Timmy hat sich laut Umweltminister in die richtige Richtung gedreht
Der Plan für den Transport des Wals «Timmy» erhält grünes Licht. Dieser soll am Dienstag oder Mittwoch stattfinden. Alle Entwicklungen im Nau.ch-Ticker.

Das Wichtigste in Kürze
- Buckelwal «Timmy» soll in einem Transportkahn zur Nordsee gebracht werden.
- Die Privatinitiative erhält grünes Licht für das Transportkonzept.
- Der Wal soll am Dienstag oder Mittwoch mit einem Lastkahn starten.
Der vor der Ostsee-Insel Poel gestrandete Buckelwal «Timmy» soll in einem Transportkahn tagelang bis in die Nordsee geschleppt werden. Das sagte der technische Leiter der privaten Initiative für einen Transport des Tiers, Felix Bohnsack.
Demnach soll der Buckelwal an Fehmarn vorbei bis zur mehr als 400 Kilometer entfernten Nordsee bei Skagen gebracht werden. Dort werde man den Zustand des Tiers bewerten und «schauen, wie die Reise überstanden wurde», so Bohnsack.
Das Konzept der privaten Initiative hat inzwischen auch grünes Licht aus Mecklenburg-Vorpommerns Umweltministerium bekommen. Das sagte Till Backhaus (SPD) am Samstag im Hafen von Kirchdorf.
Das Konzept werde geduldet – die Verantwortung liege weiterhin bei der Initiative. Nach Eindruck der beteiligten Tierärztinnen sei das Tier transportfähig.
Alle Entwicklungen im Nau.ch-Ticker:
Tierschutzorganisation: Für Wildtiere bedeut Kontakt zu Menschen immer Stress
16.26: Seit Tagen sind sehr häufig Menschen in unmittelbarer Nähe des Buckelwals, zudem lärmen Boote und technisches Gerät. Der Wal scheint das gelassen und ruhig hinzunehmen – Experten zufolge kann dieser Eindruck aber schwer täuschen.
Die Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) betonte, dass Kontakt zu Menschen für Wildtiere immer Stress bedeute. Das sei auch bei Meeressäugern wie Robben und Walen so. Ein physisches Eingreifen direkt am Wal solle nur in Ausnahmesituationen, mit möglichst wenig Einsatzkräften und für kurze, gezielte Massnahmen erfolgen.

«Wildtiere sind grundsätzlich nicht an Menschen gewöhnt, das heisst, jede Annäherung und insbesondere Lärm bedeuten enormen Stress und lösen meistens Fluchtverhalten aus», hiess es auch vom Deutschen Meeresmuseum. «Die Möglichkeit der Flucht hat der Buckelwal in seiner jetzigen Lage nicht, was die Situation für ihn noch dramatischer macht.»
Gut wäre ein kompetentes und erfahrenes Team vor Ort mit Tierarzt, Biologen, Bootsführer, dem die Verantwortung übertragen werde, sagte der Meeresbiologe Boris Culik, früher beim Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. «Aktuell haben wir eine Kakophonie aus wechselnden vermeintlichen Experten, deren Befähigung und Erfahrungen niemand hinterfragt.»
Timmy hat sich laut Umweltminister in die richtige Richtung gedreht
15.38: «Wir sind froh, dass der Wal in der Mulde liegen geblieben ist. Und das ist interessant: Er hat sich 90 Grad gedreht – und zwar in die richtige Richtung. Er bereitet sich scheinbar seelisch und moralisch auf die Abfahrt vor», sagt Umweltminister Backhaus gegenüber der «Bild»-Zeitung.

Auch sind zurzeit mehrere Helfer beim Buckelwal. Sie spritzen Wasser auf den gestrandeten Buckelwal und wollen damit, sowie feuchten Laken, die Haut des Tieres schützen.
Neuer Trubel für den Wal: Transport im Stahlbecken steht an
15.12: Sein Transport Richtung Nordsee soll frühestens Dienstag anstehen – Ruhe für den vor der Ostsee-Insel Poel im Flachwasser liegenden Walbullen bedeutete das am Wochenende aber nicht. Immer wieder waren tagsüber Leute direkt am geschwächten Tier, darunter Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD). Am Sonntag fuhr er morgens per Boot zum Wal und fasste ihn an.
«Wir haben uns entschieden, doch noch mal rauszufahren zu ihm», sagte er anschliessend. Backhaus fand es nach eigener Aussage «hochinteressant». Schon am Freitag hatte er gesagt, er sei direkt an ihm – dem Wal – dran gewesen.

Man wolle Blut abnehmen, Wasser verabreichen, womöglich auch Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine, sagte die an der Privatinitiative zum Transport des Wals beteiligte Kleintierärztin Kirsten Tönnies. Das nach anfänglichen Schätzungen zwölf Tonnen schwere Tier habe deutlich abgenommen, werde von der Initiative aber weiter als transportfähig eingestuft, sagte Backhaus. «Er wird von heute auf morgen jedenfalls nicht sterben.»
Timmy soll durch Rinne auf Kahn schwimmen
15.05: Der für den Transport des rund zwölf Meter langen Buckelwals vorgesehene Lastkahn sollte nach Angaben aus dem Team der Initiative Sonntagnacht oder Montagfrüh ankommen. Der eigentliche Transport mit der sogenannten Barge sei für Dienstag geplant, sagte der an dem privaten Versuch beteiligte Tauchunternehmer Fred Babbel.
Der Walbulle soll in eine Art stählernes Aquarium gesperrt tagelang bis in die mehr als 400 Kilometer entfernte Nordsee oder sogar in den Atlantik transportiert werden. Vor Poel werde noch die Zufahrt vom Wal bis in die tiefere Fahrrinne verbreitert, sagte Babbel am Sonntagvormittag. «Wir sind da noch beim Arbeiten, beim Spülen, Saugen.»

Der Wal soll durch eine mehr als hundert Meter weit gebaggerte Rinne auf den Kahn schwimmen. «Für ein Wildtier ist das schon ziemlich komfortabel im Rahmen unserer Möglichkeiten», meinte Tönnies zu dem Becken.
Start des Transports Dienstag oder Mittwoch
14.57: Der Plan sieht vor, den zwölf Tonnen schweren Walbullen mit einer Art Lastkahn, einer sogenannten Barge, zu transportieren.
Die an der Aktion beteiligte Kleintierärztin Kirsten Tönnies erklärte, mit dem Transport des Wals bald zu beginnen. Dieser könnte voraussichtlich zwischen Dienstag und Mittwoch mit einem Lastkahn starten.
Derzeit befindet sich die Barge noch nicht vor Poel. Nach Angaben von Bohnsack befand sie sich am Samstagabend bei Hamburg. Sie solle demnach am Sonntag in Poel ankommen und dort für den Transport umgebaut werden.

An der benötigten mehr als 100 Meter langen Rinne war bereits gebaggert worden. Sie soll weitgehend fertig sein, hiess es schon am Samstagmorgen aus dem Team. Der vier bis sechs Jahre alte Wal soll durch die Rinne auf den absenkbaren Kahn gelotst werden.
Timmy soll mit Tracker überwacht werden
14.39: Sollte der Wal wieder allein losschwimmen, wird ein bereits befestigter Tracker seine Position übermitteln. Falls er kommende Woche nicht auf den Kahn möchte, kann seine weitere Bewegung dennoch verfolgt werden.
Allerdings gibt es dabei ein gravierendes Problem: Der Tracker funktioniere nicht unter Wasser, sagte Backhaus. Sollte der Wal also abtauchen oder ertrinkend auf den Grund sinken, wäre er wohl nicht mehr zu erfassen. An einer neuen Lösung werde gearbeitet, so der Minister.

Am Vormittag waren rund 40 mit Sand gefüllte sogenannte Big Bags verladen worden. Sie wurden mit einem Schwimmponton in die Kirchsee-Bucht bugsiert.
Dann wurde begonnen, sie am Wal zu platzieren. Als Barriere sollen sie verhindern, dass er sich bei steigenden Wasserständen noch weiter in die Flachwasserzone hineinbewegt.
Kann Timmy bei steigendem Wasserpegel selber losschwimmen?
14.07: Heute Sonntag sollte es höhere Wasserstände geben als in den Tagen zuvor. Schon einmal – am Montag – war das Tier bei steigendem Wasserstand plötzlich losgeschwommen.

Der Buckelwal war Anfang März erstmals in der Ostsee gesehen worden: Am 3. März tauchte er im Hafen von Wismar auf.
In den mehr als 50 Tagen seither lag er zu deutlich mehr als der Hälfte der Zeit in Flachwasserzonen. Experten vermuten, dass er sie gezielt immer wieder aufgesucht haben könnte, weil er schwer erkrankt Ruhe suchte.












