Untersuchungshaft für Chef von Polens Olympischem Komitee
Der wegen Korruptionsvorwürfen festgenommene Chef von Polens Olympischem Komitee, Radoslaw Piesiewicz, kommt in Untersuchungshaft. Ein Gericht in Kattowitz (Katowice) habe einem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft für einen dreimonatigen Arrest stattgegeben, sagte eine Sprecherin der Behörde.

Der 45 Jahre alte Sportfunktionär war am Donnerstag im Zusammenhang mit Ermittlungen um die Kryptobörse Zondacrypto festgenommen worden. Das mittlerweile bankrotte Unternehmen war der Sponsor des Olympischen Komitees und finanzierte auch Aktivitäten der polnischen Rechten. Die Ermittler werfen Piesiewicz vor, vom Betreiber der Kryptobörse einen materiellen Vorteil – eine Uhr im Wert von 40.000 Euro – angenommen zu haben. Im Gegenzug soll er sich beim Vorsitzenden der Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde für den Unternehmer eingesetzt haben.
Der zweite Vorwurf betrifft die Begünstigung einer Gruppe von Gläubigern von Zondacrypto zum Nachteil anderer. Der Sportfunktionär soll dafür gesorgt haben, dass ihm seine Anlage aus der Kryptobörse ausgezahlt wurde, während andere leer ausgingen. Piesiewicz bestreitet die Vorwürfe. «Ich habe 200.000 Euro verloren, ich habe für eine Uhr bezahlt – was soll ich hier gestehen?», sagte er vor seiner Vorführung vor den Haftrichter.
Das Mitte-Links-Bündnis von Ministerpräsident Donald Tusk beschuldigt die rechtskonservative Vorgängerregierung der PiS und den ihr nahestehenden Präsidenten Karol Nawrocki, die Regulierung des Kryptowährungsmarkts bewusst blockiert zu haben – aus eigenem Interesse. Nawrocki hat bereits drei Mal Gesetzentwürfe per Veto blockiert, die Ordnung in den Markt bringen sollten.
Zondacrypto ist in Polen schon seit längerem in den Schlagzeilen. Ein polnischer Geschäftsmann hatte das Unternehmen ursprünglich gegründet, um Kleinanlegern die Möglichkeit zu bieten, in Kryptowährungen zu investieren. Doch 2022 verschwand der Mann unter dubiosen Umständen. Sein Nachfolger Przemyslaw Kral lebte zunächst in Monaco, soll sich aber nach Israel abgesetzt haben. Zuvor hatte Zondacrypto im April Liquiditätsprobleme angemeldet. Kurz darauf mehrten sich Berichte, dass Anleger Probleme mit der Auszahlung hatten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs und Geldwäsche, der Schaden wird auf mindestens 80 Millionen Euro geschätzt.
Inzwischen prüfen die Ermittler auch, ob Zondacrypto gegen das Gesetz verstiess, als es diverse Aktivitäten der polnischen Rechten finanzierte. Dabei geht es um Gelder für eine Stiftung des Ex-Justizministers Zbigniew Ziobro und um das Sponsoring für die rechtskonservative amerikanische CPAC-Konferenz in Rzeszow im polnischen Präsidentenwahlkampf.










