Angst

    Russen plündern ihre Konten – aus Angst vor Kreml

    Nicola Wittwer
    Nicola Wittwer

    Russland,

    In Russland wächst die Angst, der Kreml könnte das Geld der Bevölkerung für den Krieg gegen die Ukraine nutzen. Das bringt Banken in eine unangenehme Lage.

    Russland Ukraine krieg
    In Russland heben mehr und mehr Menschen Geld ab. (Symbolbild von 2022) - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die russische Bevölkerung hebt Milliarden Franken von ihren Bankkonten ab.
    • Viele befürchten, der Kreml werde private Gelder einziehen und für den Krieg gegen die Ukraine nutzen.
    • Bei einigen Banken soll es jetzt deshalb Liquiditätsprobleme geben.

    Die russische Bevölkerung sieht ihr Geld bei Banken zunehmend unsicherer. Sparer und Unternehmen hoben bei der russischen Zentralbank in den ersten beiden August-Wochen rund 2,7 Milliarden Franken ab. Im Juli belief sich der Betrag schon auf knapp 6 Milliarden Franken, im Juni auf 3,7.

    Die «Washington Post» legt in einem Bericht nahe, dass es sich dabei um Misstrauen in den Kreml handelt.

    Denn: In Russland wächst die Sorge, die Regierung könnte private Gelder einziehen, um den Angriffskrieg gegen die Ukraine zu finanzieren.

    Wird der Kreml private Vermögen zur Kriegsfinanzierung benutzen?

    Ein ehemaliger hochrangiger Finanzbeamter sagt gegenüber der US-Zeitung: «Drohnen fliegen. Dinge brennen nieder. Die Nervosität wächst.»

    Man habe das Geld deshalb lieber unter dem Kopfkissen als bei der Bank. Denn dort könnte es plötzlich einbehalten werden.

    Laut dem Beamten haben einige Banken mittlerweile Liquiditätsprobleme. Sie hätten das ganze Geld woanders investiert «und die Leute kommen und heben eine halbe Billion Rubel im Monat ab».

    Kreml könnte Abhebelimit einführen

    In Russland schwindet also das Vertrauen in die Banken. Wirtschaftsexpertin Alexandra Prokopenko erklärt gegenüber der «Washington Post»: «Das ist alles eine Konsequenz aus der Angst, dass die Regierung etwas mit den Banken vorhat. Dass sie Anlagen verstaatlichen könnte.»

    Letzteres sei zwar unwahrscheinlich, doch Prokopenko will nicht ausschliessen, «dass die Behörden ein Abhebelimit einführen könnten».

    Für die Banken und den Kreml zeichnet sich nun ein weiteres Problem ab.

    Taras Skworzow, Finanzvorstand der grossen Sberbank, erklärt: Mangels Geld können die Banken keine Staatsanleihen mehr kaufen, weshalb der Regierung Verkäufe wegfallen. Dadurch bleibt ihr weniger Geld für den Krieg gegen die Ukraine.

    Laut Skwortsov könnte die Gesamtsumme der Abhebungen im Jahr 2026 fast doppelt so hoch sein wie jene des ersten Kriegsjahres.

    Russischer Top-Ökonom entlassen

    Erst kürzlich sorgte der prominente Ökonom Andrej Klepatsch für Aufsehen, als er Russland im Ukraine-Krieg eine Niederlage vorhersagte. Das Land steuere auf eine Krise zu und werde im technologischen und wirtschaftlichen Wettbewerb weltweit den Kürzeren ziehen.

    Das Staatsunternehmen VEB.RF, Russlands führende Institution für wirtschaftliche Entwicklung, hat seinen Chefökonomen daraufhin entlassen. Der Kreml und die Staatskonzerne betonen jeweils, Die Lage in Russland sei unter Kontrolle.

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    Kommentare

    User #2785 (nicht angemeldet)

    Der Westen macht es richtig. Das ganzes Steuergeld wird an den Ukraine - Krieg bezahlt und zurück wird es nichts bekommen.

    User #5594 (nicht angemeldet)

    die Russen machen es richtig - für Putin darf kein Geld übrig bleiben - der hat selbst genug Geld erpresst. soll er das doćh benutzen - auch sein letztes Hemd hat keine Taschen.

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