Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft - vorausgesetzt, man erzeugt ihn «grün», also etwa mit Strom aus erneuerbarer Energie. Wiener Forscher haben nun eine einfache Methode entwickelt, wie man Wasser mit Licht in Sauerstoff und Wasserstoff aufspalten kann.
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Eine mit «Wasserstoff» gekennzeichnete Rohrleitung. (Symbolbild) - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Sie kombinierten dazu auf einem Halbleiter auf atomarer Skala zwei Katalysatoren aus relativ kostengünstigen Materialien, berichten sie im Fachjournal «ACS Catalysis» der American Chemical Society (ACS).

Sonnenlicht kann in Anwesenheit eines geeigneten Katalysators Wasser (H2O) in Sauerstoff (O2) und Wasserstoff (H2) spalten. Diese sogenannte photokatalytische Wasserspaltung wurde vor genau 50 Jahren 1972 von den japanischen Forschern Akira Fujishima und Kenichi Honda entdeckt. Sie zeigten, dass man mit Titandioxid als Katalysator unter Einstrahlung von Sonnenlicht H2O in H2 und O2 aufspalten kann.

Auch wenn weltweit seither an diesem Prozess geforscht wird, konnte seine Effizienz bisher nicht so weit gesteigert werden, dass sich damit Wasserstoff im industriellen Massstab effizient herstellen liesse. Einer der Gründe dafür ist, dass weder der Prozessablauf noch die Wirkungsweise des Katalysators so verstanden wurden, um den Katalysator gezielt in Richtung grössere Effizienz zu optimieren.

Bei der photokatalytischen Wasserspaltung habe man es «mit zwei Aufgaben gleichzeitig zu tun», erklärte Alexey Cherevan vom Institut für Materialchemie der Technischen Universität (TU) Wien in einer Mitteilung. Einerseits müssten die Sauerstoffatome des Wassers in O2-Moleküle umgewandelt werden, andererseits die übrig bleibenden Wasserstoff-Ionen sich zu H2-Molekülen verbinden.

Um dies zu erreichen, verankern die Wiener Forscher winzige anorganische Cluster, die nur aus einer kleinen Zahl von Atomen bestehen, auf einer lichtabsorbierenden Unterstruktur wie Titanoxid. Die Cluster für die Herstellung der Sauerstoff-Moleküle bestehen aus Kobalt, Wolfram und Sauerstoff, jene für die Wasserstoffmolekül-Produktion aus Schwefel und Molybden.

«Die Energie des absorbierten Lichts führt dazu, dass im Titanoxid frei bewegliche Elektronen und frei bewegliche positive Ladungen entstehen. Diese Ladungen ermöglichen dann den Atomclustern, die auf dieser Oberfläche sitzen, die Spaltung von Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zu erleichtern», so Cherevan.

Der Vorteil der von den TU-Wissenschaftern entwickelten Methode ist ihren Angaben zufolge, dass sie die exakte Struktur der Cluster mit atomarer Präzision festlegen und dadurch ein vollständiges Verständnis des Katalysekreislaufs gewinnen können. Die von anderen Forschungsgruppen verwendeten Nanopartikel könnten dagegen ganz unterschiedliche Formen und Oberflächeneigenschaften annehmen. Zudem sei die Grösse der Partikel nur schwer zu kontrollieren und deren Atome nicht immer gleich angeordnet. Damit könne man den Katalyseprozess nicht im Detail erklären.

«Wir wollen uns nicht einfach auf Versuch und Irrtum verlassen und unterschiedliche Nanopartikel ausprobieren, bis wir die beste Methode gefunden haben - wir wollen auf atomarer Ebene klären, was der optimale Katalysator ist», erklärte Cherevan. Nachdem nun bewiesen ist, dass die ausgewählten Materialien tatsächlich zum Aufspalten von Wasser geeignet sind, wollen die Forscher die genaue Struktur der Cluster noch weiter verbessern, um die Effizienz zu erhöhen.

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