Ukraine Krieg: Asow-Kämpfern drohen in Russland nun Folter und Tod

    Etienne Sticher
    Etienne Sticher

    Ukraine,

    Kiew will nach der Evakuierung der Asow-Kämpfer einen Gefangenenaustausch. Russland hingegen spricht im Ukraine-Krieg wieder von der Todesstrafe.

    asowstal
    Ukrainische Soldaten werden nach dem Verlassen des Stahlwerks Asowstal durchsucht und dann in einer Buskolonne weggebracht. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • 264 Kämpfer wurde aus dem Stahlwerk Azovstal in russisch kontrolliertes Gebiet gebracht.
    • Der russische Parlamentssprecher will die «Nazi-Verbrecher» vor Gericht stellen.
    • Ein Unterhändler plädiert gar für die Wiedereinführung der Todesstrafe.

    Laut eigener Aussage führt Russland in der Ukraine Krieg, um das Nachbarsland zu «entnazifizieren». Wichtiges Element dieser Begründung: das Asow-Regiment, das 2014 gegründet und gegen russische Besatzer und prorussische Separatisten kämpfte. Damals bestand es zum Hauptteil aus Rechtsextremen und Neonazis.

    Auch heute noch dürften viele Asow-Kämpfer eine stark rechte Gesinnung haben, es werden weiterhin Nazi-Symbole verwendet. Aber auch Juden dürfen mitkämpfen, ein reicher Jude war lange ein wichtiger Geldgeber. Dank des grossen Einsatzes 2014 wurde das umstrittene Regiment dem Innenministerium unterstellt und leistete seit dem 24. Februar 2022 grosse Dienste in Mariupol.

    Ukraine Krieg
    Ein verletzter Kämpfer wird während des Ukraine-Kriegs aus dem Stahlwerk Azovstal getragen. - Keystone

    Es verteidigte die Stadt lange und verschanzte sich dann in einer aussichtslosen Lage im Stahlwerk Azovstal. Am Montag durften dann 264 Kämpfer das Stahlwerk verlassen. 53 Schwerverletzte wurden nach Nowoasowsk gebracht, die anderen nach Oleniwka, zwei von Russen kontrollierte Städte. Dort warten sie nun auf den Gefangenenaustausch, den die Ukraine angekündigt hat.

    Doch Russland hat andere Pläne mit den «letzten Verteidigern Mariupols» im Ukraine-Krieg, wie Kiew die Kämpfer nennt. Der Sprecher des russischen Parlaments, Wjatscheslaw Wolodin, spricht laut der «Bild» von «Nazi-Verbrechern» und «Kriegsverbrechern». Es müsse alles getan werden, um sie vor Gericht zu stellen, fordert er.

    Ukraine-Krieg: Führt Russland die Todesstrafe wieder ein?

    Leonid Slutski, russischer Unterhändler bei den Gesprächen mit der Ukraine, geht noch weiter: «Angesichts der monströsen Menschenrechtsverbrechen, die sie begangen haben und an unserer Gefangenen weiterhin begehen, verdienen sie es nicht, zu leben.» Er fordert deshalb, die Todesstrafe für die Kämpfer des Asow-Regiments in Betracht zu ziehen.

    Ukraine Krieg
    Das Stahlwerk Azovstal und grosse Teile von Mariupol wurden im Ukraine-Krieg stark beschädigt. - Keystone

    Er ist nicht der erste Russe, der im Ukraine-Krieg öffentlich mit der Idee der Todesstrafe spielt. Auch der Putin-Vertraute und Ex-Präsident Dmitri Medwedew hat eine Rückkehr dazu als möglich bezeichnet.

    Während die 264 Kämpfer in russisch kontrolliertem Gebiet warten, sorgen sich Beobachter, dass sie gefoltert oder misshandelt werden könnten. Zudem ist unklar, ob und wie viele Soldaten noch im Stahlwerk in Mariupol sind. Laut früheren Angaben müssten weiterhin über 300 Kämpfer dort sein. Auch ihr Schicksal ist ungewiss.

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