Kontrolleur tot: Deutsche wollen in Zügen weniger Ausweis-Checks
Nach tödlicher Prügel-Attacke: Der deutsche Verkehrsminister schlägt eine Reduktion der Ausweiskontrollen vor. Um die Sicherheit zu verbessern!

Das Wichtigste in Kürze
- Die tödliche Prügel-Attacke auf einen deutschen Zugbegleiter hinterlässt Spuren.
- Die Politik sucht nach Lösungen, um die Sicherheit der Kontrolleure zu gewährleisten.
- Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder schlägt eine Reduktion der Ausweiskontrollen vor.
- Die SBB kontrolliert Ausweise nach Bedarf – und will auf Bodycams setzen.
Der brutale Angriff auf Zugbegleiter Serkan C. schockiert Deutschland und darüber hinaus.
Der Kontrolleur wurde nach einer Ticketkontrolle totgeschlagen. Nun sucht die Politik nach Möglichkeiten, um Bahnmitarbeiter besser zu schützen.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) schlägt eine überraschende Lösung vor: Er will die Anzahl der Ausweiskontrollen in Zügen reduzieren.
Grund: «Wir haben festgestellt, dass die Identitätskontrollen Auslöser für erhebliche Grundaggressivität sind», sagt Schnieder in einem Interview mit dem «Handelsblatt». Fahrgäste müssen derzeit oft zusätzlich zu ihrem Ticket einen Ausweis vorzeigen.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. «Man könnte die Gewalt um etwa 18 Prozent senken, wenn man auf solche Kontrollen verzichtet», sagt der Verkehrsminister. Er begründet seinen Vorschlag mit Studien zur Gewaltprävention.
Verkehrsminister orientiert sich an U-Bahn-System
Patrick Schnieder hat bereits konkrete Alternativen im Blick. Das U-Bahn-Modell könne als Vorbild dienen. Dort gebe es Stichproben durch mehrere Kontrolleure gleichzeitig.
Eine weitere Option seien Kontrollen bereits am Bahnsteig. Viele ausländische Bahnhöfe setzen auf Eingangsschranken. In London oder Paris müssen Reisende ihr Ticket scannen, bevor sie zu den Gleisen gelangen. Dieses System verhindert Schwarzfahren bereits vor der Zugfahrt.
Auch in der Schweiz werden gelegentlich Ausweiskontrollen durchgeführt
Ausweiskontrollen gibt es nach Bedarf auch in der Schweiz. SBB-Mediensprecher Moritz Weisskopf auf Anfrage von Nau.ch:
«Hauptsächlich, um die Gültigkeit personalisierter Tickets sicherzustellen, Missbrauch zu verhindern und: bei fehlendem Billett die Identität für das Nachforderungsverfahren festzustellen.»
Bei der SBB komme es täglich zu rund zehn verbalen oder physischen Aggressionen gegen das Personal. Diese seien «im Einzelfall in den letzten Jahren gröber geworden».
Bodycams sollen Bahnmitarbeiter zusätzlich schützen
«Wir wollen die Videoüberwachung ausbauen und Bodycams einführen, die auch den Ton mit aufnehmen», fordert Patrick Schnieder. Die Kameras sollen im Regional- und Fernverkehr zum Einsatz kommen.

Bei der SBB ist die Transportpolizei bereits seit über einem Jahr mit Bodycams ausgestattet. Dies hat sich laut Weisskopf bewährt. «Vor diesem Hintergrund möchte die SBB den Einsatz von Bodycams auf freiwilliger Basis auch bei Kundenbegleiterinnen und Kundenbegleiter testen.»
Ziel eines Pilot-Einsatzes sei es, Erfahrungen zu sammeln, wie Bodycams die Sicherheit des Zugpersonals unterstützen können. «Bevor dieses Vorhaben konkretisiert werden kann, sind noch rechtliche und datenschutzrechtliche Fragen zu klären», so Weisskopf.
Auch in Deutschland gibt es Hürden bezüglich des Datenschutzes: Tonaufnahmen sind bisher nicht erlaubt.

















