Touris sollen in Berlin bald Abfall aus dem Fluss fischen
In Berlin türmt sich der Abfall an zahlreichen Ecken der Stadt. Nun sollen ausgerechnet Touristen beim Aufräumen helfen – und dafür sogar bezahlt werden.

Das Wichtigste in Kürze
- Die deutsche Hauptstadt Berlin hat ein Abfallproblem.
- Mit einem neuen Konzept will sie nun Putz-Touristen in die Stadt locken.
- Diese sollen die Berliner Gewässer gegen Bezahlung von illegal entsorgtem Abfall befreien.
Dass die deutsche Hauptstadt Berlin den Ruf einer «Abfallhauptstadt» hat, kommt nicht von ungefähr. Ausrangierte Küchengeräte, Matratzen oder Bauabfälle: In der Millionen-Metropole findet sich an jeder Hausecke zurückgelassenes.
Umgerechnet 12 Millionen Franken musste die Stadtreinigung 2025 für illegal abgelagerte Abfälle hinblättern. Nun zieht die Stadt die Reissleine, wie sie verkündet.
Ab kommendem Sommer sollen Touristen den Abfall sogar selbst aus der Spree fischen – und dafür bezahlt werden. Mit dem Konzept «BerlinPay» will man sich am dänischen Vorbild «CopenPay» orientieren.
Konzept ist in Dänemark deutlich attraktiver
Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) sagt gegenüber «Bild»: «Wir wollen uns ein Beispiel am sehr sauberen Kopenhagen nehmen.»
Und weiter: «Wer seinen Abfall einfach auf die Strasse wirft, wirft auch ein Stück Respekt vor unserer Stadt weg. Und das geht nicht.»
Die Stadt setzt nun also auf Touristen, die ihren Aufenthalt mit einer Aufräumaktion auf und entlang der Berliner Gewässer verbinden.
Ganz so attraktiv wie in Dänemark ist das Konzept allerdings nicht. Dort werden freiwillige Abfallsammler mit Gratis-Eintritten, Boot-Trips oder kleinen Belohnungen wie Kaffee oder Cocktails gelockt.
In Berlin patrouillieren die «Abfall-Sheriffs»
«BerlinPay» ist dabei nur eine von vielen Massnahmen im Kampf gegen das Abfallproblem.
So plant die Stadt unter anderem einen «Einstellungs-Turbo» für sogenannte «Abfall-Sheriffs». Diese kontrollieren bekannte Problemzonen und durchsuchen zurückgelassenen Abfall nach Hinweisen auf den Übeltäter.
Nachts legen sie sich gar mit Nachtsichtgeräten auf die Lauer. Gleichzeitig wurden die Bussgelder für Abfallsünder bereits erhöht.
Wer etwa einen Einwegbecher wegwirft, muss mit umgerechnet rund 230 Franken Busse rechnen. Für nicht entsorgten Hundekot werden rund 70 Franken fällig.
Diskutiert wird auch eine Verpackungssteuer, wie es andere Städte bereits eingeführt haben. Sie könnte zusätzliche Einnahmen in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe bringen, ist politisch jedoch noch umstritten.

















