Der Antisemitismus-Eklat auf der documenta hat nach Ansicht von Hessens Kunstministerin Angela Dorn schwerwiegende Auswirkungen. «Der bereits entstandene Schaden ist nicht zu relativieren», sagte die Grünen-Politikerin am Dienstag. «Im Gegenteil, wir müssen aufarbeiten, wie es bei der documenta geschehen konnte, dass eine solche Bildsprache öffentlich gezeigt wurde.» Auch die weiteren Werke vor allem der betreffenden Künstlergruppe müssten «im Sinne verantwortungsvollen Kuratierens» genauer in den Blick genommen werden. Es sei höchste Zeit, das Gespräch darüber zu führen, «warum diese Bilder hier auf Widerstand und Ablehnung stossen und aus welcher Weltsicht sie entstanden sind.»
Besucher der documenta fifteen stehen nach Eröffnung vor dem Fridericianum, dessen Säulen der rumänische Künstler Dan Perjovschi mit schwarzer Farbe bemalt und mit weissen Symbolen und Zeichen zu Themen wie Frieden, Solidarität oder Nachhaltigkeit beschriftet hat.
Besucher der documenta fifteen stehen nach Eröffnung vor dem Fridericianum, dessen Säulen der rumänische Künstler Dan Perjovschi mit schwarzer Farbe bemalt und mit weissen Symbolen und Zeichen zu Themen wie Frieden, Solidarität oder Nachhaltigkeit beschriftet hat. - Uwe Zucchi/dpa

Die grossflächige Banner-Installation «People's Justice» des indonesischen Künstlerkollektivs Taring Padi hatte am Montag für eine Welle der Empörung gesorgt.

Sie zeigt unter anderem einen Soldaten mit Schweinsgesicht. Er trägt ein Halstuch mit einem Davidstern und einen Helm mit der Aufschrift «Mossad» - die Bezeichnung des israelischen Auslandsgeheimdienstes. Die Verantwortlichen der documenta entschieden schliesslich, das Werk mit schwarzen Stoffbahnen zu verhängen - erst drei Tage, nachdem es installiert worden war.

«Das Kunstwerk enthält antisemitische Chiffren, von denen Jüdinnen und Juden sich zurecht verletzt fühlen», erklärte Dorn.