Vergangene Woche wurde sie im Stockholmer Reichstag schon einmal zur Ministerpräsidentin gewählt. Offiziell ins Amt schaffte es Magdalena Andersson aber nicht. Nun erhält die Sozialdemokratin erneut die nötige Unterstützung.
Zweite Chance für Magdalena Andersson: Sie ist erneut zur schwedischen Ministerpräsidentin gewählt worden. Foto: Erik Simander/TT News Agency/AP/dpa
Zweite Chance für Magdalena Andersson: Sie ist erneut zur schwedischen Ministerpräsidentin gewählt worden. Foto: Erik Simander/TT News Agency/AP/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Die bisherige Finanzministerin Magdalena Andersson wird nach turbulenten Tagen doch noch erste Ministerpräsidentin von Schweden.

Fünf Tage nach einem ersten erfolgreichen Parlamentsvotum mit anschliessendem Turbo-Rücktritt erhielt die Sozialdemokratin am Montag erneut die nötige Unterstützung im Reichstag in Stockholm.

Bereits am Dienstag will die 54-Jährige eine Regierungserklärung abgeben und ihre rein sozialdemokratische Minderheitsregierung vorstellen. Wohl noch am selben Tag wird das neue Kabinett bei König Carl XVI. Gustaf vorstellig werden, danach kann es offiziell seine Arbeit aufnehmen. Dann wird Andersson als erste Frau schwedische Regierungschefin sein - nach 33 Männern auf diesem Posten vor ihr.

«Es ist klar, dass es eine grosse Sache ist, Gegenstand einer Ministerpräsidentenabstimmung zu sein», sagte Andersson nach ihrer Wahl. «Das fühlte sich am Mittwoch ziemlich gross an, und das fühlte sich auch heute ziemlich gross an.» Sie sehe nun gute Voraussetzungen für eine Zusammenarbeit mit anderen Parteien im Parlament.

Andersson war am Mittwoch erstmals vom Reichstag gewählt worden. Rund sieben Stunden später trat sie aber schon wieder zurück. Der Auslöser: Die Grünen kündigten nach einer Haushaltsabstimmung am Nachmittag an, die Regierung mit den Sozialdemokraten zu verlassen.

Das Parlament des skandinavischen EU-Landes hatte zuvor nicht für den rot-grünen Haushalt, sondern für einen Alternativvorschlag mehrerer Oppositionsparteien gestimmt. An diesem Vorschlag waren erstmals auch die rechtspopulistischen Schwedendemokraten beteiligt - ein rotes Tuch für die Grünen. Parlamentspräsident Andreas Norlén musste sich daraufhin erneut auf Regierungssuche machen. Am Donnerstag nominierte er Andersson ein weiteres Mal.

Beim Votum am Montag reichte Andersson erneut, dass sich keine Mehrheit gegen sie aussprach. Wie am Mittwoch klappte das nur knapp: Ihre Sozialdemokraten stimmten ebenso für sie wie eine Parteilose, während sich neben der Zentrumspartei und den Linken auch die Grünen enthielten. Die restliche Opposition votierte mit Ausnahme einer liberalen Abgeordneten gegen sie, womit es 173 Nein-Stimmen gab - 175 wären nötig gewesen, um Anderssons Wahl zu verhindern.

Böses Blut in Richtung des ausgescherten Juniorpartners gab es von Andersson nicht. Sie unterstrich, dass die Zusammenarbeit mit den Grünen in den vergangenen sieben Regierungsjahren sehr gut gewesen sei. «Ich werde sie als Regierungspartner vermissen, freue mich aber stattdessen auf eine gute Zusammenarbeit im Reichstag», sagte sie.

Die Minderheitsregierung der 54-Jährigen wird nun ausschliesslich aus Sozialdemokraten bestehen. Sie muss dabei unter anderem die Posten der fünf bisherigen grünen Ministerinnen und Ministern sowie ihren eigenen an der Spitze des Finanzministeriums neu besetzen.

An der Regierungsspitze folgt Andersson auf ihren Parteifreund Stefan Löfven, der am 10. November nach sieben Jahren mit einer rot-grünen Minderheitsregierung wie angekündigt seinen Rücktritt eingereicht hatte. Damit will er erreichen, dass sich seine Nachfolgerin in den Monaten bis zur nächsten Parlamentswahl im September 2022 stärker profilieren kann. Nur bis zur Wahl rechnet Andersson aber nicht, wie sie am Montag klarmachte. «Ich sehe das nicht als den Start von zehn Monaten. Ich sehe das als den Start von zehn Jahren.»

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