Es sind zwei Nato-Partner, die einfach nicht miteinander können: Gerade deshalb verknüpft die Aussenministerin ihre Antrittsbesuche in Griechenland und der Türkei miteinander.
Aussenministerin Annalena Baerbock ist zu Besuch in Athen.
Aussenministerin Annalena Baerbock ist zu Besuch in Athen. - Annette Riedl/dpa
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Das Wichtigste in Kürze

  • Erst Athen, dann Istanbul: Aussenministerin Annalena Baerbock besucht am Freitag zwei Nato-Partner, deren Verhältnis seit langem belastet ist.

Zuletzt haben die Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei nochmals zugenommen. Es geht um Gebietsansprüche im östlichen Mittelmeer, um Erdgas und um Flüchtlinge. Für Baerbock wird es ein schwieriger Doppelbesuch.

Die Aussenministerin war bereits am Donnerstag in der griechischen Hauptstadt Athen eingetroffen, führt ihre politischen Gespräche mit dem griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis und Aussenminister Nikos Dendias aber erst am Freitag. Anschliessend fliegt sie weiter nach Istanbul zu einem Gespräch mit dem türkischen Aussenminister Mevlüt Cavusoglu.

Der Doppelbesuch bei den beiden Nato-Partnern sei ihr gerade in diesen schwierigen Zeiten wichtig, in denen Russland versuche, das westliche Bündnis zu spalten, hatte Baerbock vor ihrer Abreise der griechischen Zeitung «Ta Nea» gesagt. «Nie kam es mehr auf den Zusammenhalt zwischen Nato-Verbündeten und europäischen Partnern an.»

Streitthemen

Mit dem Zusammenhalt zwischen Griechenland und der Türkei ist es aber nicht weit her. Derzeit gibt es vor allem drei grosse Streitthemen:

- Gebietsansprüche: Ankara stellt die Souveränität griechischer Inseln in der östlichen Ägäis wie Rhodos, Samos und Kos in Frage und fordert den Abzug des griechischen Militärs. Den Forderungen verleiht die Türkei mit Überflügen türkischer Kampfjets über bewohnte griechische Inseln Nachdruck. Griechenland rechtfertigt die Truppenstationierung mit der Präsenz zahlreicher Landungsboote an der türkischen Westküste.

- Erdgas: Ungelöst bleibt zudem ein Streit um Erdgas unter dem Meeresboden, in den auch Zypern verwickelt ist. Am 9. August will die Türkei erneut ein Bohrschiff ins Mittelmeer schicken, was den Konflikt wieder anheizen könnte.

- Flüchtlinge: Weiterhin versuchen täglich Menschen über das Mittelmeer von der Türkei nach Europa zu kommen. Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerk UNHCR gelang seit Jahresbeginn rund 6250 Menschen der Grenzübertritt in Nordostgriechenland oder die Überfahrt per Boot von der türkischen Westküste zu den griechischen Inseln. Dabei gab es auch immer wieder Bootsunglücke und Tote. Athen und Ankara schieben sich für diesen Zustand gegenseitig die Schuld zu.

Bei Baerbocks Besuch in beiden Hauptstädten wird es aber auch sehr stark um den Ukraine-Krieg und seine Folgen gehen. In Griechenland dürften die Verhandlungen über einen Ringtausch Thema sein, durch den griechische Panzer sowjetischer Bauart in die Ukraine gelangen sollen. Deutschland will die griechischen Streitkräfte dafür mit Marder-Schützenpanzern ausstatten. Das Problem: Griechenland will seine Panzer erst liefern, wenn der Ersatz aus Deutschland da ist.

In Istanbul dürfte Baerbock die erfolgreichen Vermittlungen der Türkei zur Aufhebung der monatelangen Blockade ukrainischer Getreide-Exporte würdigen. Sie will in der Türkei aber auch Themen ansprechen, «bei denen wir teils fundamentale Differenzen haben». Dazu zählte sie vor ihrer Abreise das militärische Vorgehen der Türkei in Nordsyrien und Menschenrechtsfragen. «Auch hier müssen wir dafür sorgen, dass sich unsere Wege wieder aufeinander zubewegen.»

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