Ligurisches Meer erreichte Rekordtemperatur von 31 Grad
Das Ligurische Meer hat einen historischen Temperaturrekord erreicht. Am 3. August wurden vor der Badeortschaft Porto Venere in der Provinz La Spezia exakt 31 Grad Celsius gemessen – rund vier Grad mehr als der klimatologische Durchschnitt.

Die aussergewöhnliche Wärme sorgt für einen Effekt wie in einer «tropischen Badewanne» und wirft Fragen nach den langfristigen Folgen auf, warnen Experten. Noch nie war das Ligurische Meer so warm.
Der Rekord reiht sich in die aussergewöhnlich hohen Wassertemperaturen entlang der italienischen Küste ein. Das Mittelmeer erreicht in diesem Sommer immer wieder neue Höchstwerte und zeigt nach Einschätzung von Wissenschaftern eine Entwicklung ausserhalb der bisherigen Norm.
Die Messungen des nationalen Wellen- und Meeresbeobachtungsnetzes des italienischen Umweltforschungsinstituts Ispra zeigen, dass die Erwärmung nicht auf Ligurien begrenzt ist. Auch in Sizilien sowie vor der Hafenstadt Civitavecchia bei Rom und Alghero auf Sardinien wurden Wassertemperaturen von mehr als 30 Grad registriert.
Dass selbst das Ligurische Meer, das von Ozeanografen traditionell als vergleichsweise kühles Becken betrachtet wird, solche Werte erreicht, macht den Sommer 2026 zu einem möglichen Wendepunkt. «Nachdem wir lange gesagt haben, dass sich das Klima verändert, also dass der Wandel im Gange ist, müssen wir jetzt feststellen, dass der Wandel bereits da ist», sagte Paola Tepsich, Forscherin der Stiftung Cima und Expertin für marine Ökosysteme laut der Turiner Tageszeitung «La Stampa» am Freitag.
Welche Auswirkungen die aussergewöhnliche Erwärmung haben wird, ist bisher schwer vorherzusagen. Wissenschafter benötigen langfristige Messreihen, umfangreiche Daten und jahrelange Forschung, um die Folgen für Meeresökosysteme, Artenvielfalt und das Klimasystem genauer zu erfassen.
Die ungewöhnlichen Temperaturen haben bereits Auswirkungen auf die Überwachungssysteme. Messbojen wie jene von Arpal bei Capo Mele an der ligurischen Riviera mussten ihre Messbereiche erweitern. Während der Temperatursensor bisher Werte bis 29,9 Grad erfasste, reicht die Skala nun bis 35 Grad.
Die extreme Hitze im Meer fällt mit einer angespannten Wasserlage an Land zusammen. Italien kämpft in mehreren Regionen mit einer schweren Trockenheit. Auch grosse Seen sind betroffen: Der Lago Maggiore liegt 40,9 Zentimeter unter dem Durchschnittswert für diese Jahreszeit. Die niedrigen Wasserstände gefährden unter anderem den Reisanbau in der Lombardei und im Piemont.
Auch der Po, der längste Fluss Italiens, leidet unter einer extremen Dürre mit Wasserständen unter den für Niedrigwasserperioden typischen Werten. Die hohen Temperaturen der vergangenen Tage verschärfen die Situation und belasten die letzten Wasserreserven des Flusses.










