«Schwulen-Propaganda»: Russen-Sender wird wegen Musikvideo gebüsst

    Etienne Sticher
    Etienne Sticher

    Russland,

    Wegen eines Musikvideos wird einem Musiksender in Russland die Verbreitung von «LGBT-Propaganda» vorgeworfen. Deswegen muss er eine Busse bezahlen.

    Baskow
    Sänger Baskow vermittelt in einem seiner älteren Musikvideos laut einem Gericht in Russland «LGBT-Propaganda». - Screenshot Youtube

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ein russischer Sender wird wegen eines Musikvideos gebüsst.
    • Darin gebe es Anzeichen einer romantischen Beziehung zwischen zwei Männern.
    • Aus russischer Sicht ist dies «LGBT-Propaganda» und deshalb strafbar.

    Homosexualität an sich ist in Russland zwar nicht verboten, aber gesellschaftlich stark tabuisiert. Positive Äusserungen über gleichgeschlechtliche Liebe sind in Anwesenheit Minderjähriger oder im Internet hingegen verboten. Wie streng dieses Gesetz ausgelegt wird, musste nun ein russischer Musik-TV-Sender erfahren.

    Russland
    Homosexualität ist in Russland stark tabuisiert. Vor neun Jahren kämpften Vertreter der LGBTQ-Community für mehr Rechte. - keystone

    Wie das unabhängige Portal «Vyorstka» berichtet, wurde der Sender «Tochka TV» zu einer Busse verurteilt. Er muss eine Million Rubel (rund 9500 Franken) bezahlen. Grund dafür ist, dass er ein altes Musikvideo eines Pro-Krieg-Musikers gezeigt hatte.

    Im Song «Strannik» spielt der Sänger Nikolai Baskow einen römischen Feldherren. Es werden Bilder einer Orgie gezeigt. Am Ende kommt es zu einer Eifersuchtsszene zwischen Baskow und einem Mann, der eine Frau küsst.

    Baskow
    Im Musikvideo wird eine romantische Beziehung zwischen Sänger Baskow (r) und einem Mann angedeutet. - Screenshot Youtube

    Die Eifersucht des Sängers sei nicht gegen den Mann, sondern gegen die Frau gerichtet. Denn der Mann habe den Protagonisten mit der Frau betrogen, begründet der Richter sein Urteil. Das Video enthalte «Anzeichen einer romantischen Beziehung zwischen den beiden Männern». Deswegen wurde der Sender der Verbreitung von «LGBT-Propaganda» schuldig gesprochen.

    Sänger Baskow kürzlich von Putin ausgezeichnet

    Zudem finde das Video vor dem Hintergrund «einer Atmosphäre des Hedonismus und der Ausschweifung statt». Es komme wiederholt zu Szenen von Interaktionen zwischen Frauen in einem sexuellen Kontext.

    Sänger Nikolai Baskow gilt als regimetreu, den Ukraine-Krieg befürwortet er lautstark. So hat er zusammen mit anderen Musikern eine Belohnung von einer Million Rubel an Soldaten versprochen, die westliche Panzer zerstören. Von Wladimir Putin wurde er kürzlich mit einem Ehren-Orden ausgezeichnet. Als Grund wurden seine «Verdienste um die Förderung der nationalen Kultur und Kunst» angegeben.

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