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Sylt fürchtet sich vor Ansturm wegen 9-Euro-Ticket

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Deutschland,

In Deutschland kommt das 9-Euro-Ticket für den Zug. Die Nordsee-Insel Sylt fürchtet sich vor einem Ansturm und appelliert, auf Randzeiten auszuweichen.

Von Juni bis Ende August sollen Fahrgäste im Nah- und Regionalverkehr deutschlandweit für 9 Euro pro Monat fahren können.
Von Juni bis Ende August sollen Fahrgäste im Nah- und Regionalverkehr deutschlandweit für 9 Euro pro Monat fahren können. - Martin Schutt/dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Zur Ferienzeit kann in Deutschland für neun Euro mit dem Zug gefahren werden.
  • Nun befürchten Bahn-Mitarbeiter überlastete Bahnhöfe.
  • Auch Regionen appellieren an Reisende, auf Randzeiten auszuweichen.

Das 9-Euro-Ticket für die Bahn kommt ausgerechnet zur Ferienzeit. Urlaubsregionen und Ausflugsgebiete bereiten sich auf einen Ansturm vor. In der Bahn-Belegschaft weckt das ungute Erinnerungen.

1995 war das, als das Wochenendticket kam: für 15 D-Mark mit bis zu fünf Leuten deutschlandweit fahren im Regio. Jens Schwarz hat den Ansturm erlebt. Aus Sicht des obersten Bahn-Betriebsrats könnte das geplante 9-Euro-Ticket bald ähnliche Probleme bringen.

Ein Sitzplatz auf dem Fussboden im Gang war schon ein Glücksfall. Andere schafften es erst gar nicht in die überfüllten Züge. Hunderte musste die Bahn manchmal auf den Bahnsteigen zurücklassen.

Arbeitnehmervertreter erwartet überlastete Bahnhöfe

«Wir befürchten überlastete Bahnhöfe, insbesondere an kleinen Bahnhöfen», warnte Schwarz. Menschen, die sich auf Bahnsteigen drängen – mit solchen Bildern würde der Schuss nach hinten los gehen. Dies fürchten Arbeitnehmervertreter der Bahn. Der grosse Feldversuch für mehr Zug- statt Autofahrten wäre womöglich gescheitert.

«Wir sehen das 9-Euro-Ticket als eine Riesenchance, dass wir den umweltfreundlichen ÖPNV nach vorne bringen», beteuert Schwarz für die Mitarbeiter. «Wir werden alles dafür tun, dass es ein Erfolg wird.»

Doch Züge, Gleise, Personal - alles sei knapp. Und es sind nur vier Wochen bis zum Start. Pfingsten gilt als Generalprobe.

Für 9 Euro je Monat kann man im Juni, Juli und August unbegrenzt Bahnfahren im Nah- und Regionalverkehr. Dies, sofern die politischen Beschlüsse rechtzeitig fallen. Mit dem Projekt will die Koalition Pendler von den hohen Spritkosten entlasten.

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Ein Zug in Deutschland. - keystone

Gleichzeitig soll das Schnupperangebot sie auf den Geschmack bringen, das Auto dauerhaft stehen zu lassen. Selbst der ADAC spricht in den Zeitungen der Funke Mediengruppe von einer «super Sache».

Das 9-Euro-Ticket sorgt auch in deutschen Urlaubs- und Ausflugsregionen für gute Laune: «Das Angebot ist besonders attraktiv für Tagestouristen. Zudem sei dies eine gute Möglichkeit, die eigene Umgebung umweltfreundlich mit Bus und Regionalbahn zu erkunden». Dies teilte Norbert Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbands, am Dienstag mit. «Wir gehen davon aus, dass vor allem zahlreiche Tagesreisende ihr Auto stehenlassen und umsteigen.»

Mehr Sicherheitspersonal benötigt

Und die Konflikte: «Es könnte ein erhöhtes Sicherheitsrisiko werden, wenn erhöhtes Reisendenaufkommen auf Probleme bei Ressourcen trifft». Dies erklärte Gerd Galdirs, Betriebsratschef bei der DB Sicherheit. Kürzere Züge, Ausfälle, fehlende Toiletten, Hitze, Gewitter und «Menschen mit einer sehr kurzen Zündschnur». Für diese Gemengelage brauche es mehr professionelles Sicherheitspersonal.

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Ein doppelstöckiger Regionalzug der Deutschen Bahn (DB) fährt durch einen Bahnhof. - dpa-infocom GmbH

Die Verkehrsverbünde, die für Länder und Kommunen Regionalzugfahrten bei der DB und anderen bestellen, sehen die Herausforderung. «Die Aufgabenträger bereiten derzeit gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen Aktionspläne vor. Dies, um personelle Verstärkungen und zusätzliche Fahrzeugkapazitäten im Aktionszeitraum zu ermöglichen. Dies mit besonderem Fokus auf Wochenenden und touristische Regionen», heisst es beim Bundesverband Schienennahverkehr.

Sylt appelliert, auf Randzeiten auszuweichen

Mit dem Feldversuch ist es aus Sicht von Umweltverbänden nicht getan, wie sie mitteilten. Schon heute gerate der ÖPNV im Berufsverkehr der Grossstädte ebenso wie im Ausflugsverkehr am Wochenende an seine Kapazitätsgrenzen. Für eine Verdopplung des ÖPNV-Angebots bis 2030 seien jährlich zehn bis zwölf Milliarden Euro notwendig, insgesamt 100 Milliarden Euro. «Das 9-Euro-Ticket ist ein erster Schritt in diese Richtung.»

Die Nordsee-Insel Sylt sieht den erwarteten Ansturm auf die ausgelastete Bahnstrecke mit einiger Sorge. Die Verantwortlichen appellieren an Reisende, möglichst auf Randzeiten auszuweichen. Hätte man nicht besser auf die Zeit nach den Sommerferien gewartet?

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Die günstigen Zugtickets könnten zu überfüllten Bahnhöfen führen. Sylt fürchtet sich vor einem Ansturm. - dpa/dpa/picture-alliance/Archiv

«Nein. Wir wollen die Bürgerinnen und Bürger schnell entlasten», heisst es in einer Handreichung des Bundesverkehrsministeriums.

Bei der Frage nach einer Überlasung verweist es auf die Länder. Sie hätten gefordert, dass das Ticket bundesweit gelte. «Der Bund geht davon aus, dass die Verkehre entsprechend organisiert werden.»

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