche Fluchthelferin nicht festgenommen

Bei der Festnahme sei in der Wohnung in Enschede auch die Lebensgefährtin des Mannes angetroffen worden, erklärten die Ermittler. Sie gilt als mutmassliche Fluchthelferin, sei jedoch nicht festgenommen worden.

Gegen die 54 Jahre alte Verlobte lag laut dem Dortmunder Staatsanwalt Henner Kruse kein internationaler Haftbefehl vor. «Nach ihr wurde nur national, nicht international gesucht. Sie ist zunächst in der Wohnung verblieben», sagte Kruse an Heiligabend. Am Sonntag gab es zunächst keine neuen Informationen, wo sich die Frau aufhält.

Die Ermittler hatten das Duo mithilfe von Zielfahndern des Landeskriminalamts aufgespürt. Laut Polizei lieferte die Auswertung der Standortdaten der elektronischen Fussfessel Hinweise auf den Aufenthaltsort.

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Ein Gerichtsaal. (Symbolbild) - Pixabay

Demnach soll sich Ralf H. in der Vergangenheit häufiger in der Wohnung rund 70 Kilometer entfernt von Münster aufgehalten haben. Enschede liegt nordwestlich von Münster kurz hinter der deutsch-niederländischen Grenze. In der Nähe der Wohnung wurden auch zwei auf seine Lebensgefährtin zugelassene Autos gefunden.

Im Mordfall Nicole Schalla war Ralf H. 2018 nach einer Neuauswertung von DNA-Spuren festgenommen worden, dabei ging es um eine Hautschuppe auf der Leiche. Das Landgericht Dortmund verurteilte den Deutschen zu lebenslanger Haft. Demnach hatte er die Schülerin 1993 in einem Dortmunder Vorort überfallen und erwürgt – aus sexuellen Motiven.

Weil die Justiz keine Fluchtgefahr sah und das Urteil noch nicht rechtskräftig war, blieb Ralf H. nach dem Schuldspruch frei und bekam eine Fussfessel.

Ralf H. profitierte von zeitlicher Lücke

Zum Zeitpunkt der Flucht am Dienstag lag dem 56-Jährigen die Entscheidung des Bundesgerichtshofs vor: Das Urteil des Landgerichts Dortmund ist rechtskräftig. Der Haftantrittsbescheid für seine lebenslange Haftstrafe sollte ihm aber erst noch zugestellt und dann vollstreckt werden.

Die zeitliche Lücke nutzte Ralf H., um die Fussfessel abzulegen und sich über die Grenze ins Nachbarland abzusetzen. Wann er möglicherweise nach Deutschland überstellt wird, war auch am Sonntag noch unklar.

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