Das Zeitfenster für Evakuierungen aus der afghanischen Hauptstadt Kabul schliesst sich nach Worten von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer auch wegen der sich verschärfenden Sicherheitssituation. Es werde auch deshalb kleiner, «weil die Bedrohungslage sehr konkret mit Blick auf terroristische Anschläge auf die, die evakuiert werden sollen, aber auch auf die Soldatinnen und Soldaten, grösser wird», sagte die CDU-Politikerin am Mittwochabend im ZDF-«heute journal». Wie gross dieses Fenster sei, «darüber möchte ich nicht spekulieren, weil es auch die Arbeit, die immer noch unvermindert weitergeht, um so viele Menschen wie möglich auf die Flieger zu bekommen, weiter erschwert. Und die Soldaten vor Ort haben es schon mit einer sehr, sehr schweren Situation zu tun.» Die Bundeswehr hatte bereits am Dienstag berichtet, dass zunehmend potenzielle Selbstmordattentäter der Terrororganisation Islamischer Staat in Kabul unterwegs seien.
Sondersitzung des Bundestags
25.08.2021, Berlin: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht mit Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) bei der Sondersitzung des Bundestags zur Lage in Afghanistan. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Die internationale Evakuierungsaktion, die nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan eingeleitet wurde, soll am 31.

August mit dem Abzug der US-Streitkräfte enden. Der letzte Bundeswehrflug könnte schon deutlich früher gehen. Die Bundeswehr hat bis Mittwochabend mit mehr als 30 Flügen rund 5200 Menschen aus Kabul ausgeflogen, darunter mehr als 3600 Afghanen.

Die Taliban hatten Afghanistan Mitte August in wenigen Tagen und ohne grössere Gegenwehr der Streitkräfte erobert. Auf dem Papier waren die Taliban den Streitkräften unterlegen. Sie profitieren aber von ihrem brutalen Ruf, den sie während ihrer Herrschaft in den 90er Jahren mit öffentlichen Exekutionen oder Auspeitschungen erlangt haben. Vor allem frühere Regierungsbeamte, Mitglieder der Sicherheitskräfte, Menschenrechtler oder Ortskräfte und Mitarbeiter ausländischer Streitkräfte und Organisationen haben Angst vor Racheaktionen der Taliban.

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