Spahn: Bürger können Impfstoff nicht auswählen

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    Deutschland,

    Pfleger, die skeptisch sind. 60-Jährige, die jetzt schon den Ärmel hochkrempeln wollen für die Covid-19-Impfung. Wer wann geimpft wird und welches Vakzin wohl am besten ist, wird heiss diskutiert. Zwei Stunden lang haben Spahn, Wieler und Co. Fragen beantwortet.

    Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gibt eine Pressekonferenz im Ministerium zum Zwischenstand der Impfungen gegen das Coronavirus. Foto: Kay Nietfeld/dpa
    Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gibt eine Pressekonferenz im Ministerium zum Zwischenstand der Impfungen gegen das Coronavirus. Foto: Kay Nietfeld/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Wer vom Staat eine Impfung gegen Covid-19 angeboten bekommt, wird sich den verabreichten Impfstoff vorerst nicht aussuchen können.

    Eine solche Auswahl zu treffen, sei aufgrund der derzeit noch herrschenden Knappheit «im Moment und auch absehbar» nicht möglich, betonte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Samstag in einer Online-Diskussionsrunde.

    Zu Berichten über überschüssigen, bereits aus der Kühlung genommenen Impfstoff an einzelnen Standorten sagte der Minister, an der festgelegten Priorisierung bestimmter Gruppen müsse unbedingt festgehalten werden. Dennoch müsse im konkreten Fall auch pragmatisch entschieden werden - beispielsweise könnten dann Mitglieder des Impfteams das Vakzin erhalten. «Im Zweifel ist alles besser als etwas wegwerfen», sagte Spahn.

    Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, sagte, die beiden bislang in Europa zugelassenen Impfstoffe der Firmen Biontech und Moderna seien «äquivalent in Wirksamkeit und Sicherheit». Es sei jetzt noch zu früh, um entsprechende Aussagen für weitere Impfstoffe zu treffen, bei denen das Zulassungsverfahren noch nicht abgeschlossen sei.

    Um einen ausreichenden Schutz vor Covid-19 zu gewährleisten, muss der Impfstoff nach Angaben der Experten zweimal verabreicht werden - mit einem Abstand von mindestens drei (bei Biontech) bis vier (Moderna) Wochen. Andernfalls droht laut Mertens nicht nur ein zu schwacher Schutz für den Betroffenen. Es bestehe auch die Sorge, dass dadurch die Entstehung von Mutationen des Virus, die gegen den Impfstoff immun seien, begünstigt werden könnten.

    Auf die Frage, ob es möglich wäre, einer Person Impfstoffe verschiedener Hersteller zu verabreichen, sagte Mertens, dies sei auch bei Impfstoffen, die auf einem gleichen Wirkprinzip basierten, «auf keinen Fall» möglich. Denn dazu gebe es bislang «Null Daten».

    Laut Spahn wurden seit dem Impfstart in Deutschland Ende Dezember über eine halbe Million Menschen ein erstes Mal gegen Covid-19 geimpft. Kritikern, die über den schleppenden Start der Impfkampagne klagen und dies mit den aktuell geltenden Kontaktbeschränkungen verknüpfen, hielt er entgegen: «Das Impfen jetzt würde nicht den Lockdown jetzt unnötig gemacht haben.» Das zeige die Lage in Israel und Grossbritannien, wo jeweils bereits ein grösserer Anteil der Bevölkerung geimpft wurde.

    Masken, Abstand und andere Schutzmassnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus müssen nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) trotz des Impfstarts unbedingt weiter beachtet werden. Das zeige ein Blick auf die Zahl der mit dem Virus infizierten Menschen, die täglich sterben, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler. Deutschland sei immer noch in einer «schwierigen Situation».

    Angesichts der bislang eher niedrigen Bereitschaft des medizinischen Personals, sich impfen zu lassen, rief Wieler dringend dazu auf, alle Informationsangebote der staatlichen Gesundheitsbehörden zu nutzen und im Zweifel dort auch nachzufragen. «Ich höre immer wieder, dass manche Pflegekräfte befürchten, dass sie unfruchtbar werden von Impfungen. Das ist einfach eine Falschmeldung.»

    Aktuell werden vor allem Hochbetagte sowie Bewohner und Mitarbeiter von Alten- und Pflegeheimen sowie medizinisches Personal mit besonders hohem Risiko geimpft. In der zweiten Gruppe kommen unter anderem Menschen im Alter zwischen 75 und 79 Jahren an die Reihe. Wer etwa in einer Gemeinschaftsunterkunft wohnt oder engen Kontakt mit einer Schwangeren hat, zählt zu Gruppe Drei. Laut der am Freitag aktualisierten Empfehlung der Impfkommission gehören Lehrkräfte und Erzieherinnen zur Gruppe mit Priorität Vier, Beschäftigte im Einzelhandel und Menschen im Alter zwischen 60 und 64 Jahren zählen zu Gruppe Fünf.

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