Die Ampel-Regierung will im Jahr 400'000 Wohnungen bauen. Eine Studie zeigt jetzt: Die Flächen dafür sind da. Doch sind sie auch dort, wo sie gebraucht werden?
Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) erwägt, Büroflächen zu Wohnungen umzubauen.
Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) erwägt, Büroflächen zu Wohnungen umzubauen. - Paul Zinken/dpa

In Deutschland gibt es einer Studie zufolge kurzfristig nutzbares Bauland für rund zwei Millionen Wohnungen. Rund 53'000 Hektar Fläche sind ohne grösseren Aufwand baureif, wie das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung und das Institut der deutschen Wirtschaft für das Bauministerium errechneten.

«Es gibt ausreichend Bauland in Deutschland», sagte Bauministerin Klara Geywitz (SPD) am Dienstag in Berlin. Sie halte es für realistisch, auf der Fläche rund zwei Millionen Wohnungen zu bauen. Selbst bei konservativer Rechnung sei Platz für 900'000 Wohnungen.

Die Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und FDP hat sich vorgenommen, jedes Jahr 400'000 neue Wohnungen zu bauen, davon 100'000 öffentlich geförderte Sozialwohnungen. Dieses Ziel lasse sich erreichen, ohne dabei zu viel zusätzliche Fläche zu verbrauchen, sagte Geywitz. «Wir können es uns ökonomisch und ökologisch nicht leisten, Flächen zu verschwenden», betonte die Ministerin. Sie warb für eine kluge Nutzung von Brachflächen und Baulücken. Bauen in Stadt und Land

Laut Geywitz liegt das verfügbare Bauland sowohl in ländlichen Gegenden als auch in den Ballungsräumen. «Wir haben Potenzial, vom Norden bis in den Süden, vom Osten aber auch bis in den Westen», sagte sie. Der Studie zufolge gibt es in Landkreisen mit höherem Bedarf tendenziell zwar weniger Städte und Gemeinden mit viel freien Flächen. Generell lasse sich aber sagen: «Das vorhandene Potenzial ist auch da, wo es gebraucht wird», betonte Markus Eltges, der Leiter des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Allein in den kreisfreien Grossstädten könnten abhängig von der Bebauungsdichte zwischen 370.000 und 740'000 Wohnungen entstehen.

«Umfangreich neue Flächen zu beanspruchen ist daher aus Sicht der Studie nicht notwendig», sagte Eltges. Auch der Heidelberger Oberbürgermeister und Vizepräsident des Deutschen Städtetags, Eckart Würzner, betonte, Bauen auf der grünen Wiese ausserhalb der Städte sei zunächst nicht nötig. Baurecht «entrümpeln»

In Grossstädten mit besonders viel Nachfrage müsse man aber auch auf bereits genutzten Flächen bauen, sagte Eltges. Das bedeute Gebäude aufstocken, Dachgeschosse und Keller ausbauen, Discounter über- und Innenhöfe bebauen. So liessen sich noch einmal mehrere Hunderttausend Wohnungen realisieren. Geywitz wies darauf hin, dass durch die vermehrte Umstellung auf Homeoffice auch Büroflächen in Wohnraum umgewandelt werden könnten.

«Land zum Bauen ist da. Jetzt kommt es auf den gemeinsamen Willen an, so viel bezahlbares Wohnen wie möglich zügig auf den Wohnungsmarkt zu bringen», betonte Geywitz. Würzner forderte eine konsequente dauerhafte Förderung durch Bund und Länder für den sozialen Wohnungsbau. Ausserdem müsse das Baurecht «entrümpelt» werden. «Sofort nutzbare Bauflächen dürfen nicht aus Spekulationszwecken liegengelassen werden», betonte er.

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