Polizisten verhaften Opfer (†18) statt Mörder

Aaron Studer
Aaron Studer

Grossbritannien,

Ein 23-Jähriger ist in England zu lebenslanger Haft wegen des Mordes an einem 18-Jährigen verurteilt worden. Übel: Die Polizei hatte zuerst das Opfer verhaftet.

Mord
Links das Opfer Henry Nowak (18). Rechts der Täter Vickrum Digwa (23). - Hampshire Police

Das Wichtigste in Kürze

  • Henry Nowak, ein 18-jähriger Student, wurde Ende 2025 mit einem Messer getötet.
  • Täter Vickrum Digwa behauptete, Opfer eines rassistischen Angriffs zu sein – eine Lüge.
  • Der 23-Jährige muss mindestens 21 Jahre im Gefängnis bleiben.

Henry Nowak, ein 18-jähriger Student aus Southampton (GB), verlor im Dezember 2025 unter aufsehenerregenden Umständen sein Leben. Er wurde fälschlicherweise nach einem Messerangriff von der Polizei gefesselt und starb dabei.

Die Polizei dachte, er sei Täter und der wahre Täter das Opfer.

Hintergrund: Der Angreifer, der 23-jährige Vickrum Digwa, hatte die Polizei am Tatort belogen. Er behauptete, selbst Opfer eines rassistischen Angriffs zu sein. Die Beamten glaubten ihm und fesselten stattdessen den schwer verletzten Nowak.

Offenbar ohne dessen Wunden zu bemerken oder ernst zu nehmen.

Polizeivideo wird während Prozess öffentlich

Digwa wurde inzwischen zu lebenslanger Haft verurteilt. Er muss mindestens 21 Jahre im Gefängnis bleiben, wie die BBC berichtet.

Im Verlauf des Prozesses wurde das Video des Polizeieinsatzes öffentlich. Die Aufnahmen wurden auf verschiedenen Online-Plattformen geteilt und scharf kommentiert.

Nowak
Handschellen statt Notarzt: Ein Screenshot aus dem Bodycam-Video der Polizisten vom 03. Dezember 2025. - X/@brivael

Die Bodycam-Aufnahmen, die die Polizei mit Zustimmung der Familie veröffentlichte, zeigen, wie Nowak mehrfach sagt, er könne nicht atmen.

Demos nach Urteilsspruch

Am Dienstagabend versammelten sich mehrere hundert Personen vor einer Polizeistation in Southampton.

Darunter war auch der bekannte rechtsextreme Aktivist Tommy Robinson. Später wurden Polizisten mit Raketen beschossen, als der Protest sich in Richtung von Digwas Wohnhaus verlagerte.

Mord
Am 2. Juni 2026 demonstrierten Rechte in der Nähe des Tatorts. Mit dabei auch Tommy Robinson – ein rechtsextremer Influencer. - keystone

Die verwendete Waffe war ebenfalls ein zentrales Thema. Nach britischem Recht dürfen praktizierende Sikhs einen sogenannten Kirpan tragen. Das ist eine kleine, gebogene Klinge mit religiöser Bedeutung.

Die Waffe, die er gegen Nowak einsetzte, war jedoch deutlich grösser. Die Sikh-Gemeinschaft distanzierte sich klar von Digwa. Sie hatte ihn bereits vor der Tat aus einem Gotteshaus ausgeschlossen.

Opfer-Vater erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei

Die Familie des Opfers kommt aus Chafford Hundred im englischen Essex. Sie bezeichnet die Behandlung ihres Sohnes als «unmenschlich und erniedrigend». Die Polizei hat sich inzwischen entschuldigt.

Der Vater fügt hinzu: «Henry hätte nicht auf den Strassen von Southampton in Polizeigewahrsam sterben dürfen.»

Britische Politiker reagieren auf den Fall

Der Fall sorgt für politische Debatten im britischen Unterhaus. Innenministerin Shabana Mahmood bezeichnete die Messerstecherei als «böse Tat» und würdigte die Aussagen der Familie Nowak.

Premierminister Keir Starmer sagte, er habe sich beim Anschauen der Aufnahmen als Vater eines 17-Jährigen «übel» gefühlt. Es gebe «dringende Fragen an die Polizei, die beantwortet werden müssen».

Digwas Familie entschuldigt sich öffentlich

Auch die Familie des Täters meldete sich zu Wort: «Wir bedauern zutiefst den Schmerz und das Leid, das die Nowak-Familie ertragen musste.»

mord
Die Mutter des Täters soll später in diesem Monat wegen Beihilfe zu einem Straftäter verurteilt werden. Sie hatte die Tatwaffe versteckt. - Hampshire Police

Sie entschuldigt sich auch bei der Sikh-Gemeinschaft und bittet darum, den Fall nicht für «Spaltung oder Feindseligkeit» zu nutzen.

Aber Digwas Mutter Kiran Kaur soll noch in diesem Monat wegen Beihilfe verurteilt werden. Denn sie versteckte nach der Tat die Tatwaffe. Auch Digwas Vater und sein Bruder stehen wegen Waffenbesitzes vor Gericht – beide sind auf Kaution frei.

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