«Sahara hat sich bereits nach Südeuropa verlagert»

Nicola Wittwer
Nicola Wittwer

Italien,

In Sizilien macht der Klimawandel der Landwirtschaft immer mehr Mühe. Die Dinge ändern sich.

Klimawandel
In Sizilien kämpfen Landwirte mit den Folgen des Klimawandels. 2024 litt die süditalienische Insel unter Trockenheit. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Sahara erreicht Südeuropa und macht Bauern zu schaffen.
  • In Sizilien wird mehr Getreide importiert als früher, Landwirte verdienen weniger.
  • Eine kompliziertere Herstellung könnte Lebensmittel in Zukunft teurer machen.

Im Süden Europas steht die Landwirtschaft vor grossen Herausforderungen. Der Klimawandel verstärkt extreme Wetterbedingungen wie Trockenheit oder starke Niederschläge.

Mal haben die Bauern zu wenig Wasser, mal ist es plötzlich zu nass.

«Das ist der Nachteil des Klimawandels»

Damit konfrontiert sind die Landwirte in Sizilien. Auf der Insel im Süden Italiens konnte Salvatore Passamonte, Besitzer eines Weizenfelds, vor zwei Jahren «nichts ernten». Er verlor wegen Trockenheit die ganze Ernte – andere wiederum mussten ihre Zitronenbäume ausreissen.

Dieses Jahr sieht es anders aus: Passamonte konnte nicht aussäen, weil der Boden nach viel Regen zu nass war.

Gegenüber SRF stellt der Bauer fest: «Das ist der Nachteil des Klimawandels. All dieser Regen ist genau so abnormal, wie es vor zwei Jahren die grosse Trockenheit war.»

Sizilien Klimawandel
Sturm Harry sorgte in Sizilien im Januar für Verwüstung. - keystone

Der Bauer lebt im Inneren Siziliens und damit in einer der heissesten Regionen Europas. Dort, wo Hartweizen für die Herstellung der Pasta wächst.

Vor zwei Jahren gab es von jenem Weizen wegen Wassermangels weniger. Verdorrter Weizen war aber nicht die einzige Konsequenz: Teilweise fehlten den Bauern die Nahrung und das Wasser für Ziegen. Die Tiere mussten deshalb notgeschlachtet werden.

Sahara verlagert sich nach Europa

Neben dem Klimawandel machen den Landwirten auch der «immer geringere Verdienst der Landwirte» zu schaffen, sagt Agronom Paolo Caruso. Italien importiere für den Pasta-Export mittlerweile 50 Prozent des gesamten Getreides. Früher habe der Anteil noch 30 Prozent betragen.

Dass dieser wieder grösser wird, ist unwahrscheinlich. Laut dem Italienischen Forschungsrat könnte in Sizilien bis zu 70 Prozent der Landwirtschaftsfläche zur Wüste werden.

Italiens Politik müsse die eigene Landwirtschaft deshalb wieder stärken, fordert Agronom Caruso. Ohne Gegenmassnahmen «geben immer mehr Bauern die Felder auf und die Wüste breitet sich aus». Nicht nur Sizilien stehe vor diesem grossen Problem, sondern ganz Südeuropa.

Dem pflichtet Klimawissenschaftler Davide Faranda bei – und fügt an: «Die Sahara hat sich bereits in die südlichen Gebiete Europas verlagert.» Sie breitet sich durch den Klimawandel «immer weiter nach Norden aus».

Klimawandel
Schnee auf dem spuckenden Ätna im Dezember 2025. - keystone

Der Klimawandel fördert neben Trockenheit auch das andere Extrem. In Sizilien kommt es zu deutlich stärkeren Winterstürmen. Auf dem Ätna lagen im vergangenen Winter meterhohe Schneemassen.

Neuerdings tropische Früchte

Zurück in die Hitze: Sie ermöglicht in Sizilien nun den Anbau tropischer Früchte und bietet den Bauern ein Stück weit auch eine neue Chance. Neuerdings können Avocado, Mango, Bananen, Litschi oder Papaya wachsen.

Zum Hotspot für tropische Früchte wird Sizilien deshalb aber nicht. So werden auch in der Schweiz nicht plötzlich massenhaft Zitronen wachsen.

«Eine Verschiebung des Anbaus dürfte nur der Mittelmeerküste entlang Richtung Norden möglich sein», sagt Agronom Alberto Continella. «Da wo das Thermometer nicht unter null fällt.»

Macht dir der Klimawandel Sorgen?

Der Klimawandel und die sich gegen Norden ausdehnende Wüste stellen Bauern in Südeuropa also vor Herausforderungen.

Agronom Continella denkt trotzdem, dass es auch in Zukunft wohl genügend Nahrung geben wird. Aber: «Wegen des komplizierteren Anbaus werden die Lebensmittel wohl teurer.»

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Kommentare

User #7165 (nicht angemeldet)

Die Wärmephase im Mittelalter war nicht global und nicht gleichzeitig – verschiedene Regionen waren zu unterschiedlichen Zeiten warm, nie die ganze Erde auf einmal. Im weltweiten Durchschnitt war es damals sogar kühler als heute. Außerdem gab es damals keine Ursache, die mit dem heutigen CO2-Anstieg vergleichbar wäre – die aktuelle Erwärmung ist die erste, die gleichzeitig auf der ganzen Welt stattfindet und eindeutig mit dem menschengemachten CO2-Ausstoß zusammenhängt. Quellen: PAGES 2k Consortium (2013, Nature Geoscience) – globale Temperaturrekonstruktion der letzten 2000 Jahre; IPCC 6. Sachstandsbericht (AR6, 2021), Kapitel zur Paläoklimato

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