Für den russischen Starregisseur Kirill Serebrennikow (52) war die beste Antwort auf seinen Hausarrest die Arbeit. «Die beste Option ist, für das Leben zu kämpfen», sagte Serebrennikow am Freitag im Hamburger Thalia Theater. Deshalb habe er arbeiten müssen und jede Sekunde zum Schreiben und Lesen genutzt. «Ich habe daran gedacht, wie man leben kann, anstatt daran zu denken, wie man sterben kann», meinte der Regisseur.
Kirill Serebrennikow steht noch immer unter Hausarrest. Foto: Pavel Golovkin/AP
Kirill Serebrennikow steht noch immer unter Hausarrest. Foto: Pavel Golovkin/AP - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Serebrennikow war im Sommer 2017 verhaftet und in Hausarrest gesetzt worden.

Das von der Staatsanwaltschaft geforderte Straflager wegen angeblicher Veruntreuung von Geldern wurde beim Prozess im Sommer 2020 in eine dreijährige Bewährungsstrafe mit Ausreiseverbot aus Russland umgewandelt. Am Samstag hatte er plötzlich die Erlaubnis bekommen, nach Hamburg zu fliegen, um die Proben an seinem neuesten Theaterstück am Thalia Theater fortzusetzen.

Auf die Frage, wie frei er sich nun fühle, antwortete der Regisseur: «Man kann am Theater nicht ohne Freiheit arbeiten.» Und weiter: «Wir tragen unsere Freiheit in uns. Wir bekommen sie nicht von ausserhalb. Das ist eine Frage, wie wir leben. Ich fühlte mich auch frei, als ich eingesperrt war.»

Die Proben zu Anton Tschechows Erzählung «Der schwarze Mönch» mit russischen, deutschen, amerikanischen, armenischen und lettischen Künstlern begannen am 8. November in Moskau und werden seit dem 4. Januar in Hamburg fortgesetzt. Die Premiere ist für den 22. Januar geplant. Nach der Premiere werde er nach Moskau zurückkehren, so Serebrennikow. «Direkt nach der Premiere muss ich zurück.»

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