Litauen: 15 freigelassene Oppositionelle aus Belarus eingetroffen
In Litauen sind 15 freigelassene belarussische politische Gefangene eingetroffen, die von der autoritären Führung in Minsk auf US-Vermittlung freigelassen worden sind.

Ein Sprecher der belarussischen Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja sprach nach deren Ankunft am Donnerstagabend in Vilnius vor Journalisten von einem «sehr wichtigen Tag» und würdigte die Hilfe durch die litauischen Behörden. Tichanowskaja selbst schrieb auf Telegram, sie sei «glücklich und erleichtert» und bedanke sich bei den USA für deren Bemühungen um die Freilassung der Gefangenen.
Nach Gesprächen mit einer US-Delegation unter Leitung des Sondergesandten John Coale hatte der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko am Donnerstag 250 politische Gefangene freigelassen. Davon sind nach Angaben von Tichanowskajas Büro 235 in ihrem Heimatland geblieben, die restlichen 15 sind nach Litauen gegangen. Dort wurden sie Medienberichten zufolge von zahlreichen Unterstützern freudig empfangen, als sie aus dem Bus stiegen.
Im Gegenzug für die Freilassung hoben die USA Sanktionen gegen mehrere belarussische Firmen und Institutionen auf. Washington hatte zuvor bereits im Dezember 2025 einige Strafmassnahmen gelockert, nachdem Minsk 123 politische Gefangene freigelassen hatte. Dagegen hatte die EU ihre Sanktionen gegen Belarus erst kürzlich um weitere zwölf Monate verlängert – und sollte nach Ansicht von Litauen auch nicht dem Beispiel der USA folgen.
«Wir sind uns der angewandten Tricks sehr wohl bewusst. Das Problem ist, dass wir einen fehlerhaften Anreizmechanismus für Lukaschenko schaffen», sagte der litauische Präsident Gitanas Nauseda. Daraus könne ein Teufelskreis in Gang gesetzt und zu einer ständigen Praxis gemacht werden: «Einige Gefangene freilassen, andere festnehmen, und dann beim nächsten US-Besuch wieder auf eine Gegenleistung hoffen», warnte das Staatsoberhaupt des baltischen EU- und Nato-Landes.
Litauen ist seit längerem ein Hort der belarussischen Opposition und unterstützt die Demokratiebewegung im Nachbarland. Zehntausende Belarussen waren nach der als grob gefälscht kritisierten Präsidentenwahl im August 2020 auf Druck des Machtapparats in das EU-Land geflüchtet. Zahlreiche andere wurden in Belarus verhaftet – immer noch zählen Bürgerrechtler trotz der jüngsten Freilassungen bis zu 1.400 politische Häftlinge.










