Über vier Milliarden Pakete wurden im vergangenen Jahr in Deutschland zugestellt. Die allermeisten davon wurden in Lastwagen auf der Autobahn transportiert - fast keine auf der Schiene. Das soll sich ändern.
DHL-Container stehen im Güterterminal in Langerfeld auf Waggons. Foto: Jonas Güttler/dpa
DHL-Container stehen im Güterterminal in Langerfeld auf Waggons. Foto: Jonas Güttler/dpa - dpa-infocom GmbH

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Die Corona-Krise hat den Trend noch einmal beschleunigt: Erstmals wurde im vergangenen Jahr die Marke von vier Milliarden versendeter Pakete geknackt - das waren fast elf Prozent mehr als noch im Jahr davor, wie die jüngste Erhebung des Bundesverbands Paket und Expresslogistik (Biek) ergab.

Für die Umwelt ist allein schon der Transport eine grosse Belastung, denn die allermeisten Sendungen werden auf der Strasse transportiert: 64,4 Millionen Tonnen davon fuhren Lastwagen im vergangenen Jahr über die Autobahnen, wie aus Statistiken des Kraftfahrt-Bundesamts hervorgeht. Damit entfallen rund zwei Prozent des gesamten Lkw-Güterverkehrs auf Post und Pakete.

Zum Vergleich: Auf der Schiene waren es laut Statistischem Bundesamt im selben Zeitraum null Tonnen. Die Deutsche Post wiederum gibt an, bislang zwei Prozent der DHL-Pakete für einen Grossteil ihrer Strecke in Güterzügen befördern zu lassen.

Am Montag stellte der Konzern gemeinsam mit der Deutschen Bahn neue Verbindungen vor, mit denen dieser Anteil demnach nun auf sechs Prozent steigt. Langfristig soll jedes fünfte Paket über die Schiene transportiert werden. Einen genauen Zeitplan nannte der Konzern bislang nicht. «Die Kooperation mit der Deutschen Bahn und der Ausbau des schnellen, leichten Güterverkehrs auf der Schiene ist ein wichtiger Bestandteil in unserer Nachhaltigkeitsstrategie», teilte Post-Vorstand Tobias Meyer mit.

Bislang habe es für Post und Pakete 13 Verbindungen bei der Güterverkehrstochter der Bahn, DB Cargo, gegeben, die fast alle am Wochenende verkehrt seien. «Nun sind sieben weitere Zugverbindungen mit zumeist werktäglichen Verkehren hinzugekommen», hiess es. So würden etwa vom Güterterminal Grossbeeren in Brandenburg Ziele in den Grossräumen Dortmund, Mannheim und Frankfurt/Main angefahren.

Die DHL-Konkurrenten sind da noch zurückhaltend. DPD probierte vor etwa zehn Jahren den Paketversand über die Schiene aus, in einem Pilotprojekt gab es unter anderem Züge auf der Strecke Bremen - Nürnberg. Das Projekt wurde eingestellt.

Bis ein erheblicher Teil des Paketvolumens von der Strasse auf die Schiene verlagert wird, dürfte es allerdings noch einige Zeit dauern. Paketdienstleister seien per Schiene nur schwer erreichbar, teilte der Bahnverband Allianz pro Schiene mit: «Ihre Logistikzentren errichteten sie auf der Grünen Wiese ohne Gleisanschluss oder Umschlagterminal für den Kombinierten Verkehr, so dass die Lager vielfach nur mit Lkw erreichbar sind.»

Ausgewählte Paketzentren bekommen Gleisanschlüsse

Der Bund sei deshalb gemeinsam mit Ländern und Kommunen gefordert, mehr Verantwortung für die Raumordnung zu übernehmen: «Das heisst konkret: Neue Logistikstandorte sollten nur mit Gleisanschluss und Umschlagmöglichkeit auf die Schiene geplant und genehmigt werden.»

Die Post kündigte am Montag an, ausgewählte Paketzentren mit Gleisanschlüssen ausstatten zu wollen. «Den Anfang soll das Paketzentrum Köln machen, in dem in den nächsten Jahren eine Erweiterung und Bau eines direkten Zugangs zu dem benachbarten Containerterminal Eifeltor geplant ist», hiess es. Allerdings machten bauliche und regulatorische Vorschriften solche Vorhaben schwierig langwierig. Zudem bleibt es für die Bahn-Unternehmen eine Herausforderung, den auf Pünktlichkeit und Schnelligkeit angewiesenen Pakettransport mit der notwendigen Geschwindigkeit abzuwickeln.

Dennoch sieht der Geschäftsführer des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen (NEE), Peter Westenberger, bei Post und Paketen für die Schiene einen «wichtigen Markt». In dem Verband sind die Wettbewerber der Bahn organisiert. Sie seien im sogenannten Kombinierten Verkehr, der für die Pakete relevant ist, «gut aufgestellt». Die Herausforderungen seien nicht unlösbar, es brauche indes ein «klares Commitment der Verlader», also der Paketdienste. «Das sehe ich derzeit nicht», teilte Westenberger mit.

Die Bahn wiederum verweist als ersten Schritt auf den Ausbau der eigenen Güterverbindungen über Nacht: «Wir haben zwei Verbindungen im Jahr 2020 erstmals aufgesetzt - nun fahren wir auf zwölf Linien Nacht für Nacht nach Plan», hiess es. «Wenn Kunden bis zu einer bestimmten Uhrzeit einen Güterwagen oder Fracht anliefern, ist es am nächsten Morgen gebracht.»

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