Ukraine Krieg: Kiew fordert Energieembargo, Kreml bündelt Kräfte

    Keystone-SDA
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    Kiew fordert einen vollständiges Energieembargo nach Kriegsverbrechen im Ukraine-Krieg. Es wird auch von Vergewaltigungen Minderjähriger berichtet.

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    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Selenskyj fordert ein Energieembargo als Antwort auf die Kriegsverbrechen.
    • Die USA erwarten, dass Russland Reservisten mobilisiert und seine Kräfte bündelt.
    • Joe Biden macht den Weg frei für höhere Zölle auf russische Waren.

    Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet nach einem Angriff auf den Bahnhof in Kramatorsk mit mehr als 50 Toten eine entschiedene Antwort der internationalen Gemeinschaft. Er forderte ein vollständiges Embargo auf russisches Öl und Erdgas. Nach Ansicht des US-Verteidigungsministeriums versuchen die russischen Streitkräfte ihre Einheiten nach Verlusten im Norden der Ukraine wieder aufzubauen. Zehntausende Reservisten könnten für den Einsatz im Osten des Landes mobilisiert werden.

    Selenskyj sagte in einer Videobotschaft am späten Freitagabend, es seien die Energieexporte, die den Löwenanteil der Profite Russlands ausmachten. Sie liessen die russische Führung glauben, dass die Welt die «Kriegsverbrechen» der russischen Armee ignorieren werde. Auch die russischen Banken müssten vollständig vom globalen Finanzsystem abgekoppelt werden.

    Ukraine Krieg
    Ukrainische Soldaten stehen in Butscha, dahinter liegt ein Mann, der um Ukraine-Krieg getötet worden war. - Keystone

    Nach Ansicht des US-Verteidigungsministeriums sind die russischen Streitkräfte für den tödlichen Raketenangriff auf den Bahnhof in Kramatorsk verantwortlich. Bei diesem kamen ukrainischen Angaben zufolge 52 Menschen ums Leben, 109 wurden verletzt. Russlands offizielle Dementis in dieser Sache seien «nicht überzeugend», sagte der Sprecher des Pentagons, John Kirby.

    Washington: Russisches Militär füllt geschwächte Einheiten wieder auf

    Die russischen Streitkräfte bemühen sich nach Ansicht des US-Verteidigungsministeriums, ihre Einheiten nach Verlusten im Norden der Ukraine mit neuem Material und Soldaten wieder aufzubauen.

    Haben Sie auch schon für die Ukraine gespendet?

    Es gebe auch Berichte, wonach die Einheiten, die nun im Osten der Ukraine eingesetzt werden sollten, durch das Mobilisieren «Zehntausender Reservisten» verstärkt werden sollten, sagte Pentagon-Sprecher Kirby. Er warnte, die Russen hätten trotz ihrer Verluste immer noch den Grossteil ihrer in der Region gebündelten Schlagkraft zur Verfügung. Zudem werde sich das russische Militär nun wohl auf den geografisch deutlich kleineren Bereich des östlichen Donbass konzentrieren.

    Washington sieht Bündelung russischer Einheiten nahe Charkiw

    Nach Angaben eines führenden Vertreters des Pentagon hat Russland bereits Tausende zusätzliche Soldaten nahe der Grenze zur ukrainischen Stadt Charkiw zusammengezogen. Die Zahl der taktischen Bataillone in der Nähe der russischen Stadt Belgorod sei von 30 auf inzwischen 40 angestiegen. Solche Bataillone bestehen typischerweise aus etwa 600 bis 1000 Soldaten.

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    Ukraine Krieg: Das Gebäude der Stadtverwaltung in Charkiw wurde zerstört. (Archivbild) - Keystone

    Der leitende Beamte des Ministeriums sagte, es gebe Hinweise, dass die Russen hofften, «mehr als 60'000 Soldaten» zu mobilisieren. Im Donbass sei mit sehr intensiven Kämpfen zu rechnen. «Das könnte sehr blutig und sehr hässlich werden», sagte er.

    Ukrainische Ombudsfrau berichtet von Vergewaltigungen Minderjähriger

    Die Menschenrechtsbeauftragte des ukrainischen Parlaments, Ljudmyla Denissowa, hat russischen Soldaten Vergewaltigungen Minderjähriger vorgeworfen. Ein 14 Jahre altes Mädchen aus dem Kiewer Vorort Butscha sei von fünf verschiedenen Männern missbraucht worden und jetzt schwanger, schrieb Denissowa auf Facebook.

    Auch ein ebenfalls aus Butscha stammender elfjähriger Junge sei vergewaltigt worden. Die Angaben konnten zunächst nicht überprüft werden. Denissowa appellierte an die Vereinten Nationen, diese und andere Kriegsverbrechen zu untersuchen.

    Selenskyj will rasch Fragebogen zu EU-Beitritt beantworten

    Die Ukraine will binnen einer Woche einen Fragebogen der Europäischen Union beantworten, der als Grundlage für Beitrittsgespräche dient.

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    Wolodymyr Selenskyj erhält von Ursula von der Leyen den Fragebogen für den EU-Beitritt. (Archivbild) - Keystone

    Diesen hatte EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen am Freitag bei ihrem Besuch in Kiew Selenskyj überreicht. «Unsere Regierung wird die Antworten qualitativ und sehr schnell vorbereiten. Ich denke, binnen einer Woche», sagte Selenskyj in seiner täglichen Videoansprache.

    USA machen Weg frei für höhere Zölle auf russische Waren

    Die US-Regierung kann künftig höhere Zölle auf importierte Waren aus Russland und Belarus erheben. US-Präsident Joe Biden setzte mit seiner Unterschrift ein vom Kongress beschlossenes Gesetz in Kraft, mit dem die normalen Handelsbeziehungen zu den beiden Ländern ausgesetzt werden. Zudem unterzeichnete Biden auch ein Gesetz, das den Import von russischem Öl verbietet.

    Russland verbietet Arbeit parteinaher deutscher Stiftungen

    Russland hat die Arbeit mehrerer parteinaher deutscher Stiftungen und internationaler Menschenrechtsorganisationen verboten. Die Registrierung entzogen worden sei etwa der Heinrich-Böll-Stiftung, der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Friedrich-Naumann-Stiftung, teilte das Justizministerium in Moskau mit.

    Auch die Menschenrechtsorganisationen Amnesty International und Human Rights Watch sowie neun weitere Nichtregierungsorganisationen sind wegen angeblicher «Verstösse gegen die geltende Gesetzgebung der Russischen Föderation» betroffen.

    UN-Organisationen fordern Hilfe für in Ukraine gestrandete Seeleute

    Zwei Organisationen der Vereinten Nationen haben Hilfe für rund 1000 in ukrainischen Gewässern auf Handelsschiffen festsitzende Seeleute gefordert. Die Weltschifffahrtsorganisation IMO und die UN-Arbeitsorganisation ILO baten das Internationale Komitee des Roten Kreuzes, Ärzte ohne Grenzen und das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, die 86 dort gemeldeten Schiffe mit lebensnotwendigen Gütern für ihre Seeleute zu versorgen, wie es in einer gemeinsamen Mitteilung hiess.

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    Ein ukrainischer Soldat steht am Strand von Odessa. Für viele Kinder ist der Krieg in der Ukraine längst Alltag – auch in den Sommerferien am Schwarzen Meer. (Archivbild) - keystone

    Das wird am Samstag wichtig

    In Polen findet am Samstag eine internationale Geberkonferenz statt, um Geld für Flüchtlinge aus der Ukraine und Vertriebene innerhalb des Landes zu sammeln. Einberufen wurde die Veranstaltung von der Nichtregierungsorganisation Global Citizen, der EU-Kommission und der kanadischen Regierung. Die Gelder sollen unter anderem an Programme der Vereinten Nationen und örtliche Hilfsinitiativen gehen.

    Der österreichische Bundeskanzler Karl Nehammer wird in Kiew zu einem Solidaritätsbesuch erwartet. Er soll Präsident Selenskyj, Premierminister Denys Schmyhal und Bürgermeister Vitali Klitschko treffen.

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